Bumblebee verdient ihr Futter bald selbst

Nicht zur Nachahmung empfohlen: So kann man nur ein ausgesprochen sanftmütiges Shire Horse verladen. Wie es geht, zeigt Dr. Karl-Heinz Lindenlaub in einem Internet-Video.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Bumblebee, die zehnjährige Shire-Horse-Stute von Dr. Karl-Heinz Lindenlaub, wird im Internet allmählich zum Star. Ein kleiner Videoclip vom Verladen des mächtigen Kaltblüters auf einen Anhänger entwickelt sich unter Pferdefans jedenfalls zum Hit.

Eigentlich hatte Angelika Hummel im April vergangenen Jahres nur ihre neue handliche Videokamera ausprobieren. Als ihr Ehemann sein Shire Horse Bumblebee auf den Pferde-Anhänger verladen wollte, hielt sie einfach drauf. Es wurde ein ausgesprochen lustiger Film. Bumblebee wollte zunächst nicht in den engen Anhänger hinein, aber dann war sie nach nur 30 Sekunden abfahrbereit. Das ist rekordverdächtig. Bei manchen verlade-unwilligen Tieren kann so etwas auch mal einige Stunden dauern.

Das Video auf YouTube

Besitzer Dr. Karl-Heinz Lindenlaub greift zu einem Trick, der bei jedem anderen Pferd lebensgefährlich wäre: Er schiebt seine Riesenstute mit dem eigenen Hinterteil in den Anhänger. Dazu muss man wissen, dass Pferde als Fluchttiere an den Hinterbeinen extrem empfindlich sind, weil sie hinten nichts sehen. Deshalb keilen sie bei Berührungen, gerade in schwierigen Situationen, häufig als Verteidigungs-Reflex kräftig aus.

Anders bei Bumblebee. Die Stute lebt auf dem Hof Waldemey von klein an, Mensch und Tier kennen sich in- und auswendig, man hat unbegrenztes Vertrauen zueinander. Zudem ist Bumblebee ein Shire Horse, die größte, schwerste und kräftigste Pferderasse der Welt. In ihrer englischen Heimat werden diese Tiere als „Gentle Giants“ („Sanfte Riesen“) bezeichnet. Lindenlaub erläutert: „Es ist ein wichtiges Zuchtziel, dass Shires sehr menschenfreundlich sind. Dieser typische Wesenszug hat ganz praktische Vorteile: Ein Jumbopferd mit der Kraft und der Masse eines Shire muss gegenüber den Menschen lammfromm sein, weil sonst niemand gefahrlos mit ihm umgehen könnte.“

Am Abend des Verladetags probierte Lindenlaub die Bearbeitungs-Funktionen der neuen Videokamera aus. Er schnitt den Film etwas, unterlegte Musik, kreierte einen Vor- und Abspann und stellte den Film beim Internet-Videoportal Youtube ein. Zunächst tat sich nicht viel. Einige Freunde und Verwandte, die er informiert hatte, schauten sich das Video an. „Höchstens fünf Leute pro Tag“, wie Lindenlaub sich erinnert. Doch langsam stiegen die Zuschauer-Zahlen. Im Sommer 2010 waren es schon 30 Leute pro Tag. Die meisten, fast die Hälfte, kommen aus Deutschland, aus Europa kommen weitere 25 Prozent, der Rest verteilt sich auf die ganze Welt, besonders stark auf die USA, aber auch auf Südamerika und den Nahen Osten. Sogar auf den fernen Fidschi-Inseln im Pazifik oder in Indonesien wird das brave Shire Horse aus dem Sauerland angeschaut.

Und die Zuschauer-Skala zeigt weiter steil nach oben. Im Mai 2011, nach genau einem Jahr, waren es 20 000 Betrachter. „Derzeit kommen täglich um die 300 Zuschauer neu hinzu, mehr 2000 pro Woche, mit immer noch stark steigender Tendenz“, berichtet Karl-Heinz Lindenlaub. Bis zum Jahreswechsel erwartet er den 100 000. Zuschauer.

Einige Besucher haben auch Kommentare hinterlassen. Da gibt es anerkennende Worte ebenso wie belehrende. Aber nicht nur das internationale Interesse an seinem Film überraschte den Besitzer vom Hof Waldemey. Er erzählt: „Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage von Youtube. Die wollten neben den Film ein Werbe-Banner stellen, natürlich gegen Umsatz-Beteiligung.“ Lindenlaub war einverstanden und bekommt der täglich zwischen 5 und 50 Cent. „Das sind nur einige Euro im Monat, aber immerhin. Wenn die Zugriffszahlen weiter so anschwellen, dann verdient sich Bumblebee ihr Futter demnächst selbst auf Youtube“, lacht Lindenlaub.

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