Keine Alternative zur Friedhofsschließung

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Wer kümmert sich zukünftig um die Pflege des Friedhofes?

 Nachrodt-Wiblingwerde - „Es gibt keine Alternative zur Friedhofsschließung“, sagt Pastor Wolfgang Kube. Ein Gespräch zwischen Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde, der Friedhofsverwaltung, Superintendentin Martina Espelöer und Vertretern des Rates der Gemeinde – Susanne Jakoby, Petra Triches, Jens-Philipp Olschewski, Anne Klatt, Klaus-Dieter Jacobsen, Elfriede Sickart – sowie der Kämmerin Gabriele Balzukat und der Bürgermeisterin Birgit Tupat brachte die Entscheidung nicht ins Wanken.

 Seit der Gemeindeversammlung im September sei die evangelische Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld gemeinsam mit der Friedhofsverwaltung des Kreiskirchenamtes Iserlohn-Lüdenscheid bemüht, gute Übergangslösungen für die Nutzer des Friedhofs zu erarbeiten. „Die Kirchengemeinde sieht es als ihre Aufgabe an, bis zum Ablauf des letzten Nutzungsrechts voraussichtlich im Jahr 2063 den Friedhof so zu führen, dass die Angehörigen ihre Verstorbenen, für die noch ein Nutzungsrecht besteht, dort zur Ruhe betten und ihrer am Grab in würdevoller Weise gedenken können“, heißt es in einer Stellungnahme der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld.

Zu gering ist die Anzahl der Bestattungen Die beabsichtigte Schließung des evangelischen Friedhofs in Nachrodt sei ein Einschnitt für die evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld und ihre Gemeindemitglieder ebenso wie für die Bürgerinnen und Bürger der Kommune Nachrodt. „Die Kirchengemeinde sieht aber zur Schließung keine Alternative. Zu gering ist die Anzahl der Bestattungen, sodass die Kirchengemeinde den Friedhof finanziell nicht mehr tragen kann.“

Fast fassungslos äußern sich Politik und Verwaltung: Die Schließung und das weitere Vorgehen seien schon sehr festgezurrt gewesen, so Bürgermeisterin Birgit Tupat nach dem Gespräch in großer Runde. „Wir haben noch einmal unseren Unmut deutlich gemacht, dass es sehr unglücklich war, erst ein Jahr nach der Entscheidung über die Schließung des Friedhofes die Betroffenen und die Öffentlichkeit unterrichtet zu haben“, so Birgit Tupat. Auch die große Bedeutung des Friedhofes für die Gemeinde sei ebenso Thema gewesen wie die hohe Emotionalität, die damit verbunden sei.

„Ich habe gefragt, warum man nicht vorher über Kooperationen hätte sprechen können, und ob es nicht möglich wäre, einen Förderverein zu gründen“, so die Bürgermeisterin, die das Ende der Friedhofstage so nicht hinnehmen wollte. Einen Förderverein habe sich die Kirchengemeinde nicht vorstellen können. Dass die Kirchengemeinde jetzt „kräftige Ehrenamtliche zur ehrenamtlichen Unterstützung der Friedhofspflege suche“, käme sehr wohl zu spät. Wichtig sei nun in der Tat, über die Pflege des Friedhofes nachzudenken, denn es könne nicht sein, dass man durch kniehohes Gras zum Grab müsse. „Insgesamt konnten wir nichts bewegen. Es wird keine andere Lösungsmöglichkeit gesehen. Für Nachrodt ist das alles andere als zufriedenstellend.“

Genauso sieht es auch Susanne Jakoby, Fraktionsvorsitzende der SPD: „Wir haben wenigstens bewegen können, dass man noch über die Abwicklung nachdenkt und konkret über die Pflege des Friedhofes. Aber alles andere war schon sehr frustrierend. Es gab auch die beiläufige Bemerkung, dass es für die Kirchengemeinde keine Alternative gebe, aber die Kommune doch den Friedhof übernehmen könne. Da waren wir alle sprachlos. Nach wie vor ärgert es mich, dass sich die evangelische Kirche so kompromisslos aus diesem Aufgabengebiet und aus der Verantwortung herauszieht. Und es tut dem Auftrag der Kirche nicht gut. Es hat etwas mit dem Gesamtpaket zu tun. Da kann man eigentlich nicht nur auf der Grundlage einer Wirtschaftlichkeit entscheiden.“

Und so soll es jetzt laut Kirchengemeinde weitergehen: Ehegatten und eingetragene Lebenspartner von bereits in der Wahlgrabstätte beerdigten Personen können auf jeden Fall in der Grabstätte beerdigt werden. Nutzungsrechte an Wahlgrabstätten, die in der Zeit vom 1. Januar 2016 bis zum 5 September 2017 (Tag der Gemeindeversammlung) vergeben wurden, werden aus Gründen des Vertrauensschutzes so behandelt, als stünde keine Schließung im Raum.

Das gilt mit der Einschränkung, dass eine Verlängerung des Nutzungsrechtes nur im Zusammenhang mit einer Bestattung erfolgt. Bestehende Nutzungsrechte an Wahlgrabstätten können bis zum 31. Dezember 2033 noch ausgeübt werden, das heißt, es kann der Nutzungsberechtigte selbst, ein Ehegatte (oder jemand anderes) in der Grabstätte beerdigt werden. Allerdings löst eine solche Beerdigung keinen Anspruch auf die Beerdigung eines Ehegatten nach dem 31. Dezember 2033 aus. Wiesenreihengräber und Urnengemeinschaftsgräber werden noch so lange vergeben, wie auf den entsprechenden Feldern noch Platz ist und die längste Nutzungsdauer auf dem Friedhof damit nicht überschritten wird. Anregungen und Hinweise aus der Gemeindeversammlung seien in die Regelungen eingeflossen, die noch vom Presbyterium beschlossen werden müssten.

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