Bürgermeisterin Birgit Tupat zu Gast beim CVJM-Famikienkreis

Bürgermeisterin Tupat spricht über Pläne

Bürgermeisterin Birgit Tupat erläuterte den Mitgliedern des CVJM-Familienkreises die Planungen für die Neugestaltung des Rastatt-Umfeldes. Foto: Hornemann

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Die weißhaarige Seniorin merkt es schmunzelnd an: „Ob ich den Neubau der Nachrodter Brücke noch erleben werde?” Bürgermeisterin Birgit Tupat hat soeben 20 Mitgliedern des CVJM-Familienkreises die Umfeldgestaltung im Bereich Rastatt vorgestellt.

Ihre Zuhörer lernen an diesem Abend viel: Vor allem, dass viel Gegend auch viele umweltschutzrechtliche Hürden birgt.

Es wäre doch so schön gewesen: Eine Aussichtsplattform auf Klaras Höhe, die Bürgern und Touristen einen atemberaubenden Blick übers Gemeindegebiet ermöglicht. Der Bau einer solchen Attraktion scheiterte daran, dass einst ein seltenes Pflänzchen auf Klaras Höhe gesichtet wurde, erklärte Birgit Tupat am Freitagabend ihrem aufmerksamen Publikum in den Räumen der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde.

Auch das Verfahren um die Ausweisung einer Windenergiezone im Höhendorf hängt von der Natur ab: Verfliegt sich ein Rotmilan in die Gegend, wo Investoren viel Geld in den Anschluss ans Stromnetz stecken möchten, dann müsste auch dieses Projekt scheitern. Mancher Zuhörer schüttelte unverständig mit dem Kopf, während die Bürgermeisterin über die aktuellen Entwicklungen auf Gemeindegebiet sprach. Versöhnlich stimmte die Alternative zur Aufwertung von Klaras Höhe, deren Pläne auf zwei großen Plakaten dargestellt sind: Das Umfeld der Rastatt könnte zum attraktiven Naherholungsgebiet umgebaut werden mit frei zugänglichem Lenneufer, mit Ruhezonen und Spielflächen.

„Wie geht das in einer klammen Kommune wie unserer”, fragte die Runde. Birgit Tupat erklärte, wie das Land seine Kommunen einerseits durch den Stärkungspakt fördert und ihnen gleichzeitig die Pistole auf die Brust setzt, ausgeglichene Haushalte vorzulegen. 2014 wird nach aktuellem Stand noch immer eine Lücke von 2,1 Millionen Euro im Haushalt klaffen. Vor 2016 wird Kämmerin Gabriele Balzukat keine Rechnung präsentieren können, die glatt aufgeht – und das auch nur, wenn alle Prognosen stabil bleiben. Eigenes Geld kann die Gemeinde also gar nicht in ihr neues Naherholungsgebiet stecken: Es sind Mittel aus dem Strukturförderprogramm Regionale 2013 in Höhe von 230 000 Euro, die im Rastatt-Umfeld verbaut werden sollen. „Wir können diese Chance jetzt nutzen und sehen, was wir aus diesem Geld machen können – oder eine andere Kommune holt sich unseren Anteil aus dem Topf”, erklärte die Bürgermeisterin.

Anhand der übersichtlichen Pläne erläutert sie dem CVJM-Familienkreis, wo die Landschaftsarchitekten unter Berücksichtigung des Brückenneubaus Potenzial für eine Oase der Erholung sehen und welche Konsequenzen beide Planungen für bestehende Zuwegungen haben. Das verschönerte Umfeld wäre ein weiteres Pfund, mit dem die Gemeinde für ihr Neubaugebiet am ehemaligen Sportplatz unterhalb der Grundschule Wiblingwerde werben könnte. Dort ist die Erschließung günstiger Baugrundstücke in Planung: „Der Niggenhuser Hof und das Gebiet Über dem Dorfe haben uns ja gezeigt, dass Familien gern bei uns wohnen wollen”, erläutert Birgit Tupat.

Dem entgegen wirkt leider der demografische Wandel: Er hat gezeigt, dass Attraktionen wie das Gartenhallenbad von einer kleinen Kommune wie Nachrodt-Wiblingwerde nicht mehr allein zu stemmen sind. Mit der Nachbarstadt Altena sucht die Gemeinde Synergieeffekte, um durch interkommunale Zusammenarbeit Geld zu sparen. Könnten sich die Bauhöfe gegenseitig unter die Arme greifen, wäre das vielleicht eine große Entlastung. Vor allem beim Winterdienst: Gilt Nachrodt-Wiblingwerde zwar als kleine Gemeinde, so verteilen sich ihre wenigen Einwohner doch auf eine Fläche von 29 Quadratkilometern. Und die zu verwalten und zu gestalten, ist gar nicht so einfach, stellt der CVJM-Familienkreis an diesem gelungenen Abend fest.

Vor ihrem christlich geprägten Zuhörerkreis lässt die Bürgermeisterin durchblicken, dass ihr auch Gottvertrauen Kraft gibt für ihre Arbeit: Sie hat sich für ihr Amt einen berühmten Bibelvers zu Herzen genommen. Geleitet wird sie vom Zitat aus einem Brief des Propheten Jeremia an die israelitische Exilgemeinde in der babylonischen Gefangenschaft: „Suchet der Stadt Bestes.” - Ina Hornemann

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