Jürgen Röll geht in den Ruhestand

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Bürgermeisterin Birgit Tupat verabschiedete Jürgen Röll am Montag mit einem Blumenstrauß in den Ruhestand. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Jürgen Röll wollte keine große Bühne. Seine Verabschiedung ging am Montag in der Sitzung des Gemeinderates eher bescheiden vonstatten. Zumindest Bürgermeisterin Birgit Tupat sparte aber nicht an Worten, um die Verdienste des Mannes zu würdigen, der der Gemeinde 47 Jahre lang seine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt hat.

Bürgermeisterin Tupat skizzierte den Werdegang Jürgen Rölls, der im Jahr 1966 offenbar eher durch einen Zufall den Weg zur Gemeindeverwaltung gefunden hatte. Damals, in Zeiten des Lehrstellenüberschusses in der freien Wirtschaft, waren mögliche Bewerber um eine Stelle bei der Verwaltung noch persönlich angeschrieben worden. Der Hauptausschuss hatte der Verwaltung zwar empfohlen, einen weiblichen Lehrling einzustellen, aber die waren offensichtlich Mangelware, so dass auch männliche Kandidaten angeschrieben wurden. Dazu gehörte Jürgen Röll, der sich in der Aufnahmeprüfung durch „vorsichtiges und geschicktes Kombinieren“ hervorgetan habe, hatte Birgit Tupat herausgefunden. Weil er „durch brauchbare Gedankenarbeit meist zu brauchbaren Lösungen“ gekommen sei, erhielt er einen Ausbildungsvertrag. Erstes Monatsgehalt damals: 192 D-Mark.

Was folgte, war „ein beispielloser Werdegang bei der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde“, wie Tupat fromulierte. 1968 bestand der Lehrling Jürgen Röll die Abschlussprüfung und wurde zum Gemeindeinspektor-Anwärter ernannt. Drei Jahre später bestand er die Laufbahnprüfung für den gehobenen nichttechnischen Dienst, wurde ins Beamtenverhältnis auf Probe übernommen und zum Gemeindeinspektor zur Anstellung ernannt. Nur zwei Jahre folgte seine Ernennung zum Gemeindeinspektor, 19675 sogar zum Gemeindeoberinspektor. Auf der Karriereleiter half ihm im selben Jahr die bestandene Diplom-Prüfung an der Westfälischen Verwaltungsakademie weiter. Zwei jahre später übernahm Röll das Bauverwaltungsamt. Inzwischen Gemeindeamtmann, wurde er 1982 zum Werkleiter des Wasserwerks bestellt. Auf dem Weg zum Gemeindeoberamtsrat und allgemeinen Vertreter des Gemeindedirektors (1997) bestand Röll 1989 auch noch die Prüfung zum Diplom-Verwaltungswirt.

Jürgen Röll sei zu einem festen Bestandteil, fast schon zum Inventar der Veraltung geworden, stellte die Bürgermeisterin fest. Dabei sei für ihn der Beruf nie ein bloßer Job gewesen, sagte Tupat und flocht auch eigene Erfahrungen mit ein. „Das war für mich immer vorbildlich“, sagte die 47-Jährige, die ihre Ausbildung bei der Gemeinde begann, als Jürgen Röll bereits 19 Jahre an Bord war. „Ein besseres Aushängeschild hätten wir uns nicht wünschen können“, sagte Tupat über den Repräsentanten Röll, der in den vergangenen Jahren sehr oft auch die Vertretung der erkrankten Verwaltungschefin Beatrix Naujoks hatte übernehmen müssen und dadurch im Fokus der Öffentlichkeit stand.

Sein fachlicher Rat, seine Tatkraft und seine menschliche Unterstützung würden der Verwaltung fehlen, prognostizierte die Bürgermeisterin, das Röll eine Lücke hinterlassen werde. Mit ihm gehe viel Know-how, bedauerte sie, gönnte Röll, dessen berufliche Einstellung immer übe jeden Zweifel erhaben gewesen sei, jedoch seinen wohlverdienten Ruhestand, der am 1. Juni beginnen wird.

Schon jetzt ist Jürgen Röll, dem auch Vertreter der drei Ratsfraktionen am Montag alles Gute für die Zukunft wünschten, allerdings kaum noch im Amtshaus anzutreffen. Stundenweise nimmt er Abschied von seinem Beruf, genießt ansonsten seinen Resturlaub und gewöhnt sich an das Leben nach der Arbeit. „Langweilig wird es mir bestimmt nicht“, sagte er. In Zukunft will sich Jürgen Röll noch stärker seinen sportlichen Aktivitäten widmen und sich ehrenamtlich im Vorstand der Baugesellschaft engagieren. ▪ Volker Griese

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