Bürgermeisterin geht vorzeitig in den Ruhestand

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Beatrix Naujoks ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Eigentlich fühle sie sich noch zu jung für den Ruhestand, sagt Bürgermeisterin Beatrix Naujoks. Ihre angeschlagene Gesundheit lässt ihr aber keine andere Wahl: Der 31. Januar wird ihr letzter Tag im Amt des Gemeindeoberhauptes sein.

Am Mittwochnachmittag gab die 56-Jährige bekannt, dass sie am Ende dieses Monats aus dem Dienst ausscheiden werde. Man merkt ihr an, dass sie schweren Herzens geht. „Ich musste diese Entscheidung zum Wohle der Gemeinde treffen. Die wichtigen Aufgaben der Zukunft – Konsolidierung des Haushaltes, die interkommunale Zusammenarbeit – brauchen eine starke Führungskraft“, erklärte Naujoks. Und diese Führungsstärke kann sie derzeit offenbar nicht mehr bieten.

Nachdem sie im Oktober 2010 an einem gutartigen Hirntumor operiert worden war, war Beatrix Naujoks noch zuversichtlich gewesen, bald wieder in den Dienst zurückkehren zu können. Im März 2011 habe sie den Eindruck gehabt, die Arbeit für die Gemeinde wieder aufnehmen zu können, sagte sie. Ein Trugschluss, wie sich herausstellen sollte. Naujoks: „Ich hatte ganz offensichtlich die Einschränkungen nach einer Hirnoperation falsch eingeschätzt. Mir wurde schrecklich bewusst, dass ich den sehr umfangreichen Tätigkeiten einer Bürgermeisterin nie mehr gewachsen sein werde.“ Sie habe akzeptieren müssen, dass die Belastbarkeit ihres Gehirns eingeschränkt ist, dass es bei starker Belastung zu Ausfallerscheinungen kommt. „Es kam hinzu, dass der Tumor die Verbindung zu meinem autobiografischen Gedächtnis zerstört hat“, erläuterte sie am Mittwoch. Ihr Erinnerungsvermögen sei größtenteils ausgelöscht und könne nicht wieder hergestellt werden. „Ich erkenne häufig Personen aus der Vergangenheit nicht, kann mich an viele Erlebnisse einfach nicht erinnern“, beschrieb sie, wie sich das im täglichen Leben bemerkbar macht. Durch Training beginne sich der zerstörte Hirnbereich zwar wieder aufzubauen, ihre eigene Vergangenheit müsse sie aber neu erfragen.

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Die Kommunalaufsicht des Märkischen Kreises hat auf ihren eigenen Antrag die Dienstfähigkeit der Bürgermeisterin überprüft und festgestellt, dass sie dauerhaft unfähig ist, ihre Amtspflichten zu erfüllen. Sie scheidet damit am Monatsende aus dem Dienst. Ihre Vertretung im Amt wird wie schon zuletzt Jürgen Röll übernehmen. Naujoks selbst wünscht sich, im Rahmen des Neujahrsempfangs der Gemeinde am 12. Februar offiziell verabschiedet zu werden, um dann noch einmal mit den Bürgern der Doppelgemeinde zusammenkommen zu können. Die nämlich, betont sie, liegen ihr besonders am Herzen, und sie hofft, dass sie ihre Entscheidung nachvollziehen können. ▪ vg

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