1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Bürgerbad: Reiner Kursbetrieb verärgert Nachrodter

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Spaß haben die Reha-Kurs-Teilnehmer im Gartenhallenbad.
Spaß haben die Reha-Kurs-Teilnehmer im Gartenhallenbad. © Fischer-Bolz, Susanne

„Nennt es doch nicht Bürgerbad. Für Kinder ist kein Platz mehr“, schimpfen die Nachrodter, weil das Gartenhallenbad seit der Pandemie im Kurs-Betrieb läuft. Die Verantwortlichen finden das frech. Und kontern.

Nachrodt-Wiblingwerde – Wenn der Song „Gonna Fly Now“ aus dem Rocky-Film im Schwimmbad ertönt, kann man gar nicht anders. Man muss boxen. Im Wasser. Und sich recken, strecken und drehen. „Wir hatten auch schon Musik von Helene Fischer oder Rammstein“, erzählt Schwimmlehrer Thomas Bergfeld schmunzelnd, der am Beckenrand die Übungen für eine Rehasportgruppe „vorturnt“. Doch während die einen glücklich im Gartenhallenbad in Nachrodt-Wiblingwerde an den Kursen teilnehmen, sitzen andere buchstäblich auf dem Trockenen.

„Meine Tochter wäre gern schwimmen gegangen“

„Wann dürfen Familien wieder? Nennt es doch nicht Bürgerbad. Für Kinder ist kein Platz mehr. Noch nicht mal in den Ferien. Trauriges Nachrodt“, schreibt Gaby Grunwald auf der Facebook-Seite unter „Du bist Nachrodter,weil...“ Dort machen einige Bürger ihrem Unmut Luft. Wie auch Carina Hanelt, die es traurig findet, dass man für Kurse öffnet, aber gerade in den Ferien nicht für den normalen Betrieb. „Oft wären meine Tochter und ihre Freunde gerne schwimmen gegangen, konnten aber nicht. Das ist wirklich sehr, sehr schade. So kann man sich auch kaputt wirtschaften“, findet die Nachrodterin.

Sind Kurs-Teilnehmer Bürger zweiter Klasse?

Das macht natürlich auch die Verantwortlichen des Bürgerbads hellhörig. Besonders die Aussage, dass das Schwimmbad kein Bürgerbad mehr sei, bringt Sabine Karisch, Vorsitzende des Trägervereins Gartenhallenbad, auf die Palme: „Sind Teilnehmer an Reha- und Präventionskursen, Senioren, Babys, Schwangere, DLRG- und TuS-Mitglieder und Schüler etwa Bürger zweiter Klasse?“ Durch die Corona-Pandemie habe es erhebliche Mehrkosten für das Bad gegeben, „aber da fragt keiner nach. Ich habe keine Spende gesehen“, so Sabine Karisch, die mit allen Mitteln versucht, das Schwimmbad am Holensiepen zu erhalten. Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr keine Schwimmkurse in den Sommerferien, „damit unsere Leute auch mal zur Ruhe kommen“.

Corona-Schutzmaßnahmen

Von den Bürgern, die eventuell ins Bad kommen würden, aber bei schönem Wetter auch an die Talsperre fahren, müsse man sich sagen lassen, dass es kein Bürgerbad mehr sei. „Das finde ich frech“, sagt Sabine Karisch und ergänzt: „Wir tragen dafür Sorge, dass alle Kinder aus unserer Umgebung Schwimmunterricht erhalten.“ Beim öffentlichen Familienbad könne man aber übrigens keinen Schwimmkurs anbieten. Zudem können die Verantwortlichen natürlich viel besser planen und wirtschaften, wenn sie Kurse anbieten, während bei Familienbad-Zeiten niemand weiß, ob und wie viele Leute kommen, aber immer Schwimmmeister vor Ort sein müssen. Hauptgrund für die Zurückhaltung für ein öffentliches Schwimmen ist und bleibt aber die Pandemie. „Wir halten an den Corona-Schutzmaßnahmen fest, weil wir nicht wollen, dass sich jemand im Schwimmbad infiziert. Bei einem normalen Betrieb infizieren sich die Leute viel schneller. Wir sind in der Situation, dass wir nicht genau wissen, was im Herbst auf uns zukommt“, sagt Christian Pohlmann, 2. Vorsitzender des Trägervereins. Er verspricht aber: „Wir sind natürlich gewillt, wieder ein Familienbad anzubieten. Wir werden uns nach den Ferien zusammensetzen und schauen, was möglich ist. Dazu kommt auch die Frage, ob wir für Wochenenden noch ausreichend Rettungsschwimmer aktivieren können – da muss erst ein Treffen stattfinden, damit eventuelle Dienste abgestimmt werden können. Wir können ja nicht über die Freizeit der Rettungsschwimmer verfügen.“ Erst einmal müssen dann aber einige Kurse auslaufen, um Veränderungen im Angebot vorzunehmen.

Auch interessant

Kommentare