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Das gibt es doch nicht: Gaby Beil geht

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Büchereileiterin Gaby Beil geht nach 31 Jahren in den Ruhestand.
Büchereileiterin Gaby Beil geht nach 31 Jahren in den Ruhestand. © Fischer-Bolz, Susanne

„Ach wie schade.“ Das werden ihr die Bürger zurufen, um gleich hinterher zu schieben: „Das ist ja kaum zu glauben.“ Gaby Beil, Leiterin der Bücherei, geht in den Ruhestand. Genauer: Sie ist es eigentlich schon

Nachrodt-Wiblingwerde – Gaby Beil ist fast schon weg. Seit März hat sie die sogenannte Flexi-Rente, arbeitet aber noch so lange, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden ist. Die Stelle ist ausgeschrieben. „Spätestens Ende des Jahres ist Schluss“, sagt sie. Und dann wird Gaby Beil wohl auch nie wiederkommen: „Das täte mir dann bestimmt zu leid“, gibt sie zu.

Stürme überstanden

31 Jahre hat Gaby Beil die Geschicke der Bücherei geleitet, hat die Erweiterung miterlebt, Stürme überstanden, als die kleine Bücherei auf der Kippe stand, viele Projekte angestoßen und geleitet, kleine Leseratten heranwachsen sehen, die dann mit ihren eigenen Kindern in die Bücherei gekommen sind. Nun geht eine Ära zu Ende. „Ich hoffe, dass die Bücherei in gute Hände kommt und bestehen bleibt, als kulturelles Angebot in der Gemeinde.“

Ohne Knicke und Kaffeeflecken

„Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück“, soll Theodor Fontane einmal gesagt haben. Doch in der kleinen Bücherei sind immer alle Werke wiedergekommen, sogar ohne Eselsohren, ohne Knicke und Kaffeeflecken. Sorgfältig und liebevoll gehen die Nachrodt-Wiblingwerder mit den Schmökern und den Zeitschriften um. 6000 Bücher sind heute im Bestand. Gaby Beil kennt jeden Nutzer persönlich, spricht jeden mit Namen an, der durch die Tür kommt, und kennt sämtliche Lese-Vorlieben. Krimis sind besonders gefragt – „und das war eigentlich schon immer so“, erzählt die 64-Jährige. Unten im Gebäude an der Hagener Straße 7 ist das Jugendzentrum untergebracht, oben die Bücherei. Als Gaby Beil vor 31 Jahren anfing, gab es für die Bücherei nur einen kleinen Raum. Dann kam die ehemalige DRK-Küche dazu, 2004 dann auch noch ein zweiter DRK-Raum. Heute ist die Gemeindebücherei trotz so vieler Schmöker hell und freundlich, aufgeteilt in einen Eingangsbereich, in dem es auch die Neuheiten und die Krimis gibt, einem großen Kinder- und Jugendbereich, der auch eine umfangreiche Hörbuchsammlung bietet, und einem Raum für die Erwachsenen-Literatur.“

Immer sehr wohl gefühlt

Für 5000 Euro darf die Büchereileitern jährlich Neuanschaffungen aussuchen, und freut sich, wenn sie den Geschmack ihrer Leser trifft. Dazu gehören übrigens auch immer Biografien, die die Nachrodt-Wiblingwerder gerne ausleihen. Zudem kommen jede Menge gespendete Bücher, oftmals aus Haushaltsauflösungen. „Manchmal sind richtig tolle Sachen dabei, alles andere sortiere ich dann auch aus“, erzählt Gaby Beil schmunzelnd. Sie hat Germanistik studiert, hat bei der VHS Aussiedlerkurse gegeben und war später in der Geschäftsstelle des Altenaer Kreisblatts tätig, bevor sie sich bei der Gemeindeverwaltung bewarb. „Beim ersten Mal hat man mich nicht genommen. Aber als die Leiterin dann nach eineinhalb Jahr ging, habe ich mich zum zweiten Mal beworben – und dann hat es geklappt“, erzählt sie und ist heute noch glücklich über ihren Werdegang. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt“, sagt Gaby Beil.

Der Tote in der Lenne

Woran wird sie sich immer gern erinnern? „Zum Beispiel an die Vorlesetage oder auch an unser Lesecafé mit Lotte Glasow, Sabine Murza und Martina Humme“, erzählt die Büchereileiterin und ergänzt sofort: „Und Heinz Mührmann ist als Clown Pico aufgetreten.“ Das Wichtigste, was ihr immer am Herzen lag und liegt, ist der persönliche Kontakt zu den Bürgern. Die Bücherei ist Gaby Beils Herzensangelegenheit, da wundert es auch nicht, dass sie auch manchmal einen Bringdienst übernimmt, wenn die Leser nicht selbst kommen können. Ein Höhepunkt in Gaby Beils Laufbahn war übrigens auch die Krimiwerkstatt „Sargfabrik“, die sie mit initiiert hat. Zwölf Autoren schrieben gemeinsam den Roman „Der Tote in der Lenne“, der in der Doppelgemeinde spielt und den man heute in der Bücherei ausleihen kann. Als der Krimi erschien, gab es auch eine Lesung in der Bücherei. „Das war wirklich toll“, schwärmt Gaby Beil noch heute von einem „vollen Haus.“

Interkommunale Zusammenarbeit

An zwei Tagen ist die Gemeindebücherei in der Woche geöffnet, dienstags und donnerstags. Ihre Arbeitszeit: 19,25 Stunden, vier davon ist Gaby Beil in der Altenaer Bücherei. Denn seit 2015 gibt es eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Altena. Das rettete die Gemeindebücherei, die auf der „Liste der Grausamkeiten“ stand, als die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) Vorschläge zur Konsolidierung des Gemeindehaushaltes erarbeitet hatte. Die Schließung konnte abgewendet werden. Gaby Beil, die all die Jahre mit Karteikarten gearbeitet hatte, stellte auf EDV inklusive Online-Ausleihe um. Jedes Buch bekam einen Code. In Nachrodt-Wiblingwerde stehen seitdem auch die Fernleihe und die Onleihe der Stadtbücherei Altena zur Verfügung. Durch die Onleihe gibt es Bücher, Hörbücher, Zeitschriften, Tageszeitungen, Musik und Videos auch zum Download.

Zeit bleibt nicht stehen

Die Zeit bleibt nicht stehen. Jugendliche kommen so gut wie gar nicht mehr in die Bücherei. Kinder und Eltern lieben heute die Tonieboxen, die interaktiven Hör- und Spielspaß garantieren. „In Altena ist das der Renner“, erzählt Gaby Beil, und weiß genau, dass auch Sozial-Media-Auftritte heute zum Tagesgeschäft gehören, um auf sich aufmerksam zu machen. „Das wird mein Nachfolger sicher machen“, sagt sie und findet „frischen Wind und neue Ideen“ gut. Die Bücherei: ein Ort für Kreativität und Austausch. Das darf sie gerne bleiben. „Na klar wird sie das. Die Bücherei steht nicht zur Diskussion“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. Und es sind bereits Bewerbungen auf die Stelle des Fachangestellten für Medien und Informationsdienste eingegangen. Interessenten können sich übrigens noch bis zum 31. Juli im Amtshaus melden.

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