Nachrodterin organisiert Hilfe für behinderte Tunesier

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Eine große Ladung von Lern-, Sport- und Motivationsmitteln, die Brigitte Brenscheid und andere Urlauber in dem Heim für Behinderte in der tunesischen Stadt Kalâa Kebira ablieferten, sorgte für staunende Gesichter und strahlende Augen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Eine Rentnerin aus der Doppelgemeinde hat in Tunesien eine Charity-Aktion zugunsten Behinderter ins Leben gerufen. Brigitte Brenscheid unterstützt mit einigen anderen Touristen ein Heim, in dem gehandicapte Tunesier leben und arbeiten.

Während im März in Port El Kantaoui, einer kleinen Hafenstadt im östlichen Tunesien, überwiegend deutsche Urlauber bei Strandspaziergängen die frühlingshaften Temperaturen genießen, findet 20 Autominuten entfernt, im Landesinneren, das reale, das harte tunesische Leben statt. Verschleierte Frauen in traditioneller Burka, vollbärtige Muslime im dunklen Kaftan, betende Gläubige in beige-grauen Moscheen, dazwischen ein buntes Bild von Obst- und Warenständen. Ein reges Treiben in der Stadt, überall preisen Verkäufer lautstark ihre Waren an – ein normales Bild der tunesischen Stadt Kalâa Kebira. Geistig behinderte, fehlgebildete und verkrüppelte Menschen gibt es hier auch, doch man spricht nicht gerne darüber, man schämt sich. Hier in Tunesien ist es noch ein Makel, ja sogar eine Schande, anders zu sein als alle anderen. Der Charity-Club um Brigitte Brenscheid musste sehr viel Geduld und Zeit aufbringen, ehe das Heim für geistig und körperlich behinderte Kinder endlich gefunden wurde.

Aber von Anfang an: Brigitte Brenscheid, 70-jährige Seniorin aus Nachrodt-Wiblingwerde, verbringt seit Jahren ihren Langzeiturlaub im El-Mouradi-Club in Tunesien. Hier herrschen im Januar und Februar angenehme Temperaturen um 18 Grad, sie kennt viele Angestellte des Hotels schon seit Jahren, die deutsche „Senioren-Kolonie“ veranstaltet täglich diverse Aktivitäten, genießt gemeinsam Sonne, Strand und die Annehmlichkeiten des Hotels.

Als die Idee einer Spendensammlung für tunesische Kinder geboren wurde, hat Brigitte Brenscheid mit ihren Töchtern Nicole und Anja und internationalen Mitstreitern im Hotel fleißig gesammelt. Alle haben gespendet, ob Italiener, Schweden, Belgier oder Deutsche. Brigitte Brenscheid erklärt die Spendenbereitschaft der Touristen: „Das ist unser Dank für die schöne und erholsame Zeit, die wir hier verbringen dürfen.“

Begeistert von der Idee, unterstützte auch die El-Mouradi-Hoteldirektion durch großzügige Spenden das Hilfswerk. Der Charity-Verein um Brigitte Brenscheid und ihre beiden Töchter konnte so fast 1000 Euro sammeln, um dann fachbezogen Lern-, Sport- und Motivationsmittel zu kaufen, die dem Heim zur Verfügung gestellt wurden.

Kalâa Kebira, die „Hauptstadt der Oliven“ hat rund 45 000 Einwohner und ist berühmt für sein Olivenöl. In einer ruhigen Seitenstraße liegt das Heim, umzäunt von einer hohen Mauer. Drinnen tummeln sich bis zu 30 behinderte Menschen zwischen drei und 25 Jahren. Es geht fröhlich zu, eine angenehme Atmosphäre des Zusammenlebens, ob in der heimeigenen Schuh- oder Nähwerkstatt, ob in der Lernküche oder im Spielzimmer. Als die Delegation den Erfolg ihrer Sammlung präsentiert, leuchten und staunen die Kinderaugen und ein helles, freudiges Lachen erklingt in den Räumen des Heims für gehandicapte Menschen. „Das Lachen und die Freude in den Augen der Kinder – das ist mehr als Dank”, waren sich die spendenfreudigen Touristen einig.

Mittlerweile hat auch eine tunesische Regionalzeitung über die Charity-Aktion der deutschen Touristin Brigitte Brenscheid berichtet. „Es beschämt einen, wenn ausländische Touristen für unsere Heime sammeln”, erklärte der Redakteur. Die Zeitung möchte mit dieser Reportage über die gute Tat der Touristen berichten und gleichzeitig an das Bewusstsein und die Pflicht der tunesischen Landsleute appellieren.

Aus einer kleinen Idee wurde eine Welle der Hilfsbereitschaft – in den nächsten Jahren wollen die Touristen die Spendenaktion in Tunesien wiederholen. - Renald Golf

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