Fundus schimmelt weg

Das Rehlein hat bessere Tage gesehen: Stock- und Schimmelflecken haben die Kulissenelemente ruiniert.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Vor dem Beginn einer jeden Spielsaison könnten die Brettken-Mitglieder eigentlich einen Container voll Requisiten entsorgen. Vor acht Jahren begann das Dilemma mit leichter Feuchtigkeit im Rastatt-Keller. Daraus hat sich insbesondere in den letzten zwei Jahren ein massiver Schimmelbefall gebildet. Vieles ist kaum noch zu benutzen, doch nach Räumlichkeiten sucht das Ensemble seit Jahren vergeblich.

Es ist nicht so, dass das Brettken weder heizen, noch lüften würde. Allerdings stehen für den verwinkelten, rund 60 Quadratmeter großen Keller gerade mal noch ein Fenster und einen Heizkörper zur Verfügung. . Beides ist im Eingangsbereich vorzufinden und Wärme und Frischluft können einfach nicht vordringen in die hinteren Räume, wo unter anderem auch der große Kostümfundus lagert.

„Um den ist es besonders schade“, bringt es Britta Podworny auf den Punkt. Ohne gründliches Waschen und Lüften ist der modrige Geruch nicht aus den Kleidern herauszubekommen. Teuer ist dem Brettken der Verlust von elektronischen Geräten wie Verstärkern und Mischpulten schon gekommen. Elektrische Geräte lagern die Ensemble-Mitglieder deshalb schon privat ein. „Unsere Keller und Dachböden sind alle voll“, bringt es Intendant Dr. Michael Podworny auf den Punkt. 100 Quadratmeter Teppichboden musste das Ensemble kürzlich entsorgen. An Holzleisten und Spanplatten muss regelmäßig etwas abgesägt werden, weil die durchdringende Feuchtigkeit das Material morsch gemacht hat. Über die stockfleckigen Tierfiguren, die auf nacktem Erdreich liegen, weil das Lager teilweise nicht mal mehr einen Bodenbelag hat, regt sich Podworny schon gar nicht mehr auf.

Warum es keine Möglichkeit gibt, die Räume besser zu heizen und zu lüften, ist dem Ensemble nie mitgeteilt worden. Fenster wurden im Laufe der Jahre einfach zugemauert. „Dass hier mal eine Wohnung drin war, kann man sich nicht mehr vorstellen“, schildert Britta Podworny.

Zu gern wäre das Brettken längst umgezogen. Das Platzproblem - auch einen eigenen Probenort haben die Darsteller nicht - wird seit Jahren bei der Gemeinde vorgetragen. Mit dem kleinen Vorraum zum Lager konnte die Gemeinde bis vor fünf Jahren den Ensemble-Mitgliedern immerhin ein eigenes kleines Reich zur Verfügung stellen, wo auch mal spontan geprobt werden konnte. Dann aber war der Geruch nicht mehr zu ertragen und die Darsteller mussten ausweichen auf das Haus Hagener Straße 96 und die Hauptschul-Aula.

Die Gemeinde kann kein Ausweichquartier zur Verfügung stellen und Geld für Miete privater Räume ist nicht da, weil die Einnahmen einer Spielsaison mittlerweile fast ausschließlich für den Requisitenersatz draufgeht. Für energetische Nebenkosten und Versicherungen zahlt das Brettken aktuell schon über 1000 Euro im Jahr. Lizenzen für neue Stücke sind in den laufenden Kosten noch nicht eingerechnet.

Dürfte sich das Ensemble etwas wünschen, so wäre es ein ebenerdiger Raum von 60 bis 70 Quadratmetern mit hohen Decken, der gut zu heizen und zu lüften ist. Denn auch der Transport der Requisiten ist kein Zuckerschlecken vom Rastatt-Keller aus. Ohne Fahrzeuganhänger und gelenkige Helfer, die lange Stangen und Bretter durch die verwinkelten Räume hieven können, geht das nicht.

Ein Kulturmäzen, der so einen Raum übrig hat und gegen Nebenkosten ans Brettken überlassen könnte, kann sich ab Samstag ja mal eine Aufführung vom „zauberhaften Märchenreigen“ ansehen. Der feiert dann in der Lennehalle Premiere. Ina Hornemann

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