Es ist wieder Backsaison in der Brenscheider Mühle

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Sieben Brote packt Franz Schäfer für sich und seine Nachbarn in Hagen ein. Der 77-Jährige ist Stammkunde in der Brenscheider Kornmühle.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die meisten in der langen Schlange, die sich am Samstag in der alten Brenscheider Kornmühle gebildet hat, sind Stammkunden. Sie stehen an, um eines von rund 150 frisch gebackenen Brote zu ergattern.

Von Volker Griese

Die Backsaison hat an diesem Samstag begonnen in der Brenscheider Mühle. Noch bis Oktober werden Hans-Otto Camphausen und sein Team an jedem ersten Samstag im Monat den Backes in der historischen Mühle anheizen und darin Brot backen. Die Laibe, die seit 30 Jahren aus einem Gemisch von Weizen- und Roggenmehl, Roggenschrot, Salz und einem gehörigen Schuss Brenscheider Brunnenwasser hergestellt werden, haben viele Liebhaber gefunden in Nachrodt-Wiblingwerde und darüber hinaus.

Aus dem Hagener Stadtteil Herbeck ist an diesem Morgen Franz Schäfer gekommen. Auch er kauft regelmäßig Brote in der Brenscheider Mühle, immer sieben Stück. „Die sind für uns und unsere Nachbarn“, sagt der 77-Jährige. Warum es ausgerechnet das Brenscheider Backes-Brot sein muss? „Weil es einfach einen Super-Geschmack hat. Und weil es auf der Heimfahrt im Auto so herrlich duftet!“ Von der Einkaufstour bringt Schäfer auch ganz gerne ein paar fangfrische Forellen mit, die aus den Teichen gleich nebenan stammen.

Eine weite Anreise nimmt ach Christa Degenhardt in Kauf, um einige Exemplare des rustikalen Brotes zu ergattern. Sie ist aus Unna gekommen. „Mein Mann hat das hier vor ein paar Jahren einmal während einer Motorradtour entdeckt. Seitdem kommen wir regelmäßig“, erklärt sie.

Zum ersten Mal ist an diesem Morgen Thomas Stuwe aus Nachrodt in die Brenscheider Kornmühle gekommen. „Solch ein Brot, das außen so schön knusprig und innen saftig ist, kriegt man ja selten. Und bei 3,50 Euro pro Brot stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt der 46-Jährige, der sich sicher ist, dass er demnächst regelmäßig zum Brotkaufen ins Brenscheider Bachtal kommen wird. „Der Weg lohnt sich“, versichert er und trägt seine Brote zum Auto.

Draußen haben es sich schon einige Kunden an einem Holztisch in der Morgensonne bequem gemacht. Sie haben das noch ofenwarme Brot angeschnitten und lassen es sich mit Mettwurst vom gleichzeitig geöffneten Landmarkt schmecken. Dessen Angebot umfasst nichtnur hausgemachte Wurstspezialitäten, sondern auch eingekochtes Eisbein, Eier und sogar Likör aus den ovalen Hühnerprodukten. Und auch ganze Hühnchen und anderes frisches Geflügelfleisch kann man hier erstehen.

Nach einer halben Stunde hat sich die Schlange in der Backstube aufgelöst. Hans-Otto Camphausen und seine Crew heizen jetzt den Backofen wieder auf, um den zweiten Backgang starten zu können. „Das Vorheizen des Ofens ist das Besondere hier“, stellt Franz Grünewald fest. Der 48-Jährige aus Kirchhundem-Wirme verstärkt das Brenscheider Team in dieser Saison regelmäßig. Vor rund 30 Jahren hat er das Bäckerhandwerk gelernt, allerdings an elektrischen Öfen. „Da kann man die Hitze steigern, um eine schöne Kruste zu erhalten“, nennt er den wesentlichen Unterschied zum Backes aus Stein, der mit Buchenholz aufgeheizt wird. Dicke Scheite kommen schon morgens um 6 Uhr hinein, damit ab 9 Uhr gebacken werden kann. Mit etwas dünneren Stücken wird ab 11 Uhr noch einmal auf 290 Grad nachgeheizt.

Zwei Stunden dauert das. Die Helfer nutzen diese Zeit, um den Teig für den zweiten Backgang herzustellen, der dann mittags in einem großen Berg auf dem bemehlten Tisch liegt. Laib für Laib stechen die Hobbybäcker davon ab, jedes Stück exakt 1130 Gramm schwer. Damit ist gewährleistet, dass jedes Brot nach einstündiger Backzeit ziemlich genau ein Kilogramm schwer aus dem Ofen kommt.

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