Breitband im Doppelpack: Manche Ortsteile bekommen zweimal schnelles Internet

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Schnelles Glasfaser-Netz gibt es bald in der Doppelgemeinde - an manchen Stellen sogar doppelt.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Knapp 800 000 Euro fließen für den Breitbandausbau in der Gemeinde, auch kleine Ortsteile profitieren. Es wird auch ausgebaut, wo schon schnelles Netz liegt.

Es ist ein Meilenstein für die kleinste Gemeinde, die beim großen Wurf des Märkischen Kreises dabei ist, der einen kreisweiten Antrag für den Breitbandausbau gestellt hatte. Rund 42 500 Haushalte im Kreis werden durch die Fördermaßnahme an das Glasfasernetz angeschlossen. Kosten: 54,1 Millionen Euro. 

Dabei übernimmt der Bund 50 Prozent der Kosten, das Land Nordrhein-Westfalen finanziert weitere 40 Prozent. Die verbliebenen zehn Prozent werden als Eigenanteil von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde getragen. 

Nachrodt-Wiblingwerde muss aufgrund der Haushaltssicherung nichts bezahlen – ihr Eigenanteil wird vom Land übernommen. So weit, so schön für die Bürger der Gemeinde. Allerdings gehören zu diesem sogenannten „3. Call“ Flächen in Nachrodt-Wiblingwerde, die mittlerweile schon mit Glasfasernetz versorgt sind. Veserde beispielsweise oder auch Wiblingwerde. 

Gemeinde baut mit Unitymedia

Als der Straßen- und Tiefbauer Peter Homann im April 2017 in Eigenleistung einen 1600 Meter langen Graben für das Glasfasernetz zog, investierte Unitymedia 220 000 Euro in Veserde und realisierte das Projekt gemeinsam mit den Stadtwerken Iserlohn. Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Birgit Tupat, für die schnelles Internet eine Herzensangelegenheit ist. Ein paar Monate später konnte die Erfolgsgeschichte in Wiblingwerde mit Unitymedia weitergeschrieben werden – mit weiteren 525000 Euro Investitionskosten. 

Unitymedia garantierte den Wiblingwerdern Downloadgeschwindigkeiten mit bis zu 400 Mbit – und das entfernungsunabhängig. Weder Bauamtsleiter Dirk Röding noch Sergej Rudsinski, Breitbandkoordinator des Märkischen Kreises, finden die baldige „Doppelversorgung“ mit schnellem Internet in einigen Bereichen der Gemeinde tragisch. Im Gegenteil. 

Hier gibt's schnelles Netz: Die rot markierten Flächen zeigen es.

Für die Bürger habe es nur Vorteile. „Wir waren immerhin zwei Jahre früher dran. Das Engagement war absolut in Ordnung“, meint Bauamtsleiter Dirk Röding. Fakt ist: Der Förderantrag des Kreises für den „3. Call“ wurde bereits 2016 gestellt. Das Verfahren zog sich hin. 

Nachrodt-Wiblingwerde ging deshalb eigene Wege mit Unitymedia, die auch beim Märkischen Kreis bekannt waren. Aber man hätte später nicht Wiblingwerde und Veserde einfach aus dem Förderantrag herausnehmen, sondern diesen nur komplett stoppen können. Es gibt augenscheinlich starre und unflexible Strukturen rund um Förderanträge. 

220 Anschlüsse doppelt

„Dann hätte man alles auf Null zurücksetzen müssen. Man hat ja einen kreisweiten Antrag gestellt“, erklärt Sergej Rudsinski. Tatsache ist, dass es um 220 von insgesamt 412 Anschlüssen in der Doppelgemeinde geht, die doppelt Glasfaser bekommen, die aber im Gesamtpaket des Kreises nicht mal eine Minimal-Rolle spielen. Außerdem kommen jetzt die Außenbezirke der Gemeinde zum Zug, für die der Breitbandausbau ein Segen ist. „Wir hatten das Glück, dass wir im Juni 2018 noch ein Upgrade fahren und die Technologie verbessern durften“, sagt Sergej Rudsinski. Damit habe man im Märkischen Kreis nun die beste Technologie, die es aktuell gibt. 

Nach europaweiter Ausschreibung wurde mit der Telekom ein Vertragspartner gefunden. Interessant in diesem Zusammenhang ist das sogenannte „Open-Access-Netz“, das für alle Anbieter offen ist. „Das ist ein wesentlicher Vorteil“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding und hebt die Marktwirtschaft hervor. 

Schnelles Netz bis 2022

Kreisweit werden jetzt etwa 1000 Kilometer Tiefbaustrecke realisiert und Glasfaser auf einer Strecke von 2500 Kilometer verlegt. Dabei geht der Kreis finanziell in Vorleistung. „Wenn der Tiefbau umgesetzt ist, können die Fördermittel abgerufen werden“, erklärt Sergej Rudsinski. 

Nachrodt-Wiblingwerde ist übrigens im ersten Ausbauschritt dabei. Die Fertigstellung des Glasfasernetzes für alle im Kreis wurde bis Ende 2022 vereinbart. Übrigens: Während im „3. Call“ kleine Ortschaften zum Zug kommen, beschäftigt sich der „6. Call“ mit den weißen Flecken. Dann sind auch Deierte, Todtenhelle, Vogelhenne und weitere kleine Außenlagen dabei. 

Der Bund stellt für 4000 Privatadressen im Märkischen Kreis sowie für 58 Schulen, acht Krankenhäuser und rund 2200 Firmen-Anschlüsse in Gewerbegebieten weitere 30 Millionen Euro für den Glasfaserausbau zur Verfügung. Die Fördermittel des Landes für den „6. Call“ sind in Höhe von 27 Millionen Euro beantragt.

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