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Neue Lennebrücke: Bauvorhaben dümpelt, aber Aktionsbündnis will Druck machen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Uwe Hell, Unternehmer und Investor in Nachrodt, hat einen Brandbrief geschrieben. Er möchte einen runden Tisch, um den Bau der neuen Lennebrücke voranzutreiben.
Uwe Hell, Unternehmer und Investor in Nachrodt, hat einen Brandbrief geschrieben. Er möchte einen runden Tisch, um den Bau der neuen Lennebrücke voranzutreiben. © Fischer-Bolz, Susanne

Verhindert eine Person in Nachrodt, dass die neue Lennebrücke realisiert werden kann? Und wie kann man erreichen, dass endlich gebaut wird, bevor die alte Brücke vielleicht zusammenbricht. Uwe Hell hat eine Idee.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Man gewinnt den Eindruck, alle Betroffenen kennen die Eigentumsverhältnisse, keiner will oder darf darüber sprechen. Und es fehlen Informationen, wann das öffentliche Interesse und das Gemeinwohl Vorrang vor Eigeninteressen einzelner Personen genießt“, sagt Uwe Hell, seit 1999 Unternehmer und Investor in Nachrodt-Wiblingwerde. Mit einem Brandbrief wendet er sich an alle Entscheidungsträger, an Straßen.NRW, alle heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten, an die Kommunalpolitiker und Unternehmer vor Ort, darunter die Gruppe „B236 Proaktiv“. Uwe Hell möchte einen „Runden Tisch“ für ein Aktionsbündnis ins Leben rufen. Denn das Verfahren rund um den Bau der neuen Lennebrücke dümpelt vor sich hin. Das soll, das muss sich ändern, findet Uwe Hell. Und stößt damit auf große Zustimmung.

Nur Straßen.NRW will nicht kommen

Bis auf Straßen.NRW werden wohl alle seiner Einladung folgen, der CDU-Bundestagsabgeordnete Paul Ziemiak zum Beispiel, gerade im Libanon unterwegs, sagte ebenso sofort zu, wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk. Wie lange hält die alte Lennebrücke wohl noch? Dass sie auch im „einspurigen Zustand“ ächzt und stöhnt, etwa 22 000 Fahrzeuge am Tag aushalten muss und immer wieder zwei 40-Tonner gleichzeitig über die Brücke rollen, ist nicht zu übersehen. „Die Gefahr, dass die Brücke durch Überlastung vollständig gesperrt werden muss oder beim nächsten Hochwasser zusammenbricht, wird täglich größer“, sagt Uwe Hell. Viele Rückmeldungen würden ihm zeigen, dass die Leute fast erleichtert sind, dass das Thema endlich mal angepackt wird.

Bau frühestens 2028?

Die Lennebrücke wird im derzeitigen Umsetzungstempo wohl frühestens 2028, wahrscheinlich aber später, fertiggestellt. Uwe Hell: „Das klingt unglaublich, ergibt sich aber aus den noch zu bewältigenden Aufgaben: Baurechtssicherheit (sechs bis 24 Monate), finale Ausführungsplanung (zwölf bis 18 Monate), Prüfung/Planung (mindestens drei Instanzen, zwölf bis 24 Monate), Ausschreibung (sechs bis zwölf Monate), Vergabe bis Baubeginn (sechs bis zwölf Monate) und Baubeginn bis Fertigstellung.“ Aus den Fingern gezogen hat er sich die Daten nicht. Die Ablaufpläne sind bei Straßen.NRW einsehbar. „Das sind allgemein genannte Daten, jedes Planfeststellungsverfahren ist anders“, sagt indes Andreas Berg, Pressesprecher von Straßen.NRW. Man sei mit Nachdruck dabei, die Stellungnahmen zu den Einwendungen zu erarbeiten und „vielleicht auch Einwendungen einzuarbeiten“. Wie lange das dauert, kann Andreas Berg nicht sagen. „Man muss Rechtssicherheit haben, da kann man nicht larifari vorgehen.“ Ein Nichthandeln könne man Straßen.NRW nicht vorwerfen. Als Beteiligte des Verfahrens würde man aber an einem runden Tisch nicht teilnehmen.

„Klar Position beziehen“

Anders Thorsten Schick, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, der die Idee von Uwe Hell begrüßt: „So kann die Region ihren Forderungen Nachdruck verleihen und klar Position beziehen.“ Auf die Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, das Verfahren rund um den Neubau der Lennebrücke zu beschleunigen, sagt Thorsten Schick: „Große Einigkeit aller Beteiligten hilft. Ich selbst habe schon 2009 erfolgreich für einen frühzeitigen Erwerb und den Abriss der Häuser der Baugenossenschaft gekämpft. Das damalige Tempo ist leider verloren gegangen, weil einzelne Verfahrensbeteiligte auf der Bremse standen.“ Wenn sich Straßen.NRW und Grundstückseigentümer nicht auf einen Ankauf benötigter Flächen einigen könnten, würden letztlich Gerichte entscheiden. „Diese Verfahren verzögern einen dringend benötigten Bau allerdings erheblich“, sagt Thorsten Schick.

Die Lennebrücke  ächzt und stöhnt und muss etwa 22 000 Fahrzeuge am Tag aushalten.
Die Lennebrücke ächzt und stöhnt und muss etwa 22 000 Fahrzeuge am Tag aushalten. © Fischer-Bolz, Susanne

Für das Aktionsbündnis gibt es mehrere Ansatzpunkte – darunter die gewünschte Transparenz im Verfahren, aber auch einen Projektplan. „Es ist nicht akzeptabel, dass bis heute kein öffentlicher Plan besteht, wie die einzelnen Projektschritte optimal verknüpft sind. Möglicherweise fehlt eine Art Netzplantechnik, die zeitliche Abläufe überlappend einplant“, sagt Uwe Hell. Es gebe auch keine übergeordnete Projektleitung für alle „Gewerke“, also eine hauptverantwortliche Person oder ein professionelles Ingenieurbüro.

„Herr Hell spricht mir aus der Seele“

Uwe Hell: „Der Verkehrsinfarkt in Nachrodt wirkt im gesamten Lennetal, auch nach Lüdenscheid und wird uns noch Jahre begleiten. Die Erneuerung der Lennebrücke in Nachrodt ist, unabhängig von der A45-Rahmedetalbrücke, ein überfälliges Bauvorhaben von Straßen.NRW, um die marode Brücke nach mehr als 15 Jahren Planung endlich durch eine neue zu ersetzen.“ CDU, UWG und SPD der Doppelgemeinde begrüßen die Initiative von Uwe Hell sehr, alle drei Fraktionen werden an einem „Runden Tisch“ teilnehmen, um dort über weitere Maßnahmen und Möglichkeiten zu sprechen. „Im Vorfeld dieses Treffens werden wir aber keine Stellungnahme abgeben“, so Jens-Philipp Olschewski, Sonja Hammerschmidt und Gerd Schröder. Eine Stellungnahme dagegen gibt es von der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Lugk: „Aus meinen vielen Gesprächen mit Bürgern und Unternehmern weiß ich, dass das Thema Lennebrücke unter den Nägeln brennt. Daher spricht Herr Hell vermutlich nicht nur mir aus der Seele, wenn er fordert, dass alles getan werden muss, um den (Ersatz-)Neubau voranzutreiben. Dies ist zwingend notwendig, um unseren Wirtschaftsstandort entlang der Lenne zu sichern. Dies liegt meiner Meinung nach auch im Gemeinwohl unserer Region. Daher sind die Wege, die möglich sind, um im konkret vorliegenden Fall eine Abwägung von Einzelinteressen und Gemeinwohl vorzunehmen, jetzt zwingend und konsequent einzuschlagen.“

„In den sauren Apfel beißen“

Bürgermeisterin Birgit Tupat nimmt auch gerne am runden Tisch teil, wie sie sagt. „Wenn ich wüsste, wie man das Verfahren beschleunigen könnte, hätte ich es schon vor Jahren getan.“ Es habe mal die Möglichkeit gegeben, das Planfeststellungsverfahren zu verhindern, daraus sei aber leider nichts geworden. „Ich befürchte, man muss in den sauren Apfel beißen und den Ausgang dieses Verfahrens abwarten. Die Bezirksregierung sagt, sie sei im Zeitplan. Ende des Jahres müsste das Baurecht vorliegen, aber wie lange es sich dann noch hinziehen kann, weiß ich nicht.“ Zum öffentlichen Interesse, das gegen das Interesse eines Einzelnen steht, möchte sie nichts sagen.

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