Dicke Nadeln und ein kompliziertes Verfahren

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Nachrodt-Wiblingwerde - Husten und Schnupfen allerorts. Oder Magen-Darm: Ziemlich viele Menschen hat es „dahin gerafft“. Vielleicht ist dies der Grund, warum nur 63 Blutspender in die Lennehalle kamen.

„Ich kann es ja auch nicht ändern“, ist die Blutspendebeauftragte Gisela Gundermann doch etwas enttäuscht. Was mit dem gespendeten Blut passiert, erzählt Michael Pingel, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Blutspendedienst Hagen, im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt.

Übrigens: Natürlich ist niemand umgekippt. Das ist eine landläufige Komplett-Fehleinschätzung. Auch den Erstspendern ging es gut. Zum ersten Mal spendeten Hannelore Schöllnershand, Joshua Köb, Tarik Bamazouz und Erika Schulte. Zum zehnten Mal waren Anna Clever und Björn Dettmar dabei. Eine Urkunde für 75 Mal Blutspenden bekommt Gisela Roth.

Kein einfacher Umgang

So einfach, wie es zunächst aussieht, ist der Umgang mit dem gespendeten Blut tatsächlich gar nicht. Die Blutbeutel werden bei der Blutspende mit Barcodes versehen, damit man später die Identifikation zum Spender herstellen kann. Und: Die Barcodes sind mit weiteren unterschiedlichen Codes ausgerüstet, so dass man weiß, welche Komponenten sich in welchen Beuteln befinden. Klingt kompliziert, ist es auch.

In den Beuteln ist eine Stabilisatorflüssigkeit, denn „wenn das Blut den Körper verlässt, findet keine Reproduktion mehr statt und es muss sicher gestellt werden, dass das Blut nicht verklumpt“, erklärt Michael Pingel – und sagt auch, warum die Nadel, vor die sich doch einige fürchten, so dick (2,1 Millimeter) sein muss – „damit der Durchfluss nur maximal zwölf Minuten dauert.“

Michael Pingel mit Sonja Hammerschmidt.

Wenn das sogenannte Blutbeutelentnahme-System in Hagen eintrifft, findet abends gegen 22 Uhr die Eingangsbewertung statt. „Wie bei Edeka an der Kasse werden Barcode-Leser aktiviert“, erklärt Michael Pingel. „Wir stellen aus den Bluten zu mindestens 30 Prozent Thrombozyten-Konzentrate her, die zum Beispiel in der Chemotherapie benötigt werden.“ Ein Konzentrat wird dabei aus vier Einzelspenden gewonnen – „natürlich blutgruppengleich“, sagt Michael Pingel. Nach der Eingangsbewertung werden die Blute auch der Zentrifugation zugeführt.

Rote Blutkörperchen sorgen für Färbung

Die rote Färbung existiert nur aufgrund der roten Blutkörperchen. Bei der Zentrifugation setzen sich diese unten ab – und „oben hat man das Blutplasma, das in der Regel einen gelben Eindruck vermittelt.“ Dann werden diese Komponenten voneinander getrennt. Die roten Blutkörperchen werden sodann nochmals durch einen Leukozyten-Filter geschickt, der das Überleiten der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) verhindert. „Die weißen Blutkörperchen brauchen wir nicht. Die sind bei uns im Körper zwar als Polizei unterwegs, aber für die Hilfe bei Patienten benötigen wir sie nicht.

Und die Leukozyten stehen im Verdacht, den Creutzfeldt-Jakob-Erreger zu tragen“, so Michael Pingel. Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wurde erstmals 1920 von den Neurologen Creutzfeld und Jakob beschrieben. Sie zählt zu den sogenannten übertragbaren, schwammartigen Gehirnerkrankungen. Bei diesen Krankheiten lockert sich das Hirngewebe schwammartig auf, und das Gehirn verliert nach und nach seine Funktion.

Plasma wird gefroren

Doch zurück zu den vielen Schritten, die das Blut nach der Spende durchläuft: Das Blutplasma wird schockgefroren bei minus 60 Grad, bei minus 40 Grad gelagert und innerhalb eines Jahres weitergereicht.

Die Erythrozyten (roten Blutkörperchen) werden bei sechs bis acht Grad maximal 42 Tage gelagert, „wobei sie in der Regel schon nach zwei bis drei Tagen unser Haus verlassen.“

„Wenn ich das alles detailliert erkläre, sind sogar Blutspender überrascht, die schon 100 Mal da waren“, schmunzelt Michael Pingel. „Man gibt den Patienten nur den Anteil an Blutprodukten, die er benötigt.“ Es besteht zudem die Möglichkeit, aus einem Erythrozyten-Konzentrat ein Baby-Konzentrat für Neugeborene herzustellen. „Dann wird aus einem großen, sieben kleine Einheiten hergestellt. Immer nur von einem Patienten und immer nur die Blutgruppe Null negativ.“

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