Es blüht, summt und brummt

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Heiner Tacke inmitten einer riesigen Blühwiese mit Tannenbäumen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Rotklee, Ringelblumen, Sandhafer, Sommerwicke, Koriander, Sonnenblumen: Es grünt so grün, wenn in Nachrodt-Wiblingwerde die Blüten blühen. „Hören Sie es brummen?“, fragt Heiner Tacke. Eine rhetorische Frage, denn man kann vor lauter Brummen und Summen sein eigenes Wort kaum verstehen. Lauschen mitten in der Weihnachtsbaum-Kultur ist angesagt. Denn Heiner Tacke hat als Zwischensaat eine traumhafte Blühwiese angelegt, die von Insekten nur so wimmelt.

Die Weihnachtsbäume werden ökologisch angebaut. Normalerweise wurden das Gras und das Unkraut, das um die Bäume herum wuchs, all die Jahre gemäht. Doch das Bienen- und Insektensterben im allgemeinen hat den Landwirt umgetrieben. „Wir merken das daran, dass kaum Vögel da sind“, sagt Heiner Tacke. Win-win-Aktion

Bevor auf den 12000 Quadratmetern in diesem Jahr 7000 Weihnachtsbäume gepflanzt wurden, kam die Blumenmischung aufs Feld. Vergeben wurde die Mischung vom Landwirtschaftsverband, der die Aktion unterstützt. Die Mischung – 20 Kilo – aus verschiedenen Wildblumen und Kräutern ist perfekt für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln. Ende April gesät, ist es heute ein bunter Traum, eine Einigung zwischen Nutzpflanzen, also den Weihnachtsbäumen, und den Blühpflanzen.

Wenn der Tannenbaum mit den Blumen wächst.

 „Die Weihnachtsbäume stehen einen Meter auseinander. Dazwischen ist viel Platz, wo etwas wachsen kann“, freut sich Heiner Tacke über das Experiment. Allerdings sind die kleinen Weihnachtsbäume jetzt etwas im Schatten, stehen schon unterhalb des „Krautes“. Und wenn die Bäume größer werden, wird der Platz natürlich enger. „Aber dann kommt die nächste Kultur, und somit die nächsten Blühpflanzen“, sagt Heiner Tacke. 

„Wenn das alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, dann gibt es da eine Menge Potenzial.“ Tatsächlich könnte es sogar eine Win-win-Aktion werden. Vielleicht könnten die Insekten die Schädlinge auch von den Bäumen fernhalten. „Wenn man die Nützlinge fördert, könnten sie die Schädlinge weghalten.“ Läuse zum Beispiel. Das erste Ziel von Heiner Tacke, nämlich das Anlocken von Insekten, hat geklappt. Wie es weitergeht, wird eine spannende Geschichte.

Auch Regina Weustermann beteiligt sich

 Der Natur etwas Gutes tun, das steht für viele Landwirte außer Frage. „Wir haben im April an drei Feldern einen Blühstreifen angelegt und uns an der Aktion Blühendes Band durch Bauernhand mit dem dazugehörigen Blumenwiesensaatgut beteiligt. Wir werden jetzt nach der Getreideernte wieder Zwischenfrucht aussäen, die den Insekten und dem Boden guttun“, sagt Regina Weustermann und freut sich ebenfalls über die gelungene Aktion. Die Mischungen, so sagt Regina Weustermann, sind so angelegt, dass immer etwas blüht – vom Frühjahr bis Herbst. „Die Zwischenfrüchte haben den Vorteil, dass sie auch zusätzlich noch den Boden verbessern und für Humusaufbau sorgen.“ Im Märkischen Kreis setzen sich immer mehr Bauern für besseren Klima- und Artenschutz ein. Viele Landwirte machen mit. In Westfalen-Lippe sind es insgesamt sogar 5000 Kilometer Blühstreifen, die den Insekten helfen sollen. Vorreiter war übrigens die Gemeindeverwaltung. Als Bürgermeisterin Birgit Tupat in Amt und Würden kam, stieß sie das Projekt an und die ersten Wildblumen wurden gepflanzt. „Seitdem machen wir das verstärkt, zum Beispiel im Bereich Wiblingwerde Dorfplatz oder auch in Nachrodt an zwei/der Stellen“, so Birgit Tupat. Die UWG hatte erst kürzlich den Antrag gestellt, weitere Bereiche und besonders auch größere Flächen zu suchen. „Wir sind deshalb auch in Kontakt mit der Landwirtschaftskammer, um uns schlauzumachen, wo man noch mehr einsäen könnte“, so die Bürgermeisterin.

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