Blickkontakt ebnet Weg in die Kinderwelt

Kindererziehung mit weniger Stress

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Die Kinder und Jugendpsychotherapeutin Dorothee Stadermann gab den Eltern im Evangelischen Familienzentrum Fibs Tipps für eine Kindererziehung mit weniger Stress.

Nachrodt-Wiblingwerde - Eltern kennen das: Auch nach der fünften Aufforderung will das Kinder noch immer nicht aufräumen, Hausaufgaben machen oder die Zähne putzen. Wie Kindererziehung mit weniger Stress gelingen kann, zeigte die Kinder und Jugendpsychotherapeutin Dorothee Stadermann am Donnerstag im Evangelischen Familienzentrum Fibs auf.

Auf Basis des Films „Wege aus der Brüllfalle“ von Wilfried Brüning gab die Expertin von der Beratungsstelle der Caritas in Altena Tipps, wie sich Eltern bei ihrem Nachwuchs auch ohne laute Töne Gehör verschaffen können.

 „Brüllen fördert aggressives Verhalten bei Kindern“, gab sie zu bedenken, dass Kinder sehr wohl zur Kenntnis nehmen, auf welche Weise Erwachsene ihren Willen durchsetzen. „Und wenn sie merken, dass dieses Modell Erfolg hat, probieren sie es auch damit.“ Ein weiterer Nachteil des Brüllens ist aus Sicht der Psychotherapeutin die Tatsache, dass Grenzen überschritten werden könnten: „Bis zur Ohrfeige ist es dann oft nicht mehr weit“, sieht sie die Gefahr, dass verbale Gewalt leicht in körperliche umschlagen kann.

Aber wie sollen Eltern mit ihren Aufforderungen in die Welt der Kinder durchdringen, die im Spiel vertieft sind und damit gerade Wichtigeres zu tun haben, als beispielsweise ihr Zimmer aufzuräumen? „Kontakt aufnehmen“, lautete Dorothee Stadermanns Rat. Konkret bedeutet das, dass Eltern ihre eigene Tätigkeit unterbrechen und sich dem Kind zuwenden müssen. Erst dann werde dem Kind die Wichtigkeit der Situation klar.

 Mit Körper- und Blickkontakt könnten Eltern ihrem dem Spross dann deutlich machen, dass die nun folgende Aufforderung ernst gemeint ist und darüber nicht diskutiert werden kann. „Das wirkt wirklich erstaunlich gut“, versicherte Stadermann. Mit klaren Formulierungen in ruhigem Ton und kurzen, einfachen Sätzen könne dem Kind dann vermittelt werden, was man von ihm verlangt. Lange Erklärungen seien hier fehl am Platz. „Kinder schalten dann ab“, warnte Stadermann, dass „Vorträge“ die eigentliche Botschaft in den Hintergrund drängen.

Wichtig sei es in der Folge, dass Eltern konsequent bleiben. „Ein Nein bleibt ein Nein. Allerdings sollte man nur Nein sagen, wenn man wirklich Nein meint“, lautete der Rat der Erziehungsexpertin. Ansonsten sollten Eltern lieber gleich Ja sagen. „Das ist besser als ein zehnmaliges Nein, das später in ein Ja umkippt.“ Das führe bei Kindern zu der Erwartung, dass über ein Verbot noch immer verhandelt werden könne.

Auch mit Drohungen sei das so eine Sache, sagte Stadermann und riet dazu, nur solche Drohungen auszusprechen, die man auch wahr machen könne. Eine kleine Strafe, die sofort wirke, sei effektiver als ein Fernsehverbot in der nächsten Woche. „Das ist für Kinder noch zu weit weg“, begründete sie. Dass Konsequenzen nicht nur angekündigt werden dürfen, sondern auch folgen müssen, sei ja selbstverständlich. „Sonst machen Sie sich unglaubwürdig“, sagte Stadermann. - Volker Griese

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