Spezialisten für gefährliche Stoffe

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Jens Klatt, Gerätewart Erik Napierkowski und Dominik Koch (v.l.) bei einer Besprechung. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Frage „Warum tut Ihr das?“ hören die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde öfter. Auch Gerätewart Erik Napierkowski, Feuerwehrmann Dominik Koch und Brandoberinspektor Jens Klatt, alle drei vom Löschzug Nachrodt (LZ 1), sehen sich damit konfrontiert. Doch sie haben Antworten parat.

„Da steckt zum einen eine Menge Verantwortung drin“, sagt Jens Klatt, Nachrodter Löschzugführer. Aber auch Leidenschaft und der Wille, in Not geratenen Menschen zu helfen. „Die weitaus überwiegenden Einsätze gehen gut aus, aber ich bin bei der Feuerwehr und rechne damit, dass es mich durchaus auch einmal treffen kann. Doch ich weiß, dass es das wert ist“, sagt Napierkowski. Eine mutige Aussage, von der Koch „jede Zeile unterschreiben“ würde.

Auch emotionell verläuft jeder Einsatz anders. Da liegen Trauer und Freude manchmal eng nebeneinander. „Wir sind richtig froh, wenn wir einem Brand- oder Unfallopfer helfen konnten“, erklärt Klatt. Er ist seit fast 25 Jahren bei der Feuerwehr und hat auch schon so ziemlich alle Situationen erlebt. Denn wenn man mit dem Tod derer, die man zu retten versuchte, konfrontiert werde, sei das etwas, was man ein Leben lang nicht vergessen könne.

Doch die Nachrodter Wehr ist zumindest gut ausgestattet, ist wie auch die Einheiten in Wiblingwerde und Veserde auf dem technisch neuesten Stand. Der Löschzug verfügt über vier Fahrzeuge. Eines davon dient als Einsatzleitfahrzeug. Hinzu kommt ein Hilfeleistungslöschfahrzeug. Das ist ein Fahrzeug, welches zur technischen Hilfeleistung beispielsweise bei Verkehrsunfällen aber auch zur Brandbekämpfung eingesetzt werden kann. Daneben steht ein Löschfahrzeug zur Verfügung. Dessen Tank fasst 1000 Liter Löschwasser und die Pumpleistung beträgt 2000 Liter Wasser pro Minute.

Prunkstück der Wehr in Nachrodt ist jedoch der Gerätewagen Logistik. Dabei handelt es sich um ein reines Transportfahrzeug. Bestückt wird es jedoch mit Rollcontainern, die je nach Art des Einsatzes über verschiedene Inhalte verfügen. Das bedeutet, dass die Wehr das Fahrzeug im Einsatzfall so beladen kann, wie es die jeweilige Situation erfordert. Die Freiwillige Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde ist Teil des ABC-Messzuges des Märkischen Kreises und damit überörtlich tätig. Die Mitglieder dieser Einheit sind speziell ausgebildet und unterstützen überörtlich andere Feuerwehren bei Einsätzen mit Gefahrstoffen, zum Beispiel zuletzt bei dem Großbrand in Herscheid. Der Nachrodter Messzug rückte aus und nahm vor Ort Messungen vor, um Schadstoffe zu ermitteln. Hintergrund ist, sowohl die Löscheinheiten zu schützen, als auch die Bevölkerung notfalls zu informieren beziehungsweise deren Evakuierung zu veranlassen.

Insgesamt 37 aktive Feuerwehrleute stehen im unteren Gemeindebezirk zur Verfügung, darunter drei Frauen. Eine von ihnen, Anika Menzel, befindet sich bereits seit mehr als fünf Jahren bei der aktiven Wehr. Mit einer solchen Mannschaftsstärke ist so gut wie jede Notfallsituation in den Griff zu bekommen. Doch was ist in der Urlaubszeit? Da ist doch bestimmt auch der eine oder andere Blaurock nicht zu Hause. „Das ist nicht so schlimm“, erklärt Klatt. „Alle Einsatzfahrzeuge der Doppelgemeinde sind so ausgestattet, dass sie mit einem Minimum an Personal ein Maximum an Leistung garantieren.“

Und die kuriosesten Einsätze in der letzten Zeit? „Tierrettung“, schmunzelt Klatt. „Wir haben eine Katze aus einer Dachrinne gerettet und eine Schafherde aus dem Neubaugebiet oberhalb des Holensiepens zurück in ihren Pferch gebracht“. Selbst in solch banalen Fällen wird die Nummer 112 gewählt, und die Wehr ist zu Stelle. Und sie ist erst recht zur Stelle, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Selbst dann, wenn es das eigene kosten könnte. ▪ Von Hartwig Bröer

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