Auch die Bürgermeisterin steuert den Bürgerbus

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Mit frischer amtsärztlicher Bescheinigung treten Christian Pohlmann, Dieter Nölke, Dorle Rolfes und Birgit Tupat (v.l.) ihren ehrenamtlichen Dienst im Bürgerbusverein an.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Über vier neue Fahrer kann der Bürgerbusverein seit kurzem verfügen. Darunter ist auch eine sehr prominente Einwohnerin der Doppelgemeinde.

Christian Pohlmann kommt mit frischer amtsärztlicher Bescheinigung zum Bürgerbusstammtisch: „Mit 100 Prozent bestanden“, freut sich der frisch gekürte Ehrenamtler im Personennahverkehr. Er ist einer von vier neuen Fahrern, die der Bürgerbusverein mit weit geöffneten Armen empfängt. Hinterm Steuer sitzen nun auch Dorle Rolfes, Dieter Nölke – und Bürgermeisterin Birgit Tupat.

„Das Schwierigste ist, sich alle Haltestellen zu merken“, hat Dorle Rolfes festgestellt. Ihre Premierenfahrt ist gerade mal einen Tag her. „Aber es macht richtig Spaß“, beschreibt sie das Pendeln zwischen Wiblingwerde, Nachrodt und dem Altenaer St. Vinzenz-Krankenhaus.

Ehemann Reinhard fährt den Bürgerbus schon eine ganze Weile. Bei ihm hat sie hospitiert und umgekehrt saß auch er hinter ihr, als die Bürger während ihrer ersten Fahrt zustiegen.

An der Seite eines erfahrenen Bürgerbusfahrers zu sein, ist kein Privileg der Ehe, sondern übliche Praxis für jedes neue Team-Mitglied. Reinhard Rolfes begeisterte nicht nur seine Gattin, sondern auch Dieter Nölke fürs Mitmachen. Birgit Tupat war von Johannes Illerhaus angesprochen worden, sich Bedenkzeit bis Ostern ausgebeten und dann gesagt: „Jetzt oder nie!“

Allen neuen Fahrern gemein ist, dass sie erst einmal den „Lappen abgeben“ müssen. Im Personennahverkehr ist der EU-Führerschein im Scheckkarten-Format Pflicht. „Gut ist, dass man den alten Führerschein entwerten lassen und als Erinnerung behalten darf“, schildern die Neuen im Team. Bescheinigt auch der Amtsarzt Fahrtauglichkeit, dann fehlt nur noch die „Bibel der Bürgerbusfahrer“: Das rote Buch, das die Märkische Verkehrsgesellschaft jedem Anwärter nach einer ausführlichen Belehrung aushändigt. „Da steht alles drin, was man wissen muss“, erklärt Dorle Rolfes. Nur auf winkende Passanten war sie nicht eingestellt. Die Nachrodt-Wiblingwerder lieben ihren Bürgerbus eben und grüßen jeden Fahrer gern auch mal auf Verdacht. „Da denkt man erst, die wollen alle noch mitfahren“, schildert Rolfes lachend ihre Erfahrungen.

Das Menschliche wird für alle Fahrer irgendwann zum Hauptanreiz. „Gut, dass es Euch gibt!“ – diesen Satz hören Fahrer ganz oft. Kein Auto kommt näher an die Eingänge von Edeka-Markt, Apotheke und Krankenhaus. Wer kein Fahrzeug hat, der ist dankbar für den Service. Auch Birgit Tupats Mutter nutzt das Angebot häufig. „Ohne Bürgerbus käme sie tagsüber nicht ins Tal“, weiß die Bürgermeisterin.

Birgit Tupat ist als Bürgermeisterin viel beschäftigt und auch Christian Pohlmann gehört zu den wenigen im Fahrer-Team, die in Vollzeit arbeiten und ihre Dienste nur an ausgewählten Tagen zur Verfügung stellen können. Dank langfristiger Planung ist das aber kein Problem: „Geplant wird immer ein Quartal im Voraus“, erklärt Dieter Nölke. „Da werden Schichtarbeit und Urlaubsplanung berücksichtigt. Und zur Not kann man auch immer tauschen.“

Noch leichter wird das, je mehr Fahrer aktiv im Einsatz sind. „Auch mit wenig Zeit kann man bei uns mitmachen“, erklärt der Zweite Vorsitzende Johannes Illerhaus. Aktuell sind 18 Fahrer Einsatzbereit.

Birgit Tupat, Dieter Nölke und Christian Pohlmann sammeln nun erstmal Erfahrung als Beifahrer. Dann wird ihr Name das Fach mit der Aufschrift „Heute fährt…“ zieren. - Ina Hornemann

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