Anwohner beschwert sich

Bewirtung vor der Kirche: Zwischen Würstchen und Wut

Bewirtung des Kulturschocks vor der Kirche in Nachrodt.
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Bewirtung des Kulturschocks vor der Kirche in Nachrodt.

Weil Strom und Wasser fehlten, musste der Kulturschock mit seiner Bewirtung von der Lenne auf den Parkplatz vor der Kirche ziehen. Viele freuen sich über das Angebot, doch es gibt auch Unmut.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es gibt viel zu erzählen von der Kulturschock-Bewirtung: von glücklichen Nachrodtern, die froh sind, überhaupt in netter Runde beisammen sein zu können, aber auch von Unmut, weil der Platz gegenüber – an der Lenneterrasse – keinen Strom und kein Wasser hat, und von einem Mieter neben der Kirche, der von der ersten Kulturschock-Bewirtung augenscheinlich so alles andere als angetan war und sich beschwerte.

„Er hat sich zurecht beschwert. Die Abmachung war, dass er mit seinem Auto durchkommt, und wir hätten uns daran halten müssen“, sagt Ronny Sachse, Vorsitzender des Kulturschocks, und ergänzt: „Ich möchte keinen Stress haben, er soll sich von uns nicht belästigt fühlen.“ Und so wurde am Mittwoch (28. Juli) auf dem Kirchplatz etwas umgeräumt.

Umräumen für den Frieden

Der Grill, die zusätzlichen Bierzeltgarnituren und der Kuchentisch bekamen einen anderen Platz, in der Hoffnung, dass jetzt die Kuh vom Eis ist. Schließlich möchten die Kulturschocker und ihre Gäste diesen Sommer gern auf dem Kirchplatz bleiben und sind dankbar, dass die katholische Kirchengemeinde sofort ihr Okay gegeben hat.

Dafür, dass sich die zahlreichen Gäste wohlfühlten, gaben die Ehrenamtlichen wieder alles: zapften Bier, wendeten die heiß begehrten Bratwürstchen, brachten Kuchen und verkauften auch umhäkelte Kleiderbügel von Inge Westerwell für einen guten Zweck.

Gut gelaunt und für alle Gäste im Einsatz: das Kulturschock-Bewirtungsteam am Mittwoch (28. Juli)

„Es gefällt uns ganz gut, nur das Plätschern der Lenne war natürlich schöner“, meinte Ursula Lamberti. Sie und ihr Mann Dietmar lieben die einzige Möglichkeit in Nachrodt, öffentlich gemeinsam mit Freunden unbeschwert Zeit zu verbringen, „und hier auf dem Kirchplatz war die naheliegende Lösung“, so Hannelore Dicks.

„Gemeinde hat es versemmelt“

Die B236 ist allerdings recht präsent, „aber wenigstens kann man gucken, was auf der Straße passiert“, findet Ilse Weber es „gar nicht so schlimm“. Auch Dajana und Marco Kroschke nehmen die etwas andere Atmosphäre gelassen. „Es ist ein Stückchen Normalität zurück und darüber freuen wir uns“, meint Marco.

Apropos Freude: Die kommt bei Susanne Jakoby angesichts des erzwungenen Umzuges zum Kirchplatz nicht auf. „Wir haben eine tolle Lenneterrasse und sitzen hier auf einem Parkplatz, nur weil die Gemeinde es versemmelt und versaubeutelt hat. Es gab das Versprechen, dass die Zuleitungen bleiben, aber dann war auf einmal alles weg.“

Dajana und Marco Kroschke freuen sich über die Bewirtung des Kulturschocks vor der Kirche in Nachrodt.

Bauamtsleiter: Improvisieren wäre möglich gewesen

Das möchte Bauamtsleiter Dirk Röding so nicht auf sich sitzen lassen, denn „man kann nur ein Haus abbrechen, wenn die Hausanschlüsse abgetrennt sind. Oder soll die letzte Steckdose aus der Erde ‘rausgucken?“ Der Plan ist, einen Stromschrank zu platzieren, aus dem Strom für die Bewirtung, aber auch für andere Veranstaltungen, wie Lenne lebt beispielsweise, entnommen werden kann.

Wasser könne es dann über ein Stand rohr geben. „Meine Vorstellung ist, dass wir die Kosten zusammenstellen und diese für das nächste Jahr in den Haushalt stellen. Allerdings muss das die Politik entscheiden.“ Auf der Lenneterrasse hätte man nach Ansicht von Dirk Röding auch aktuell improvisieren können: mit einem Gas- oder Holzkohlegrill und dem Verkauf von Flaschenbier.

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