Europa-Champions aus Nachrodt

Bettina Bleiweiß züchtet die besten Zwergpinscher

Mit ihren Zwergpinschern nimmt Bettina Bleiweiß regelmäßig an Ausstellungen teil.

Nachrodt-Wiblingwerde - Dila Juna, Donna Loony, Deyna Lo und Don Lorenzo sind gerade drei Wochen alt und sorgen schon für mächtig viel Chaos. Die Hundewelpen sind der ganze Stolz von Bettina Bleiweiß. Denn die Kleinen sind der erste Wurf ihrer jungen Hündin Indira. Die Nachrodterin züchtet äußerst erfolgreich Zwergpinscher.

Von Lydia Machelett

Eine ganze Nacht durchgeschlafen hat die 44-Jährige schon lange nicht mehr. Seit der Geburt der Welpen schläft die Nachrodterin auf dem Sofa im Wohnzimmer, damit sie ihre kleinen Schützlinge immer im Auge hat.

„Es ist wie mit einem Baby. Man schaut immer, ob alles okay ist. Man hat einen leichten Schlaf und reagiert auf jedes ungewöhnliche Geräusch“, sagt Bleiweiß. Allerdings sei sie mittlerweile schon deutlich gelassener geworden, denn es ist bereits der vierte Wurf, der in ihrem Haus das Licht der Welt erblickt. Dabei entstand die Liebe zu den Zwergpinschern eher zufällig.

„Wir sind mit unseren drei Kindern, unserem großen Colli und Pferd in den Urlaub gefahren. Das Auto war total vollgestopft“, erinnert sie sich. Bereits im Vorfeld hatte die Familie überlegt, sich einen zweiten Hund anzuschaffen. „Da wurde uns schnell klar, ein zweiter großer Hund ist einfach unmöglich.“

Und so stand fest, dass der neue Hund klein sein sollte. Intensiv recherchierte die Familie. Die Wahl fiel auf einen Zwergpinscher. „Die sehen aus wie große Hunde und sind nicht alltäglich. Gleichzeitig sind sie sehr sportlich“, erklärt die Expertin.

Wir wollten einen Familienhund mit guter Sozialisation

Ein Welpe war schnell gefunden. Was die Nachrodter nicht wussten, als sie den neun Wochen alten Hund zu sich holten, war, dass sie gerade einen zukünftigen Europa-Champion in den Händen hielten. „An Zucht hat damals niemand gedacht. Wir wollten einen Familienhund mit guter Sozialisation“, sagt Bleiweiß.

Der Welpe entwickelte sich schnell. In einer Hundeschule entstand der Kontakt zum Pinscher- und Schnauzerclub. „Und dann nahm alles seine Lauf: Xina wuchs heran und entwickelte die typischen Pinschermerkmale. Man schlug uns vor, sie doch einmal mit zu einer Schau zu nehmen“, erzählt Bleiweiß.

Xina konnte dort schnell überzeugen. Mittlerweile wurde sie zur besten Pinscherhündin Europas und hat in Deutschland alles gewonnen, was möglich ist. Vor gut zwei Jahren zog dann noch Indira in Nachrodt ein. Auch diese Hündin machte bereits auf sich aufmerksam und holte immer mehr Pokale. „Eigentlich gibt es in Deutschland nichts mehr, was meine Hunde noch gewinnen könnten.“

Toben im Schlamm und lange Fahrradtouren angesagt

Schoß- oder gar Taschenhunde sind die Pinscher jedoch keinesfalls. „Das finde ich ganz schrecklich. Natürlich tragen auch unsere Hunde im Winter Mäntel. Das müssen sie auch, denn das Pinscherfell hat keine wärmende Unterwolle. Aber ansonsten, werden sie behandelt, wie andere Hunde auch. Es sind ja Tiere“, sagt Bleiweiß.

So nimmt sie ihre Hunde beispielsweise regelmäßig mit zu Ausritten. Ausgelassen wird dann durch den Schlamm getobt. Im Urlaub laufen die Hunde auch bis zu zehn Kilometer am Fahrrad mit.

Bleiweiß ist es wichtig, dass ihre Hunde gut erzogen und sozialisiert sind. Daher wird auch schon ab der fünften Woche auch mit den Welpen gearbeitet. Busfahren, Einkaufstouren, Begegnungen mit Hunden anderer Rassen und Größen, Besuche im Reitstall und Autofahren stehen dann auf dem Programm. „Wichtiger als jedes Rassemerkmal sind die charakterlichen Eigenschaften. Die Hunde sollen alles kennen lernen, um später keine Angst zu haben“, erklärt die Züchterin.

Meine Hunde sind Familienmitglieder, keine Gebärmaschinen

Daher gibt es auch nicht in jedem Jahr einen Wurf. Die sechsjährige Hündin Xina beispielsweise macht jetzt erst einmal zwei Jahre Pause. Sie hatte zuletzt im Dezember Welpen. „Meine Hunde sind Familienmitglieder, keine Gebärmaschinen“, betont Bleiweiß. Auch, wenn die Geburt immer einer der schönsten Momente sei.

„Es ist so schön zu sehen, wenn die Kleinen auf die Welt kommen und wie die Mutter sich um sie kümmert. Die Welpen haben noch die Augen zu und robben sofort zur Milchbar. Sie finden die Zitzen instinktiv.“ Das sind Momente, die das Herz der Züchterin höher schlagen lassen. Doch dann beginnt die Arbeit erst. Besonders spannend wird es ab der dritten Woche. Dann nämlich beginnen die Kleinen ihre Umgebung zu erkunden und miteinander zu spielen. In der fünften Woche werden erste Charaktereigenschaften deutlich.

Doch das bedeutet auch, dass der Moment des Abschiedes immer näher rückt. Mit neun Wochen kommen die Welpen zu ihrem neuen Besitzer. Drei der vier Welpen sind bereits verkauft. Nur eine Hündin ist noch nicht vermittelt. Ob der Abschied schmerzt? „Auf jeden Fall. Das geht nur mit ganz vielen Taschentüchern.“

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