Erfahrene Badretter helfen mit

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Sabine Karisch führte die Gäste der Bürgerbäder-Initiativen durch die Nachrodter Einrichtung. ▪

NACHRODT-W‘WERDE ▪ Das Gartenhallenbad kann überleben, wenn alle mitziehen. Die Interessengemeinschaft Bürgerbäder.de hat es bewiesen. Weil die regelmäßig tagt und über einen großen Schatz an Erfahrungswerten verfügt, luden die Nachrodter Badretter am Samstag zu sich ein, um zu hören, wie andere ihre Einrichtung pflegen.

Das Elsebad Schwerte, das Freibad Dellwig, das Freibad Laggenbeck, das Bürgerbad Leitmecke und das Heidebad Iserlohn haben überlebt, weil die Menschen aus ihrer Kommune es wollten. Die Förderer des Elsebads waren einst Pioniere auf diesem Gebiet in NRW: Der mittlerweile verstorbene Gerhard Benner sicherte sich schon vor zehn Jahren die Internet-Domain http://www.buergerbäder.de. „Ihm war klar, dass im Laufe der Zeit immer mehr Schwimmbäder vom bürgerschaftlichen Engagement leben werden“, erklärt Dr. Hartwig Carls-Kramp, Geschäftsführer des Elsebads. Die Betreiber aus der Bürgerschaft halfen später auch anderen Initiativen bei der Rettung ihrer Einrichtung. „Den Nachrodtern helfen wir natürlich auch!“ sagten Vertreter aller Bürgerbäder, die mittlerweile erfolgreich ehrenamtlich betrieben werden.

Die harte Nuss der Nachrodter ist der Ganzjahresbetrieb: Alle bürgerschaftlich geführten NRW-Bäder sind Freibäder und müssen ihre Fachkräfte für Bäderbetriebe nur in den Sommermonaten beschäftigen. Das spart Personalkosten. Vorteil Nachrodt: Das Gartenhallenbad ist top in Schuss. „Wir mussten das Elsebad erst mal teuer mit zwei Millionen Mark in Stand setzen, um überhaupt wieder einen Betrieb auf die Beine stellen zu können“, so Dr. Hartwig Carls-Kramp im AK-Gespräch. Die größte zu überwindende Hürde sei stets der Anfang. Nach gelungener Wiedereröffnung vor 16 Jahren kam das Schwerter Bad nie in Existenznöte. Aus 21 Gründern wurden 800 Förderer. 130 von ihnen packen ganzjährig mit an, um die Anlage in Schuss zu halten.

30 bis 50 Personen, die aktiv im Bad mitarbeiten, wird die Nachrodter Initiative nach Einschätzung von Dr. Hartwig Carls-Kramp brauchen. „Das sollten Menschen mit Zeit und Sinn für Verantwortung sein. Aber so ein Ehrenamt gibt den Menschen auch viel zurück“, weiß Carls-Kramp aus Erfahrung. Es braucht sowohl Menschen, die im Rettungsschwimmen versiert sind, als auch Bürger mit technischem Know How. Freiwillige, die Kassen- und Kioskdienst schieben und natürlich auch Helfer mit betriebswirtschaftlichem Verstand.

Der Arbeitskreis zur Rettung des Gartenhallenbads und der Förderverein arbeiten derzeit auf Hochtouren, um einen fast nahtlosen Übergang zu schaffen zwischen der Schließung durch die Gemeinde am 31. März. Das Nachrodter Bürgerbad würde von seinen Unterstützern betrieben. Die Immobilie bliebe in Gemeindehand.

Auch Bürgermeisterin Birgit Tupat lauschte mit Interesse den Ausführungen der Vertreter der Bürgerbäder. Die örtliche Initiative kann sie in erster Linie moralisch Unterstützen - das Bad musste aus dem Gemeindehaushalt raus, um einem Kahlschlag der kommunalen Finanzaufsicht vorzubeugen. Der Arbeitskreis zur Rettung plant Umbauarbeiten, um Platz für physiotherapeutische Angebote zu schaffen. „Wir können das Gartenhallenbad aber nur retten, wenn tatsächlich jeder mitzieht, der es erhalten will“, so Sabine Karisch, zweite Fördervereinsvorsitzende. ▪ Ina Hornemann

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