Etwas für Leib und Seele

Gudrun Siebert, Klinikseelsorgerin, war bei den Frauen zu Gast. Sie sprach über „das Beten“.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Leckeres für den Leib und geistliche Worte für die Seele gab es am Samstag beim Frauenfrühstück des CVJM im Gemeindesaal Wiblingwerde.

Gudrun Siebert, Klinikseelsorgerin in der Lungenklinik Hemer, widmete sich dem Thema „Beten – der letzte Schrei“. Die Doppeldeutigkeit des Titels grundierte ihre Aussagen zur modernen Patchwork-Religiosität, die das traditionelle Christentum ihrer Beobachtung nach immer mehr abzulösen scheint: Der „letzte Schrei“, das schrill Moderne gegen den letzten Schrei des Verzweifelten, der Trost im Gespräch mit Jesus Christus sucht. „Kirche im traditionellen Sinn ist out, Religiosität aber ist in“, lautete Gudrun Sieberts etwas zugespitzte These zu Beginn einer langen Liste mit mehr oder weniger esoterischen Heilsversprechen. Sie ließen die gut 50 Besucherinnen mehrfach schmunzeln: Konjunktur haben – so Gudrun Siebert – ganz unterschiedliche Angebote: Wahrsager und Pendel-Deuter, Feng Shui und ayurvedische Weisheitslehren auf der Grundlage des Buddhismus, Meditationen zur Aktivierung der universellen Lebensenergie, die „gute“ alte Astrologie und der Mondkalender, der entscheidenden Einfluss auf unser Tun haben soll. „Ich wundere mich, dass Menschen, die aufgeklärt sein wollen, sich unter die Regie eines Mondkalenders stellen“, staunte die Referentin. Auch der Erfolg eines großen Gebetskongresses in Hamburg, der bereits dreimal stattfand und sich dem Thema „Spiritualität, Wissenschaft, Kunst“ von vielen Seiten näherte, dokumentiere das wiedererwachte Interesse an einer Religiosität, die sich aus ganz unterschiedlichen Quellen speise. Wer mag, kann viele der von der Referentin genannten quasi-religiösen Angebote im Internet entdecken. Keltische Runenzeichen, zahlenmagische Spielereien, Pendel-Deutungen und Wahrsagungen sollen Schicksal und Zukunft enthüllen. Beliebt seien auch Kontakte zu Engeln als eine Form, sich dem Unverfügbaren, Göttlichen und Unerklärbaren zu nähern, sagte Gudrun Siebert. Alle diese Bemühungen stünden unter der Devise „Es muss doch noch etwas Anderes geben!“ In dieser Suche nach dem Anderen sah sie etwas durchaus Positives, denn skeptisch zeigte sie sich vor allem gegenüber Bemühungen, das Heil ausschließlich in sich selbst zu finden. „Kann man beten, ohne an Gott zu glauben?“, lautete ihre zugespitzte Frage an das Publikum. Gibt es tatsächlich so etwas wie ein „Gebet an mein Inneres“? Demgegenüber machte die Seelsorgerin den Gott der christlichen Bibel stark: „Die Suche nach Hilfe hat nicht immer Erfolg, wenn ich nur mit mir selber spreche.“ Das Gebet brauche ein Gegenüber und dieses Gegenüber, Gott, „ist immer nur ein Gebet weit weg“, lautete der Merkspruch zum Mitnehmen.

Von Thomas Krumm

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