Müll und zerstörte Weiden

Besucher-Boom im Grünen: Gravierende Folgen für Wald und Wiesen

Müllplatz: Dies ist nur ein kleiner Teil von Abfall, der regelmäßig rund um den Parkplatz in Veserde liegt.
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Müllplatz: Dies ist nur ein kleiner Teil von Abfall, der regelmäßig rund um den Parkplatz in Veserde liegt.

Erholung in der Natur boomt durch und seit Corona – und stellt die Land- und Forstwirte vor große Herausforderungen. Die Besuchermassen hinterlassen Spuren. Nicht immer mit Absicht. Gravierende Folgen hat ihr Verhalten dennoch.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Land- und Forstwirte hatten es prophezeit: Die vielen Besucher in der Natur werden Auswirkungen haben. Genau so ist es. Allerdings in einigen Teilen der Gemeinde mehr als in anderen. Besonders betroffen sind Flächen rund um den Lohagen und Veserde.

„Teilweise ist es wirklich krass, was hier abgeht“, sagt Geraldine Hegemann-Malkus. Die Chefin des Alpaka- und Reiterhofs an der Lüdenscheider Straße bewirtschaftet die Flächen am Lohagen.

Parkende Autos sorgen für Ernteausfälle

Besonders schlimm sei es in unmittelbarer Nähe des Waldlehrpfads. „Müll ist das eine, aber parkende Autos sind wirklich ein Ärgernis. Wir erwirtschaften mit dem Gras auf den Wiesen einen großen Teil unseres Winterfutters. Einige Teile sind allerdings inzwischen so beschädigt, dass wir auf jeden Fall Ernteausfälle haben werden“, sagt Geraldine Hegemann Malkus.

Am Sonntag beispielsweise hätten bis zu acht Autos mitten auf der Wiese geparkt. „Die fahren alles einfach kaputt, ohne Rücksicht auf Verluste. Natürlich ist immer wieder Unwissenheit dabei. Aber manchmal ist es auch einfach frech“, sagt die Hofbetreiberin.

Schutzmasken landen im Heu

Sie sucht den Dialog. „Ich versuche den Menschen freundlich zu erklären, was sie falsch machen und warum man nicht einfach auf Weiden parkt. Die meisten sind einsichtig, entschuldigen sich und setzen ihr Auto um. Andere werden richtig frech“, erzählt Hegemann-Malkus. Eine Familie habe sie beispielsweise einfach stehen lassen mit den Worten: „Da stehen schon welche, also darf man hier auch parken.“

Neben den durch Autos zerstörten Randstücken ist auch Müll ein großes Thema. „Ich weiß gar nicht, wie viele Masken ich schon aufgesammelt habe, damit sie später nicht im Heu landen“, sagt Hegemann-Malkus. Ein Problem, das auch Heiko Cordt kennt. Für ihn ist die Situation in Veserde besonders schlimm. Wald und Wiesen rund um den Wanderparkplatz an den Windrädern seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden in den vergangenen Monaten.

Parkplatz Veserde: Müll, Kippen und Kondome

„Erst wurde sie mit Schlitten kaputt gefahren, weil teilweise einfach zu wenig Schnee lag, und jetzt werden sie zugemüllt“, sagt Heiko Cordt. Vor der Ausgangssperre trafen sich immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Parkplatz, um abends dort zu feiern. Zigarettenkippen, Getränkedosen, Kondome und vieles mehr wurden einfach liegen gelassen. „Das sind wirklich krasse Zustände“, erklärt der Jäger.

Förster Christof Schäfer berichtet ähnliches: „Man merkt schon, dass viel mehr Menschen in der Natur unterwegs sind. Das ist schön, so lange sie sich an Regeln halten.“ Parkende Autos bereiten auch ihm derzeit immer wieder Probleme. Oft wird in Waldeinfahrten oder vor Schranken geparkt.

Im Wald bei Wörden weisen große Schilder auf Sperrungen und Forstarbeiten hin.

Die Folge: Versperrte Wege für die dringend benötigten Holztransporter – und vor allem für den Rettungsdienst. „Jetzt, wo mehr Menschen im Wald unterwegs sind, ist auch einfach das Risiko höher, dass jemanden etwas passiert. Rettungswege müssen frei bleiben“, appelliert Christof Schäfer an die Waldbesucher. Erleide ein Spaziergänger einen Herzinfarkt oder stürze ein Mountainbiker schwer, sei schnelle Hilfe erforderlich.

Autos versperren Zufahrten zum Wald

„Durch die massiven Waldarbeiten sind die Wege teils stark beschädigt. Ein normaler Krankenwagen käme gar nicht durch. Man ist also auf die Hilfe eines geländegängigen Feuerwehrfahrzeugs angewiesen. Und das ist nun einmal deutlich breiter als ein Pkw. Das sollten Autofahrer immer bedenken, wenn sie am Wegesrand parken“, mahnt der Förster.

Zudem sei ihm aufgefallen, dass immer mehr Mountainbiker unterwegs sein. Prinzipiell hat Schäfer damit kein Problem, so lange sie auf den Wegen bleiben – und das ist nicht immer der Fall. „Wir finden immer wieder Pfade, die mitten durch den Wald gehen. Gerade in den Laubwäldern. Für den Wald ist das tödlich. Die Schäden sind teilweise irreparabel“, sagt Schäfer.

Heile Welt in Oevenscheid

Denn durch die Fahrspuren fließe das Wasser, nehme immer mehr Waldboden mit und lege Wurzeln frei. Gerade in Zeiten, in denen es dem Wald eh schlecht geht, sei so etwas gefährlich. „Das Argument, dass unsere Waldmaschinen mehr kaputt machen, zählt nicht“, erklärt Schäfer. Denn für einen Harvester würden beispielsweise im Vorfeld alle Fahrspuren mit Reisig bedeckt, um die Schäden gering zu halten. Zudem wäre das ein einmaliger und erforderlicher Einsatz.

Entspannter ist die Lage im südlichen Teil der Gemeinde. Rund um Oevenscheid werden Wanderwege zwar stark frequentiert, aber die Besucher zeigen sich größtenteils diszipliniert. „Natürlich läuft da auch mal jemand quer über die Wiese. Aber ich kann nicht von mehr Müll berichten“, sagt Landwirt Carsten Gessler, der die großen Weiden rund um den Wanderparkplatz Oevenscheid bewirtschaftet.

Großes Lob vom Landwirt

Es sei zwar deutlich mehr los, aber beschweren könne er sich nicht. „Ich habe sogar vermehrt beobachtet, dass die Leute die Hinterlassenschaften ihrer Hunde einsammeln und mitnehmen. Ich finde, das ist sogar eher besser geworden“, lobt Gessler.

Viel Müll registriert er entlang der L 692. Das sei aber weniger ein Problem der Wanderer und Mountainbiker als das der Autofahrer. „Das wird sich wohl auch nie ändern“, sagt Gessler. Ernst-Jörg Pühl und Martin Hohage, die ebenfalls Flächen dort bewirtschaften, stimmen ihrem Kollegen zu. „Es ist wirklich viel los. Gerade am Wochenende. Aber wir können uns nicht beschweren“, sagt Hohage.

Einig sind sich Landwirte, Jäger und Förster aber in einem: „Wir können wirklich verstehen, dass es die Leute raus in die Natur zieht“, sagt Geraldine Hegemann-Malkus. „Was sollen sie auch machen? Hier kann man Kindern wenigstens noch ein Abenteuer bieten und selbst eine Auszeit vom Alltag genießen. Und wir haben da auch gar nichts gegen, wenn sich an Regeln gehalten wird.“ Neue Entwicklungen der Pandemielage im Märkischen Kreis lesen Sie in unserem Live-Ticker.

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