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Bestandsaufnahme bei der Nachbarschaftshilfe: Ukraine-Flüchtlinge wollen Deutsch lernen

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Von: Thomas Krumm

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Die Nachbarschaftshilfe möchte die Ukraine-Flüchtlinge unter anderem bei der Wohnungsausstattung unterstützen.
Die Nachbarschaftshilfe möchte die Ukraine-Flüchtlinge unter anderem bei der Wohnungsausstattung unterstützen. © Krumm, Thomas

Die Nachbarschaftshilfe der Doppelgemeinde möchte ukrainische Flüchtlinge unterstützen. Obwohl viele Geflüchtete hoffen, bald zurück in ihre Heimat zu kommen, wollen viele Deutsch lernen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Zu einem Gespräch über die aktuelle Lage der Ukraine-Flüchtlinge in Nachrodt-Wiblingwerde trafen sich in der Aula der Grundschule jetzt die Aktivisten der Nachbarschaftshilfe. Deren Name ist Programm: „Jeder soll jedem helfen“. Die Bestandsaufnahme ergab, dass den 40 Flüchtlingen, die derzeit in Nachrodt-Wiblingwerde leben, schon viel geholfen wird.

Elf schulpflichtige Kinder sind dabei. Fünf Kinder unter sechs Jahren sollen Kindertagesstätten besuchen. 23 Wohnungen stehen derzeit zur Verfügung, acht sind bezugsfertig, sieben davon sind bereits bewohnt. Allein im großen Haus von Dachdeckermeister Gernot Rescher sind 13 Menschen aus der Ukraine untergekommen: Acht Erwachsene, ein 18-jähriger Teenager und vier Kinder.

Er schilderte die Herausforderungen und aktuellen Probleme aus eigener Anschauung: Anmeldung der Flüchtlinge beim Bürgerservice der Gemeindeverwaltung, Termine bei der Ausländerbehörde, die ein weiteres Büro im Hönne-Berufskolleg in Menden eröffnet hat.

Nachbarschaftshilfe: Ukraine-Flüchtlinge wollen Deutsch lernen - Betten sind Mangelware

Auch die Ausstellung einer Krankenkassenkarte durch die Sozialbehörden, die Besorgung von Behandlungsscheinen für Arztbesuche und die obligatorische Masernimpfungen für die Schule können zu Herausforderungen werden. Wo gibt es beglaubigte Übersetzungen einer ukrainischen Geburtsurkunde? „Es zieht sich alles so unendlich“, seufzte Gernot Rescher.

„Und von der finanziellen Unterstützung ist noch kein Cent da.“ Einige Probleme wurden bereits unbürokratisch gelöst: Die Flüchtlinge können Busse und Bahnen kostenlos nutzen. Und es „gibt ein Portal, wo Arbeitgeber Stellen einstellen können“, berichtete Bürgermeisterin Birgit Tupat. Sie bot einen Bus des Ordnungsamtes für Umzüge an und erklärte das Konzept für die Spendenbörse in der Lennehalle: Möbel, Startersets für Küche und Bad, Hausrat, Spielzeug und Bettwäsche werden dort gesammelt und weitergegeben, aber keine Kleidung.

„Das wäre zu überdimensioniert.“ Das Angebot sei größer als der Bedarf. Das heißt nicht, dass nicht auch Kleidung gebraucht würde: „Manche kommen hier mit nichts an, außer einer kleinen Tasche. Und damit waren die 14 Tage unterwegs.“ Die Bürgermeisterin berichtete auch von einem speziellen Problem, das durch Spenden gemildert werden kann: „Es gibt in ganz Deutschland kaum noch Betten.“

Einer der Gründe: Polen braucht seine große Produktion an Betten für die Unterbringung der Ukraine-Flüchtlinge im eigenen Land. „Wenn es irgendwo hakt – Meldung an mich, und dann kümmere ich mich“, versprach Birgit Tupat.

Sonja Hammerschmidt berichtete, dass die Flüchtlinge „eigentlich nicht viel wollen, weil sie morgen wieder nach Hause wollen“. Aykut Aggül zeigte sich skeptisch, dass dieser Wunsch bald erfüllt werden kann: „In vielen Orten ist die komplette Infrastruktur zerstört. Es wird Jahre dauern, bis das wiederhergestellt ist.“

Und der Krieg sei ja noch nicht einmal beendet: „Herr Putin wird nicht aufhören.“ Trotz der Rückkehrwünsche wollen die Flüchtlinge „lieber heute als morgen“ Deutsch lernen. Für den Anfangsunterricht werden deshalb dringend ehrenamtliche Lehrkräfte gesucht. Mögliche Orte für den Unterricht gibt es einige: Vor allem Gemeindehäuser und der Kornspeicher sind mögliche Treffpunkte.

Aykut Aggül schlug regelmäßige Treffen der Nachbarschaftshilfe vor. Der nächste Termin ist der 29. April, 17.30 Uhr in der Aula der Grundschule. Ende Mai, Anfang Juni soll außerdem ein Willkommensfest stattfinden – voraussichtlich in der Sekundarschule.

Elf ukrainische Flüchtlinge fanden kürzlich eine Zuflucht in der Idylle in der Doppelgemeinde.

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