Orgel in der Kirche

Orgel bereitet Musiker Kopfschmerzen - aber nur manchmal

Organist Frank Schulte an der Orgel in der evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld
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Organist Frank Schulte an der Orgel in der evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld.

1214 Pfeifen für besondere Klänge und Tasten, die vertauscht erscheinen. Die Orgel in der Nachrodter Kirche ist was besonderes...

Nachrodt-Wiblingwerde – „Die Orgel in unserer evangelischen Kirche hat Klang und Strahlkraft.“ Das sagt Frank Schulte. Er ist seit 1984 als Kirchenmusiker in der Gemeinde tätig. Das heutige Instrument ist nicht mehr das erste, was in der Hallenkirche erklingt.

Die Gemeinde schaffte 1904 ein einfaches Instrument an, das von Orgelbaumeister Hermann Ladegast erbaut wurde. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges litt das Instrument schwer und war kaum noch störungsfrei bespielbar. Deshalb ließ man nach einer Sanierung 1946 ein elektronisch betriebenes Gebläse einbauen.

Gemeinde muss große Summe selbst zahlen

Bereits 1952 konnte es sich die Gemeinde leisten, ihre Orgel um fünf Register zu erweitern. Das sorgte für eine deutliche Klangverbesserung. Das Instrument füllte den Kirchenraum jetzt musikalisch vollständig aus.

Ende 1965 beschloss das Presbyterium, eine neue Orgel anzuschaffen. Doch erst sechs Jahre später konnte der Plan verwirklicht werden. Immerhin galt es, dafür die nötigen Mittel aufzubringen. Zwar bezuschussten Kirchenkreis und Landeskirchenamt das Projekt, doch auch die Gemeinde musste einen beträchtlichen Teil der Kosten selbst leisten.

Farben der Tasten scheinen vertauscht

Wie die Instrumente in Evingsen und Dahle wurde die neue Orgel in Berlin in Auftrag gegeben. Sie stammt aus der Orgelbauwerkstatt von Professor Karl Schuke, besitzt 19 Register. 1214 große und kleine Pfeifen – aus Holz und einer Blei-Zinn-Legierung – verteilen sich auf die 19 Register.

Für den Laien interessant: Die Tasten der Manuale haben eine umgekehrte Färbung. Schwarz und Weiß, so wie es jeder vom Klavier kennt, scheinen vertauscht. „Diese Art von Gestaltung ist nicht unüblich und war im 18. und 19. Jahrhundert sogar Standard bei den damaligen Tasteninstrumenten“, erläutert Schulte.

Orgelspiel in schlanken Schuhen

Die Orgel selbst ist mittig an der Frontseite des Kirchenschiffes und nur über eine hölzerne Orgelempore zu erreichen. Wenn der Gottesdienstbesucher sich umschaut, erblickt er eine „harmonische Ansicht des Prospektes, der zum Kirchenschiff passt“, meint Schulte.

Die Fußpedale des Schuke-Instruments an der Obstfeld-Orgel laufen nicht parallel. „Das kommt meinem Spiel durchaus entgegen“, sagt Schulte. Allerdings wechselt er, bevor er auf der Orgelbank sitzt, immer seine Schuhe. „Orgelspiel in Wander- oder derben Straßenschuhen, das funktioniert nicht. Ich habe mir schlanke Schuhe angeschafft.“

Organist spielt Orgel seit 35 Jahren

Frank Schulte kam früh zum Orgelspiel. Er ging unter anderem bei Baldur Brinkmann aus Altena in die Orgelschule. „Damals war ich zehn Jahre alt“, erinnert er sich. Brinkmann, in Altena und darüber hinaus so etwas wie eine Orgel-Legende, förderte das Talent des jungen Mannes und bildete ihn an einer elektronischen Orgel aus.

Nach ersten Jahren durfte Frank Schulte schon früh auf der Kirchenorgel in Nachrodt üben. Bereits mit 17 Jahren hatte er eine zweijährige kirchenmusikalische Ausbildung in Siegen mit dem C-Examen abgeschlossen. Zu dieser Zeit wechselte der damalige Organist Reinhard Dingel nach Köln. Frank Schulte konnte die Stelle ab Januar 1984 übernehmen. Der 55-Jährige spielt seit 37 Jahren die Orgel – und noch immer freut er sich, wenn er das Schuke-Instrument spielt. „Orgel zu spielen macht einfach Spaß.“

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