Besinnliche 90 Minuten mit weihnachtlicher Musik

Das Singteam und der Seniorensingkreis der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Wiblingwerde waren sowohl gemeinsam als auch getrennt voneinander zu hören.  Foto: Krumm

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Nur ganz wenige Plätze blieben am Sonntag in der Wiblingwerder Kirche frei. Und die hätten keine Sicht auf das Geschehen im Altarraum geboten.

Rappelvoll war die Kirche also, und das hatte seine Berechtigung, denn zu Gast waren zwei Chöre: Das Singteam und der Seniorensingkreis Wiblingwerde. Darüber hinaus hatte Kantor Johannes Köstlin die Sängerin Karolina Brachmann verpflichten können, die das Konzert mit ihrem wunderbar schlanken Sopran zu einem Erlebnis werden ließ. Völlig ohne instrumentale Unterstützung sang Karolina Brachmann die Antiphon „Caritas abundat“ („Die Liebe fließt über“) der Hildegard von Bingen. Die Musik aus dem 12. Jahrhundert passte bestens in die spätromanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Aus dem Liederbuch der Anna von Köln stammte der spätmittelalterliche Gesang auf das neugeborene Jesuskind „Puer natus in Bethlehem“. Das barocke Abendlied für den kleinen Neugeborenen steuerte der deutschstämmige Italiener Giovanni Girolamo Kapsberger bei mit seinem „Figlio dormi“ (Schlafe, mein Sohn“). Auf den Ausflug ins Italienische folgten später noch das französische Volkslied „Une jeune pucelle“ aus dem 16. Jahrhundert, das beliebte polnische Weihnachts- und Wiegenlied „Lulajze Jezuniu“, das sich ebenfalls an den kleinen Mann in der Krippe wendet, und das von John Jacob Niles in seine endgültige Form gebrachte Volkslied „I wonder as I wander“. Da lag das neugeborene Kind also in seiner Krippe und wartete auf die Ankunft der Heiligen Drei Könige, und Karolina Brachman setzte das Ganze musikalisch beeindruckend in Szene.

Auch der Seniorensingkreis widmete sich dem Geschehen im und um den Stall von Bethlehem. „Wer ist das Kind?“, fragten die Frauen auf die Melodie des englischen Volksliedes „Greensleeves“. Auf die erste Annäherung „Auf Bethlehems Feldern“ folgte der Besuch bei dem Kleinen: „Wir stehen im Stall bei der Krippe“. Drei Lieder, die weihnachtliche Stimmungen besangen, folgten später. Und gemeinsam mit dem Singteam kam der Seniorensingkreis auf das Thema göttliche Liebe zurück: Der Wechselgesang „Ubi caritas“ und das Lied „Geht zu den Ställen heute Nacht“ flossen dabei ineinander.

Das Singteam, das neben Weihnachtsliedern auch einige Gospels sang, nahm auch die Gemeinde mehrfach mit auf die musikalische Reise. Besonders ambitioniert war das Projekt eines mehrstimmigen Gesangs: Während die Besucher „Stille Nacht“ summten und sangen, hielt der Chor mit dem Lied „Cold are the people“ dagegen.

Johannes Köstlin hatte bei all dem seine Chöre gut im Griff und ermunterte das Publikum immer wieder sehr nachdrücklich zum Mitsingen. Am Ende stimmten alle ein in das immer noch gültige „O du fröhliche“ aus dem 19. Jahrhundert. Mit langem Beifall verabschiedete das Publikum schließlich die Solistin und die Chorsänger, die dem Publikum mit ihrem sehr sorgfältig ausgewählten Programm eine große Freude gemacht hatten. Johannes Köstlin sah die besinnlichen anderthalb Stunden offenbar auch als Imprägnierung gegen den Irrglauben, Weihnachten sei mit dem zweiten Festtag schon zu Ende und wünschte allen Besuchern einen besinnlichen Jahreswechsel – wider alle Versuchungen, das Nachdenken durch Böller und Raketen wegzuschießen. - Thomas Krumm

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