Kein Pardon: Jeder Hausbesitzer muss räumen

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Nachrodt-Wiblingwerde - Wenn die ersten weißen Flocken des Winters vom Himmel fallen, jubeln die Kinder – und viele Hausbesitzer denken mit Grauen an die Schneeräumpflicht. Dennoch ist es ratsam, den lästigen Winterdienst ernst zu nehmen, denn Versäumnisse können teuer werden. Welche Pflichten Grundstückseigentümer im Winter haben, erklärte Fachbereichsleiter Axel Boshamer von der Gemeindeverwaltung im Interview mit unserem Redakteur Volker Griese.

Herr Boshamer, in den Höhenlagen ist schon der erste Schnee gefallen. Gibt’s diesmal einen „richtigen“ Winter?

Die Prognosen für den Winter sehen sehr unterschiedlich aus. Allerdings können wir damit rechnen, dass wir sicherlich kalte Tage haben, an denen es auf den Straßen und den Gehwegen gefährlich glatt werden kann. Unsere Bauhofmitarbeiter können aber immer auf aktuelle Wetterlagen sehr schnell reagieren.

Wer muss den Schnee, der (vielleicht) noch fällt, denn eigentlich beseitigen? Auf den Straßen regelt das ja die Gemeinde durch den Bauhof – aber auf den Gehwegen...

Gemäß unserer Straßenreinigungssatzung – und darunter fällt auch die Winterwartung – wird die Reinigung der Gehwege und der öffentlichen Wege, die ausschließlich dem Fußgängerverkehr dienen, den Eigentümern der an sie angrenzenden und durch sie erschlossenen Grundstücke auferlegt. Bei Fußgängerzonen, Plätzen ohne Fahrzeugverkehr, verkehrsberuhigten Bereichen sowie bei den Gemeindestraßen ohne Gehweg müssen die Eigentümer, deren Grundstücke daran grenzen, einen 1,50 Meter breiten Streifen entlang der Grundstücksgrenze sauber halten.

Wann müssen die Grundstückseigentümer denn Schnee räumen? Sie können dafür ja nicht mitten in der Nacht aufstehen, weil es wieder geschneit hat.

Nein. Nur Schnee, der zwischen 7 und 20 Uhr gefallen ist, muss unverzüglich nach Beendigung des Schneefalls beseitigt werden. Das gilt übrigens auch für entstandene Glätte. Nach 20 Uhr gefallener Schnee und entstandene Glätte müssen werktags erst am nächsten Tag bis 7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bis 9 Uhr beseitigt werden.

In vielen Familien sind beide Partner berufstätig und deshalb ganztägig von zuhause weg. Andere Grundstückseigentümer können aus Alters-oder Gesundheitsgründen keinen Schnee wegräumen. Sind die trotzdem in der Pflicht?

Leider ja. Hier kann es sich zum einen anbieten, Nachbarn zu fragen, ob sie Schnee und Eis für sie wegmachen. Zum Glück funktioniert die Nachbarschaft in Nachrodt-Wiblingwerde insgesamt sehr gut. Eine andere Alternative sind sicherlich caritative Einrichtungen, die vielleicht „Bufdis“ oder andere Personen abstellen, die gerade älteren oder behinderten Menschen helfen. Außerdem bieten sich Hausmeisterdienste an, die ebenfalls gegen ein nicht zu hohes Entgelt den Schnee wegmachen.

Gibt es noch Stellen, an denen besondere Regeln gelten?

Ja, an Bushaltestellen und an Zebrastreifen sowie sonstigen für den Fußgängerverkehr notwendigen Übergängen müssen die Gehwege so von Schnee freigehalten und bei Glätte bestreut werden, dass ein möglichst gefahrloser Zu- und Abgang gewährleistet ist.

Hierzulande schneit es ja manchmal recht viel. Wo soll man den weggeräumten Schnee denn lassen, wenn der Platz am Gehwegrand nicht mehr ausreicht?

Der Schnee soll zunächst an dem an die Fahrbahn angrenzenden Gehwegrand gelagert werden, und zwar so, dass Fahr- und Fußgängerverkehr ungehindert und gefahrlos möglich sind. Wo das nicht möglich ist, kann auch der Fahrbahnrand mitgenutzt werden. Die Grundstückseigentümer sollten aber darauf achten, dass die Kanaleinläufe freibleiben, damit es bei Tauwetter keine Überschwemmungen gibt. Auch die Hydranten müssen zugänglich bleiben, weil die Feuerwehr hier gegebenenfalls Löschwasser entnehmen muss.

Das Parken ist im Winter oftmals ein Problem: Wenn viel Schnee gefallen ist, bleibt kaum noch Platz, um das Auto abzustellen. Haben Sie einen Tipp für Autofahrer?

Das stimmt, gerade in engen Straßen werden Kraftfahrzeuge häufig so abgestellt, dass sie Räumfahrzeuge in ihrem Einsatz erheblich behindern, teilweise die Räumung unmöglich machen. Im Interesse einer zügigen Schneeräumung sollen die Straßen und Wege mindestens in einer Breite von 3,20 Meter frei bleiben. Ungefähr so breit ist ein Räumschild des Schneepflugs. Wo solche Durchfahrtsbreiten nicht gewährleistet sind, darf nicht geparkt werden. Auch notwendige Wendeflächen dürfen nicht zugeparkt werden.

Gibt es in der Gemeinde eigentlich auch schwarze Schafe, die ihrer Räum-und Streupflicht nicht nachkommen?

Wie überall gibt es die leider auch in Nachrodt-Wiblingwerde. Bisher wurden diese Herrschaften jedoch nur einmal angeschrieben, dann haben sie sich auch schnell an die Spielregeln gehalten. Wobei es sich hier nicht um Böswilligkeit, sondern eher um Vergesslichkeit handelt.

Und wer sich trotz Aufforderung nicht „an die Spielregeln“ hält?

Wer seiner Reinigungspflicht nicht nachkommt beziehungsweise gegen ein Ge- oder Verbot verstößt, handelt ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße belegt werden. Die Höhe kann unterschiedlich ausfallen. Es geht mit 50 Euro los. Sollte der Schnee so hoch liegen, dass ein unverzügliches Handeln erforderlich ist, kann die Gemeinde auch einen Unternehmer beauftragen, der das im Rahmen der Ersatzvornahme regelt. Das ist natürlich deutlich teurer und kann auch schon mal einen vierstelligen Betrag ausmachen.

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