25-Jähriger zahlt für falsche Aussage einen hohen Preis

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Kreise, oder – wie es die Beteiligten nannten – „Donuts“ drehte ein schwarzer BMW der 3er-Reihe am 17. Februar 2012 auf dem mit Kies und Dolomitsand befestigten Parkplatz des Sportplatzes in Wiblingwerde. Jetzt landete der Fall erneut vor Gericht.

Ein Zeuge beobachtete das Geschehen, merkte sich das Kennzeichen des Wagens, der in Richtung Nachrodt davongefahren war, und die Gemeinde schickte eine Rechnung über 9593,83 Euro. So teuer sollte die Wiederherstellung des „komplett durchgepflügten“ Platzes sein.

Bald darauf meldete sich ein heute 25-Jähriger bei der Polizei. Er gab an, dass er die Kreise auf dem Parkplatz gedreht habe. Daraufhin musste er sich vor dem Amtsgericht Altena wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ verantworten. Doch angesichts der beträchtlichen Schadenssumme präsentierte der Angeklagte vor Gericht ein durchaus überzeugendes Alibi. Nach der Verhandlung war klar, dass er nicht gefahren war und mit seiner Falschaussage den wirklichen Täter hatte decken wollen.

So war für ihn das Verfahren wegen Sachbeschädigung vom Tisch. Es machte Platz für ein anderes Strafverfahren wegen Strafvereitelung, das am Dienstag im Amtsgericht Altena stattfand. Weil der 25-Jährige außer viel Ärger nichts gehabt hatte von seiner Falschaussage, hatte Richter Dirk Reckschmidt eine zentrale Frage: „Warum?“ Der Angeklagte zeigte sich ratlos: „Ich kann es nicht sagen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, dass ich so einen Schwachsinn mache.“ Aus der Sicht der beiden Personen, die vor rund zwei Jahren mit großer Sicherheit in dem kreiselnden Auto gesessen haben, gab es hingegen ein großes Interesse, dass eine Person mit Führerschein sie „raushaut“: Keiner von ihnen hatte eine Fahrerlaubnis, einer stand darüber hinaus unter Bewährungsaufsicht.

Der stärkste Verdacht richtete sich gegen einen 30-Jährigen, der sich deshalb am Dienstag in einem zweiten Verfahren wegen der Sachbeschädigung verantworten musste. Er bestritt, am Steuer des Wagens gesessen zu haben, gab aber zu, als Beifahrer dabei gewesen zu sein. Gefahren sei vielmehr ein damals 17-jähriger Nachrodter. Doch dieser Zeuge bestritt, überhaupt in dem Wagen gesessen zu haben. Er habe auf Bitte des 30-Jährigen und seines Mitfahrers lediglich den 25-Jährigen um die Falschaussage gebeten: „Ich bin auf ihn gekommen, weil er noch eine weiße Weste hatte.“

Letztlich war es zwar sehr wahrscheinlich, nicht aber ganz sicher, dass der 30-Jährige am Steuer des BMW gesessen und den Parkplatz umgepflügt hatte. Weil er nach dem Vorkommnis wegen mehrerer anderer Straftaten verurteilt worden war, wurde das Verfahren gegen ihn letztlich ganz eingestellt.

Büßen musste jedoch der 25-Jährige, der die „Donut“-Fahrer fälschlich entlastet hatte. Wegen Strafvereitelung muss er 50 Tagessätze zu je 30 Euro, insgesamt also 1500 Euro, an die Justizkasse zahlen. „Sie haben die Ahndung der Sachbeschädigung nicht unerheblich verzögert“, warf Richter Dirk Reckschmidt dem reuigen Angeklagten vor. - Thomas Krumm

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