Brandgefahr lauert oft in der Routine

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Alexander Will, Berufsfeuerwehrmann aus Iserlohn, klärte beim Familienkreis des CVJM Nachrodt-Obstfeld über Brandschutzmaßnahmen auf.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Für Kinder wird heute viel Brandschutz-Aufklärung betrieben“, weiß Alexander Will, Berufsfeuerwehrmann aus Iserlohn. „Der Bereich der Senioren wird allerdings vernachlässigt“, stellt er fest. Deshalb schlüpfte der Oberbrandmeister am Freitagabend in die Rolle eines Referenten, um auf Einladung des CVJM-Familienkreises, der sich seit dem Verkauf des Evangelischen Gemeindehauses nun vorübergehend in den Räumen der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Nachrodt trifft, Senioren für das Thema „Brandschutz in Haus und Wohnung“ zu sensibilisieren.

Will appellierte an die Zuhörer: „Sie müssen sich eingestehen, dass Ihre optische und akustische Wahrnehmung im Alter nachlässt. Mit zunehmendem Alter wird man außerdem eingeschränkter in der Bewegung und kann in Gefahrensituationen nicht mehr so schnell handeln wie früher.“ Das leise Knistern eines Feuers im Nebenraum zum Beispiel werde erst um einige Zeit später wahrgenommen. „Und nachts ist die Situation nochmal eine ganz andere.“ Der Geruchssinn sei im Schlaf „ausgeschaltet“, Rauch könne somit nicht wahrgenommen werden. Auf die Gefahren des Rauches wie Will ausdrücklich hin: „Die Gefahr, die durch ein Feuer entsteht, ist viel geringer als der Rauch. 90 Prozent der Menschen, die bei einem Brand ums Leben kommen, sterben zuvor an Rauchvergiftung“, verdeutlichte Will. Doch während der Geruchssinn im Schlaf seine Aktivität einstellt, funktioniert das Gehör weiterhin. Nicht zuletzt deshalb gelten Rauchmelder als „Lebensretter“, erfuhren die Zuhörer.

Will präsentierte dem CVJM-Familienkreis ein Reihe von Gefahrenquellen, die durch achtsames Verhalten aber umgangen werden können. Offenes Feuer – auch Teelichter – dürfe man nie unbeaufsichtigt lassen; Steckdosen dürften nicht mit Mehrfachsteckern überlastet werden. Technische Geräte solle man trotz Zeitschaltuhr nur dann laufen lassen, wenn jemand zuhause ist. „Es muss nichts passieren, es kann aber immer mal wieder etwas passieren“, weiß Will.

Gerade routinemäßige Abläufe seien vor Unfällen nicht gefeit, betonte Will und nannte ein Beispiel: „Sie programmieren die Kaffeemaschine und haben dann doch einmal vergessen, Wasser einzufüllen.“ Die Glaskanne auf der heißen Platte zerspringe dann – schnell könne dadurch ein Brand entstehen. „Selbst ein Kühlschrank kann einen Brand auslösen“, machte der Oberbrandmeister klar, dass von allen technischen Geräten Gefahr ausgehen kann. Umso wichtiger sei daher die Installierung eines Rauchmelders in der Wohnung. „Bereits eine Minute nach einer Brandentzündung kommt es zu starker Rauchentwicklung“, führte Will den Zuhörern den zeitlichen Ablauf einer Brandentwicklung vor Augen. Nach drei Minuten gebe es auch knapp über dem Boden schon keine rauchfreie Luft mehr. „Fünf Minuten nach einer Brand-entstehung haben Sie keine Sicht mehr; nach sieben Minuten bersten die Fensterscheiben und nach zwölf Minuten herrschen in der Wohnung Temperaturen zwischen 300 und 1000 Grad.“

Auch die Funktionen von Feuerlöschern und Löschdecke sprach der Fachmann an, verdeutlichte deren Unterschiede in Funktion und Einsatzbereichen. Diese Hilfsmittel seien durchaus sinnvoll, könnten allerdings nur im Entstehungszeitraum eines Brandes etwas gegen die Flammen ausrichten. Auch deshalb sei vorbeugender Brandschutz so immens wichtig. ▪ Susanne Riedl

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