So bereitet sich der Bauhof auf den Winter vor

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Der Schneepflug ist einsatzbereit, wie Volker Richter (rechts) und Detlev Kalupka zeigen.  

Nachrodt-Wiblingwerde – Der Winter kann kommen: Mitarbeiter und Fahrzeuge am Bauhof sind startklar, 250 Tonnen Salz lagern in Altena. Und in der Gemeinde kann nur Salz gestreut werden - aus diesem Grund.

Vereiste Straßen sind schlimm, vor allem wenn vor der Tür nicht gestreut ist. Davon können der Leiter des Bauhofes, Volker Richter, und Straßenmeister Detlev Kalupka ein Liedchen singen. „Im Winter machen wir sowieso nach Ansicht der Bürger alles falsch“, sagt Volker Richter schmunzelnd. 

Die Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit und den Winterdienst laufen auf Hochtouren. 250 Tonnen Salz sind in der Halle aufgetürmt – bis zu 700 Tonnen könnten benötigt werden. 

Erkundungstour um 4 Uhr morgens

Der Winter kann kommen, denn auch sämtliche Gerätschaften wurden schon ausprobiert. Die Winterdienst-Pläne sind ebenfalls geschrieben. Und auch die Rufbereitschaften stehen fest – inklusive für Weihnachten und Silvester. „Den jungen Leuten tut Silvester mehr weh“, weiß Volker Richter. Allerdings: Wenn flächendeckend Schnee und Eisglätte herrschen, müssen alle raus – an allen Tagen. 

25 Bauhof-Mitarbeiter sind für Altena und Nachrodt-Wiblingwerde zuständig, für die Doppelgemeinde sind sechs Leute im Einsatz. Detlev Kalpuka ist frühmorgens im Erkundungsdienst. „Ich fahre um 4 Uhr los und schaue mir die Punkte an, die sich in den letzten Jahren als problematisch herausgestellt haben“, erzählt der Straßenmeister. 

Sehr schnell sehr glatt wird es am ehemaligen Kolpinghaus in Wiblingwerde beispielsweise, an der Bachstraße und besonders am Hartkopf. „Das erwartet man dort eigentlich nicht“, sagt Volker Richter. „Manchmal gibt es Phänomene, die kann man gar nicht erklären.“ Um 5 Uhr startet der eigentlich Winterdienst, der bei allen Planungen natürlich selten vorhersehbar ist. 

Hauptstraßen haben Vorrang

Fünf Unimogs und zwei 17-Tonner werden zu Streufahrzeugen umgerüstet. „Wenn wir eine wärmere Periode haben, bauen wir wieder zurück, weil die Fahrzeuge dann wieder zur Straßenunterhaltung gebraucht werden. Das ist manchmal ,rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln‘“, sagt Volker Richter. 

250 Tonnen Salz lagern im Bauhof.

So richtig aufwändig wird die Arbeit für den Bauhof, wenn es durchgehend schneit. „Dann fahren wir die Streustrecke ab und dort, wo wir angefangen haben, ist dann schon alles wieder weiß“, erzählt Volker Richter. Wenn es ganz extrem wird, werden nur die Hauptstrecken gestreut – und „nicht die letzte Sackgasse“.

In der Doppelgemeinde ist der Bauhof nicht für alle Straßen zuständig: Um die Kreisstraße, die Serpentinen und die Bundesstraße kümmert sich die Straßenmeisterei Iserlohn. In Altena sind vier Fremdunternehmer mit im Einsatz. Es gibt vier Prioritäten, „aber das verschwimmt eigentlich“. Einzelne Gehöfte liegen weit hinten in dieser Liste. 

Im Gemeindegebiet gibt es aktuell keine Fremdanbieter, keine Bauern, die mit im Einsatz sind. „Die Leute stehen nicht Schlange. Sie müssen groß investieren, Streuer und Schneepflug kaufen. Wenn man mehrere milde Winter hat, frisst die Abschreibung die Kosten auf“, so Volker Richter. 

Früher war nicht alles besser

Seit der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es immer wieder kritische Stimmen und die Behauptung, früher sei der Winterdienst besser gewesen. Das stimmt nach Ansicht der Bauhof-Experten nicht. „Wir haben von der technischen Ausstattung nichts verändert und auch die Strecken nicht“, sagt Detlev Kalupka. 

Bester Freund der Bauhof-Mitarbeiter ist die Wettervorhersage der Wetterstation Lüdenscheid. Genutzt wird auch eine Wetter-App, die zweimal am Tag eine Aktualisierung bietet. „Aber wir beobachten das Wetter natürlich auch und setzen auf unsere Erfahrungswerte“, erzählt Detlev Kalupka, der den Winter eigentlich nicht gern mag. „Wir bauen und reparieren lieber“, sagt Volker Richter. 

Zudem steht man beim Winterdienst stark unter Beobachtung. „Fährt man raus und es liegt nicht viel, dann schreien alle: ,Guck mal, die streuen jetzt.‘ Dass es in Wiblingwerde dann eine Schneedecke gibt, sieht man hier unten ja nicht.“ 

Anrufe mit persönlichen Schicksalen

Anrufe gibt es im Winter beim Bauhof viele. Die Leute erzählen von ihren persönlichen Schicksalen und persönlichen Nöten. Alle müssen schnell zur Arbeit, zur Schule, ins Krankenhaus, sind schwanger oder auf die Dialyse angewiesen. „Wir versuchen, so weit wie möglich zu helfen, wenn es wichtig ist“, sagt Detlev Kalupka. „Auch, wenn irgendwo mehrere Autos quer stehen, muss man natürlich helfen“, ergänzt Volker Richter. „Aber alles ist nicht möglich.“ 

Pures Salz wegen der Steigungen

Reines Steinsalz kommt übrigens auf die Straße. „Wir sind natürlich gehalten, so minimal wie möglich und so viel wie nötig zu streuen“, sagt der Leiter des Bauhofes. Eine Alternative zum Salz gebe es nicht – aufgrund der Topografie. Es gebe keine Straße, die kein Gefälle habe. „Wir haben es mit abstumpfenden Mitteln versucht, aber die sind so schnell wieder weg, das funktioniert nicht“ , so Volker Richter. 

Er meint: „Wenn man effektiv, vernünftig und minimal streut, dann ist das in Ordnung.“ Dass sich die Winter in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten stark verändert haben, können die Bauhof-Experten nicht bestätigen. „Jetzt haben wir vielleicht etwas kürzere Einsatzperioden“, sagt Bauhof-Leiter Volker Richter.

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