Kinderbilder im Netz immer problematisch

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Nachrodt-Wiblingwerde - „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten. Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre. Ein Schnappschuss am Strand oder nackt badend im Planschbecken. Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wird damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke.“

Dieser dringende Appell der Hagener Polizei wurde 325492 Mal geteilt und unzählige Menschen haben „gefällt mir“ geklickt. Ob die Polizei allerdings damit Berge versetzen konnte, ist unwahrscheinlich. Unklar ist auch die Rechtslage. Und die aktuelle Frage, die sich stellt: Durfte der Vater, dessen 13-jährige Tochter vor kurzem wie vom Erdboden verschluckt war, in seiner Verzweiflung ein Bild posten, um die Jugendliche zu finden? Er durfte. Obwohl so einfach ist die Lage nicht.

„Hier haben wir eine Besonderheit: Wir haben ein verschwundenes Kind. In dieser Situation muss man davon ausgehen, dass es um das Kindeswohl geht und dass das Kind einverstanden ist“, sagt Rechtsanwalt Karsten Rütte (Kanzlei Steinhauer und Günther in Menden). 

Fakt ist: Grundsätzlich hat jedes Kind das Recht am eigenen Bild. Das Recht wird wahrgenommen durch die Eltern als Erziehungsberechtigte. „Wenn alle an einem Strang ziehen, ist alles gut. Wenn aber einer Nein sagt, gibt es kein Recht auf Veröffentlichung“, so Karsten Rütte und verweist auf ein Gerichtsurteil: So zog eine allein sorgeberechtigte Mutter 2010 vor das Amtsgericht Menden, um durchzusetzen, dass der Vater ihres Sohnes die Fotos des Kindes in der Online-Community „mein VZ“ entfernt (3.2.2010, Az.: 4 C 526/09). Die Richter gaben der Mutter Recht.

„Grundsätzlich ist es für Eltern nicht verboten, Fotos ihrer Kinder zu posten“, sagt auch Marcel Dilling, Pressesprecher der Polizei im Märkischen Kreis, rät aber dringend davon ab („wer weiß, was mit dem Foto passiert“) und erzählt von einer Schülerin aus Österreich, die ihre Eltern verklagte, weil sie mehr als 500 Kinderfotos von ihr auf Facebook gestellt haben sollen. Und laut „welt.de“ droht Eltern in Frankreich, die Fotos ihrer Kinder ohne deren Einwilligung in den sozialen Netzwerken hochladen, Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr oder 45000 Euro Schadenersatz. Auch in Deutschland können Kinder ihre Eltern vor einem Familiengericht wegen Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte verklagen.

Probleme durch oder mit Bildern hat das Jugendamt des Märkischen Kreises zwar noch nicht gehabt, rät aber ebenfalls dringend ab. „Man sollte sich das sehr gut und reiflich überlegen, ob man Bilder seiner Kinder postet“, sagt Pressesprecher Hendrik Klein.

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