Dorfkirche klingt hell und freundliche

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Bettina Pahnke an der Orgel.

NACHRODT-W‘WERDE ▪ Der Sonntag war ein besonderer Tag für die evangelische Kirchengemeinde Wiblingwerde: Am Vormittag fand erstmals nach zwei Monaten wieder eine Gottesdienst in der renovierten Dorfkirche statt. Am Nachmittag endete dort der Konzertzyklus des evangelischen Kirchenkreises Iserlohn „Dorfkirchen klingen“.

Das Konzert mit Kreiskantorin Bettina Pahnke an der Orgel bildete einen gelungenen festlichen Rahmen, um die ehrwürdige Dorfkirche wieder „in Betrieb“ zu nehmen. Zuvor berichtete Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi über die Historie der Kirche.

Die neu verputzten Wände, der helle Anstrich und die moderne Beleuchtung in der angenehm kühlen Kirche stachen an diesem heißen Sommernachmittag besonders hervor. Rund 100 Zuhörer waren gekommen, um den neuen Glanz der Kirche auf sich wirken zu lassen sowie die Ausführungen des Pfarrers, vor allem aber das Konzert zu hören.

Jacobi erinnerte an die religiöse Geschichte Wiblingwerdes, in der die fast 800 Jahre alte Dorfkirche eine zentrale Stellung einnimmt. Bereits im 9. Jahrhundert habe es eine fränkische Missionsstätte in Wiblingwerde gegeben. Das Kirchspiel wurde um das Jahr 1000 erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirche selbst ist um das Jahr 1250 entstanden, damals noch als katholische Kirche Johannes dem Täufer geweiht. Auch das gehe auf eine noch ältere Tradition zurück: Der Johannesborn, eine Quelle auf dem Weg nach Altena, war bereits eine Taufstätte – und zuvor auch eine germanisch-heidnische Kultstätte.

Auch zur Kirche selbst, die in der heutigen Form nach dem Dorfbrand 1709 entstand, hatte Jacobi einige Informationen für die Anwesenden: Mit ihren runden Säulen und ihrem speziellen Gewölbe sei die die dreischiffe Kirche romanischen Stils die einzige im Märkischen Kreis, die im Sauerländer Stil errichtet wurde. Seit der jüngsten Renovierung 1968 steht auch wieder der romanische Taufstein aus dem 10. Jahrhundert in dem Gebäude. bei einer umfangreichen Sanierung im Jahr 1914 waren die Malereien, die den Altarraum zieren, wiederentdeckt und im Alten Stil nachgezeichnet worden. Das Gesicht des Christus sei aber erst 1968 nachgemalt worden. Bei der umfangreichen Sanierung 1914 wurde n auch erst Kirche und Turm eine Einheit. Aus diesem Jahr stammt auch die Faust-Orgel, an der Bettina Pahnke konzertierte.

Die Gemeinde in Wiblingwerde gehört, so erklärte Jacobi, zu den ältesten reformierten Gemeinden im Märkischen Sauerland. Seit 1818 ist sie Teil des Kirchenkreises Iserlohn. Aktuell gibt es rund 1200 Gemeindemitglieder.

Für so viele Informationen benötige Jacobi nur rund ein Viertelstunde. dann gehörte der Nachmittag Bettina Pahnke. Mit ihrem kontrastreichen Programm in der angenehmen Kühle der neu erstrahlten Kirche, bot die organisitin ihren Zuhörern einen gelungenen Querschnitt durch mehrere Jahrhunderte Orgelmusik von Barock über Romatik bis zur Moderne. Konzentriert und andächtig lauschten die rund 100 Anwesenden den Stücken und dankten schließlich der Musikerin mit stehenden Ovationen für ihre Darbietung.

Bettina Pahnke begann mit einer Kompositon von Johann Christian Heinrich Rink, bevor sie sich Johann Sebastian Bach widmete – es erklangen „Christ ist erstanden“ sowie Präludium und Fuge in C-dur. Darauf beeeindruckte die Organistin mti einem Abstecher ins 20. Jahrhundert mit den Komponisten Germaine Tailleferre, Arvo Pärt und Michael Schütz. Zum Finale wählt sie mit Felix Medelssohn-Bartholdy wieder einen Musiker der Romatik. Präludium und Fuge G-Dur aus op. 37 schlossen den feierlichen Reigen an der Orgel ab ab, bevor im Gemeindehaus zu einem Umtrunk geladen wurde. ▪ gör

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