„Die Menschen leben friedlich vor sich hin"

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Harmonisch sind die Treffen im Begegnungscafé.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Was ist, wenn kein interessierter Bürger kommt? Sollte man dann das Begegnungscafé für Einheimische und Flüchtlinge schließen? Auf keinen Fall, meinen die Verantwortlichen.

Ein freundliches Wort kostet nichts, und dennoch ist es das Schönste aller Geschenke. So sieht es das junge Paar aus der Türkei, das aus politischen Gründen geflohen ist und jetzt sehr dankbar und zufrieden in Nachrodt lebt. „Wir gehen in die türkische Gemeinde nach Plettenberg“, erzählt der junge Mann, der mit seiner Frau vier Mal in der Woche zum Deutschkurs nach Iserlohn fährt und auch Unterricht von Elisabeth Petrasch bekommt. So klappt es schon sehr gut mit der deutschen Sprache. Geübt wird auch im Flüchtlingscafé, wo es der „harte Kern der Kümmerer“ ist, der sich um ein Miteinander bemüht. 

Es "verirrt" sich kein Bürger

Lotte Glasow, Elfriede Sickart, Gudrun Hoffmann, Waltraud Bernard und Helga Anderka freuen sich auf das monatliche Treffen im katholischen Vereinshaus. Immer gibt es selbst gebackene Kuchen und Torten, Waffeln, Kaffee und Kaltgetränke. Dabei wissen die Frauen nie im Vorfeld, wie viele Leute denn kommen werden.

Tatsache ist: Die Flüchtlinge kommen gern. Sie suchen den Austausch, das freundliche Gespräch, sie fühlen sich gut aufgehoben, wie der Flüchtling aus Afghanistan, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Nachrodt lebt. Im nächsten Monate kann er eine Ausbildung zum Drahtzieher beginnen. Und seine Kinder können demnächst die Awo-Kita besuchen. Eine Ausbildung zum Automechaniker musste er abbrechen. „Ich hatte keine Probleme mit der Arbeit, aber Probleme mit den Büchern.“ 

Tatsache ist aber auch: Außer den Café-Betreiberinnen, der Flüchtlingsbeauftragten Sabrina Lippert und dem Ehepaar Petrasch „verirrt“ sich kein Bürger, keine Bürgerin zu den Treffen immer am ersten Donnerstag im Monat, um mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen. Wie sinnvoll ist also das Angebot noch? „Gerade in Nachrodt ist es so, dass die Menschen gut untergebracht sind. Man hat noch nie etwas Negatives gehört. Es ist nichts Großes passiert“, sagt Lotte Glasow und kann sich vorstellen, dass die Bürger deshalb keine Notwendigkeit sehen, sich einzubringen.

"Man hat schon ein inniges Verhältnis"

 „Alle Flüchtlinge sind gut versorgt. Das denken sicher viele. Wir denken anders“, ergänzt Elfriede Sickart. „Wir möchten ihnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind, dass sie angenommen werden.“ Sich auf Augenhöhe begegnen zu können, das möchten die Café-Verantwortlichen den Flüchtlingen bieten. „Sie sind ja eigentlich immer in der Nehmer-Position. Hier können sie sich einfach mit uns austauschen“, meint Gudrun Hoffmann. Berührungsängste habe man nur, wenn man die Flüchtlinge nicht kennen würde. „Desto größer sind die Vorbehalte. Und wir versuchen, dies mit dem Café abzubauen“, sagt Gudrun Hoffmann. Sie weiß um die Sorgen vieler Menschen vor Überfremdung. Dies könne man nur durch das gegenseitige Kennenlernen ändern.

 Eine Schließung des Cafés aufgrund von mangelndem Zulauf von Bürgern können sich die Verantwortlichen nicht vorstellen. „Wir freuen uns immer darauf. Man hat schon ein inniges Verhältnis“, sagt Lotte Glasow. Auch der Flüchtlingsbeauftragten Sabrina Lippert ist das Café wichtig: „Die Menschen leben friedlich vor sich hin, haben aber wenig Kontakt. Sie fragen mich häufig, wo man denn mit Omis und Opis Deutsch sprechen könnte. Eigentlich müsste es noch mehr Möglichkeiten zum Austausch geben.“ Nächstes Treffen ist am 5. September ab 16 Uhr.

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