Baustelle Amtshaus: "Abriss vielleicht nicht nötig"

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Beim Blick in den Boden zeigt sich etwas Besonderes.

Nachrodt-Wiblingwerde –Die Untersuchungen im Amtshaus laufen. Möglicherweise gibt es Hoffnung für das Gebäude. Ein Blick in den Boden zeigt Außergewöhnliches.

Steil und beeindruckend. Und das war früher durchaus so gewollt. Wer zum Amt wollte – zur „Obrigkeit“ – musste nach oben im Amtshaus. Die Wartebänke auf halber Strecke im wunderschönen Treppenhaus sind Zeugen längst vergangener Zeiten. Seit 1987 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Es wurde 1898 gebaut und ist seit 1907 Sitz der Gemeindeverwaltung. Heute ist es ein Gebäude mit erheblichen baulichen Mängeln.

Was genau im Argen liegt, wird aktuell untersucht. Die Decken sind geöffnet. Es gilt zu klären, ob das Amtshaus noch zu retten ist. „Nach den ersten Erkenntnissen ist vielleicht nicht der Abriss notwendig“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding.

Der Fußboden im Dachgeschoss ist in allen Räumen aufgerissen. Der Statiker der Firma Schriever und Partner aus Iserlohn nimmt Querschnitte auf, um die Beschaffenheit des Holzes beurteilen zu können. „So kann anhand von Berechnungen ermittelt werden, wie hoch die Lastaufnahme sein kann“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding.

Zu sehen sind übrigens keine Balken, sondern Bohlen, gute 20 Zentimeter hoch und fünf Zentimeter breit, die senkrecht gestellt wurden. „Das ist ein Ding, was noch niemand vorher gesehen hat. Eine sehr seltsame und außergewöhnliche Konstruktion“, so Dirk Röding. Das war selbst damals nicht üblich.


Aber immer wieder wurde oben aufgebaut: in einem Zimmer gar drei Dielen. Übrigens: Die Bohlen sind nicht verfault oder mit Rissen versehen. Es gibt allerdings ein paar Ecken, die bei der Verlegung der Zentralheizung herausgesägt wurden.

Früher war das Dachgeschoss ein Trockenboden. An Büros hatte niemand gedacht. „Die riesigen Lasten, die Schränke voll mit Akten, haben an jeder Wand gestanden. Es hat zwar immer geknarrt, aber man kann nicht einschätzen, ob es mal eingefallen wäre“, sagt Dirk Röding – und meint damit nicht nur das Dachgeschoss. Diese Bauweise zieht sich durchs gesamte Amtshaus, nur die Kellerdecke ist eine Betonkappendecke.

Da bei den Arbeiten auch eine Decke hätte runterfallen können, wurde auch die erste Etage im Amtshaus geräumt, sodass insgesamt 17 Mitarbeiter vorübergehendin den Containern nebenan arbeiten. Im Büro der Bürgermeisterin, später angebaut, gibt es Betondecken, sodass sie trotz der Arbeiten im Amtshaus bleiben kann. Der Dachstuhl wird ebenfalls geöffnet. Bei ersten Untersuchungen hat man bereits Verfaulungen an der Gaube gesehen.

Wie die Zukunft des Amtshauses aussieht, steht noch in den Sternen. Fakt ist, dass eine denkmalgerechte Sanierung mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden wäre. Zudem reichen die Räumlichkeiten für die Nutzung als Amtshaus nicht mehr aus. Es fehlen Räume für Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Lagermöglichkeiten.

Die Untersuchungsergebnisse des Statikers werden in zwei Wochen erwartet. Im Gespräch – und im Gemeindeentwicklungsplan verankert – ist, dass das Amtshaus um einen Multifunktionssaal ergänzt werden soll. Diesen sollen in erster Linie die Bürger nutzen können, zum Beispiel für Veranstaltungen. Aber auch Ratssitzungen sollen dort stattfinden.

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