1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Windräder: „Ich habe es mir nicht angeguckt“

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Täglich rollen große Transporter  mit Windrad-Elementen an.
Täglich rollen große Transporter mit Windrad-Elementen an. © Fischer-Bolz, Susanne

Es ist eine eindrucksvolle Baustelle mitten im Wald: Täglich werden Elemente für die neuen Windräder in Veserde angeliefert. Windkraftgegner finden das alles andere als lustig.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es geht Schlag auf Schlag. Nachts werden die Elemente für die Windräder angeliefert – und zwar zur Umladefläche an der L 692 zwischen den Einmündungen „Waldemey“ und „Auf der Weide“, – tagsüber finden die Transporte über die Baustraße, dann ein Stückchen über die K24 bis in den Wald statt. Zwischendurch werden Verkehrsschilder und Verkehrsspiegel abgebaut, damit die riesigen Fahrzeuge ohne Anecken und Zwischenfälle zum Zielort kommen. Dort herrscht ungeachtet der noch bevorstehenden Gerichtsverhandlung emsiges und augenscheinlich perfekt organisiertes Treiben.

Warten auf die Gerichtsverhandlung

„Wir warten immer noch auf den Termin. Und warten und warten“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat zur Hauptverhandlung vor dem Verwaltungsgericht. Die Gemeinde hatte Klage erhoben, als der Märkische Kreis die Genehmigung zum Bau der Windräder erteilt hatte. Über diese Klage ist noch nicht entschieden, nur über ein Eilverfahren, das die Gemeinde ebenso angestoßen hatte. Der Eilantrag wurde abgelehnt. Eine Tatsache, die viele Beteiligte auch als Signal für die Hauptverhandlung werten.

„Das hat uns viel zu viel Geld gekostet“

So oder so: Auch Birgit Tupat glaubt nicht mehr an einen Baustopp. Und sieht es nüchtern: „Das hat uns alles viel zu viel Geld gekostet, und irgendwann wird man auch fragen, was uns die Flächennutzungsplanänderung kosten wird, bei der wir von vorne anfangen“, so die Bürgermeisterin. Letztens, so erzählt sie, habe ihr jemand gesagt, dass die Windräder immerhin viele Jahre verhindert worden seien.

Unterdessen ist Ulrich Vogel von „Naturstrom Veserde“ auf der Baustelle tiefenentspannt: „Alles ist im Zeitfluss“, meint er mit Blick auf die Logistik der Firma Enercon. „Wir sind zufrieden, wie es läuft, und möchten einfach nur in Ruhe weitermachen.“

Unten Beton, oben Stahl

So eine Baustelle sieht man nicht alle Tage. Die Hauptschalen sind auf dem fertigen Fundament gesetzt. „Das ist sehr aufwendig, da sie genau ausjustiert werden müssen“, so Ulrich Vogel. Einige Turmelemente sind schon da. Im unteren Teil gibt es „Stückwerk“ mit jeweils zwei Halbschalen, später – ganz oben – werden Röhren aufgesetzt. Unten ist Beton, oben Stahl. Noch steht nicht genau fest, wann die Flügel kommen, vielleicht in 14 Tagen, wenn alles nach Plan läuft.

„Ich habe es mir nicht angeguckt“

Die Windkraftgegner, die seit vielen Jahren gegen das Projekt kämpfen, waren bisher nicht vor Ort oder haben sich nicht zu erkennen gegeben. Spektakuläre Szenen wie Sitzblockaden sind auch nicht Sache der Bürgerinitiative „Gegenwind Nachrodt-Wiblingwerde“.

„Ich habe es mir nicht angeguckt. Mir reicht es, wenn ich aus dem Fenster die zwei Kräne sehe“, sagt Dirk Preising und findet es „erschreckend, dass in unserem Land trotz ausstehendem Gerichtsurteil gebaut werden kann.“ Sein Demokratieverständnis sei ein anderes. „Windkraftbefürworter und Investoren haben alles dafür getan, den Märkischen Kreis unter Druck zu setzen“, findet Dirk Preising und erinnert an die Untätigkeitsklage gegen den Märkischen Kreis. Doch bei allem Unmut glaubt selbst der Windkraftgegner nicht mehr an einen Erfolg des langjährigen Engagements gegen den Bau der neuen Riesen.

„Energiewende nicht zu schaffen“

„Ich bin 65 geworden. Ich mach’ mir meine letzten Jahre nicht kaputt deswegen“, sagt Dirk Preising. Und es klingt resigniert. Denn er befürchtet, dass mit dem Bau der zwei Windräder nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Er befürchtet, dass die Umgebung zugepflastert wird – ähnlich wie beim Bau der Hochhäuser in den 70er Jahren. „Heute weiß keiner, wie sie die Scheißdinger wieder loswerden können.“ Die Energiewende sei auf jeden Fall mit den Windrädern nicht zu schaffen. „Jetzt haben wir 3800 in NRW, doch selbst wenn sie 10000 hinstellen, wird es immer noch nicht reichen.“

Während die einen hadern, sind andere guter Dinge. Und befürworten augenscheinlich nicht nur die Windräder, sondern würden sich gern daran finanziell beteiligen – was aber bei Naturstrom Veserde nicht mehr möglich ist.

Oberverwaltungsgericht lehnt Antrag ab

Dem Gerichtsverfahren schaut Ulrich Vogel gelassen entgegen: „Es sind alle Dinge im juristischen Verfahren abgeklopft worden. Im Eilverfahren hat man eine Antwort bekommen. Und wenn nicht irgendetwas Besonderes auftauchen wird, womit will man dann denn argumentieren?“, so Ulrich Vogel.

So sieht es wohl auch das Oberverwaltungsgericht Münster: Es hat am Mittwoch, 20. Oktober, den Antrag der Stadt Hagen auf Erlass einer Zwischenverfügung gegen den Bau der beiden Windrädern in Veserde abgewiesen. Es gibt keinen Baustopp.

Auch interessant

Kommentare