Prioritäten setzen und den Mut zur Ruhe haben

Pfarrerin Bärbel Wilde riet beim Frauenfrühstück dazu, es weder mit der Arbeit, noch mit dem Ausruhen zu übertreiben.

Nachrodt-Wiblingwerde - Um das Verhältnis von Stille und Stress und welche Rolle beides im Leben spielt ging es beim Frauenfrühstück der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde am Samstagmorgen. Mit Bärbel Wilde hatten die Veranstalter eine bewährte Referentin eingeladen, der es gelang, biblische Erzählungen mit dem Leben der Menschen heute zu verknüpfen.

Der Evangelist Lukas erzählt, wie Jesus von Nazareth zu Besuch bei den beiden Frauen Maria und Martha weilt: Maria sitzt zu den Füßen des Meisters und „hört seiner Rede zu“. Martha hingegen müht sich derart ab mit der Bedienung des hohen Gastes, dass dieser das beruhigende Wort ergreift: „Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um viele Dinge. Weniges aber ist not. Maria nämlich hat das gute Teil erwählt, und das soll nicht von ihr genommen werden.“ Die eine im hausfraulichen Stress, die andere kontemplativ lauschend: Es war diese Szene aus dem Neuen Testament, mit der die Lüdenscheider Pastorin Bärbel Wilde ihren Vortrag als Gast der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde illustrierte. Für das Thema „Zwischen Stress und Stille“ interessierten sich viele Frauen – der Gemeindesaal war voll.

Nachdem sich alle bei einem ausführlichen Frühstück gestärkt und schon mal intensiv geplaudert hatten, wurde deutlich, warum Bärbel Wilde als Pfarrerin und Rednerin so gefragt war und ist: Lebensnah, lebendig und mit einem Schuss verständnisvollen Humors widmete sie sich alltäglichen Fragen der Lebenspraxis und des gelingenden oder auch verfehlten Lebens. Im Spannungsfeld von Stress und Stille ging es nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen: „Es gibt Stress, der krank macht und überfordert“, genauso wie jenen guten Stress, der ungeahnte Kräfte freisetzt. Stille ist zumeist gut, aber auch sie taugt nicht als einziges Lebensprinzip. „Entscheidend ist, dass Stille und Stress in unserem Leben in einem ausgewogenen Verhältnis stehen“, betonte Wilde.

Bärbel Wilde erinnerte an die evangelischen Glaubensgewissheiten, die Luther mit den beiden Formeln „nur durch Gnade“ und „nur durch den Glauben“ ausdrückte. Die Praxis sehe anders aus und sei immer noch von dem Modell der Werkgerechtigkeit durchdrungen: „Wir leben in einer Gesellschaft, die immer noch meint, dass sie sich die Seligkeit verdienen müsse.“ Damit gehe das quälende Gefühl einher, dass wir nie genug leisten. „Was ist das schrecklich, wenn wir uns die Ewigkeit verdienen müssen?“, stellte Wilde in den Raum. Dieser Überforderung setzte sie die evangelisch verstandene Glaubensgewissheit entgegen, dass „das, was Jesus für mich getan hat, für Zeit und Ewigkeit reicht“.

Die Ratschläge für den Alltag waren lebensnah: Neue Prioritäten setzen, bei neuen Aufgaben alte abgeben, Meditation, Musik und Entspannung wieder Raum geben im eigenen Leben. Wer das Gebet „Herr segne unser Tun und Lassen“ auch im Hinblick auf das Lassen ernst nimmt, kann sich auch des geistlichen Beistands versichern. Jesus von Nazareths liebevolle Ermahnung an die „handelnde“ Martha, des Guten nicht zuviel zu tun und sich ein Beispiel an der „hörenden“ Maria zu nehmen, macht Mut, sich die Ruhe anzutun, wie man heute sagen würde. - Thomas Krumm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare