Backstübchen zu: Insolventer Betreiber erhebt Vorwürfe

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Jens Christian Brockmann musste das Backstübchen schließen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das Backstübchen hat geschlossen: Jens Christian Brockmann musste Insolvenz anmelden. Er erhebt  nun Vorwürfe.

Jens Christian Brockmann steht vor den Scherben seines Lebenstraums. Das Backstübchen ist geschlossen. Nachdem sich in der vergangenen Woche die Ereignisse überschlagen hatten, musste der vorläufige Insolvenzverwalter den Betrieb mit sofortiger Wirkung schließen. 

Und so ist aus einem hoffnungsvollen Start mit großem Zuspruch ein tragisches Ende geworden. Ein Ende, das Jens Christian Brockmann im AK-Gespräch zu erklären versucht.

 „Wir hatten 2015 das Geschäft nebenan, was sehr gut lief“, erzählt der Bäcker. Nach erheblichen Problemen mit dem damaligen Vermieter warf Jens Christian Brockmann die Flinte ins Korn. Seine Geräte lagerte er beim Bauhof und verdiente sein Geld bei Rewe in Hohenlimburg. 

Bis Manfred Hohage kam und dem jungen Mann eine neue Zukunft neben der Pizzeria bot. Nach größeren Umbauarbeiten entstanden eine 50 Quadratmeter große Backstube und ein 25 Quadratmeter kleiner Verkaufsrraum. 

Großkunde Kostal tat gut

Es lief am Anfang sehr gut. „Wir haben im November 2016 mit dem Weihnachtsgeschäft angefangen. Das war sehr gut.“ Sieben Tage in der Woche war geöffnet. Ab April 2017 kam Kostal als Großkunde dazu, der „mehr Brötchen am Tag abnahm, als am ganzen Tag im Laden gekauft wurden“. 

Alle Geräte gehören zur Insolvenzmasse.

Weil es so gut lief, wurde ein Azubi eingestellt. In der Backstube waren Jens Christian Brockmann, der Auszubildende und der Bäcker Michael Grobe, der ehemalige Ausbilder des Wiblingwerder Bäckers. 

„Es fing damit an, dass die Straße nach Nachrodt gesperrt wurde“, erinnert sich Jens Christian Brockmann an den Anfang vom Ende. „Viele Kunden sind später auch nicht mehr wiedergekommen.“ Und der Rückhalt der Wiblingwerder blieb auch mehr und mehr aus. 

Ärger mit dem Nachbarn

Die Baustellen im Dorf selbst, der heiße Sommer und der Ärger mit dem Nachbarn, der die Autos der Kunden fotografierte, die mit den Rädern auf dem Bürgersteig parkten, hat einige vergrault.

„Und wir können als kleiner Handwerksbetrieb nicht die Auswahl bieten, die ein Großbetrieb vorhält. Das ist ein Nachteil auf Dauer, weil die Leute am liebsten alles frisch zu jeder Zeit verfügbar haben möchten“, sagt Jens Christian Brockmann. Die Handarbeit, so sagt er, bekommt man nicht bezahlt. Jedes einzelne Croissant werde von Hand ausgerollt. „Dann war ein Croissant etwas kleiner als das andere. Und dann fragten Kunden: ,Wie, das kostet auch 1,10 Euro?‘“ Seine Waren seien definitiv nicht zu teuer gewesen. 

Mutter muss finanziell unterstützen

Richtig eng wurde es erstmals im Mai 2018. Dann wurde der Sommer so schlecht, dass „es den kompletten Kontokorrentkredit aufgefressen hat“. Ende August konnte Jens Christian Brockmann die Löhne nicht mehr bezahlen. Seine Mutter unterstützte ihn finanziell. „Wir hatten Umsätze von 250 bis 300 Euro. Das geht nicht für zehneinhalb Stunden.“ 

Im Oktober wurden notgedrungen die Öffnungszeiten reduziert. Das Backstübchen hatte morgens bis 10 Uhr geöffnet und dann nachmittags wieder. Das ging zwei Monate gut. „Aber dann wurde noch weniger verkauft“, sagt der Bäcker und zuckt resigniert mit den Schultern. 

Vermieter habe sich eingemischt

Ein entscheidender Punkt sei, dass die Bürger aus dem Dorf meistens zur Arbeit pendeln würden. „Und so decken sie sich unterwegs ein.“ Hinzu komme der Mitbewerber in Wiblingwerde. Erst Friedrich, jetzt das Café Kult. 

2019 wurde es nicht besser. „Man findet jeden Tag eine andere Ausrede: Es regnet, es ist zu heiß, es ist zu windig. Es schneit. Dann ist Monatsende, dann ist Urlaubszeit.“ Davon abgesehen waren nach Ansicht des Bäckers auch die fehlenden Sitzplätze ein Problem. „Das ist ein ganz großer Nachteil.“ 

Steuerschulden aus 2017 gaben Jens Christian Brockmann nun den Rest. „Die konnte ich nicht bedienen. Ohne große Vorwarnung kam die Pfändung.“ 

Und immer wieder, so sagt Jens Christian Brockmann, habe sich sein Vermieter in sein Geschäft eingemischt. Whatsapp-Nachrichten noch und nöcher soll es gegeben haben. „Er holte Brötchen von Grote, bestellte mich zu sich nach Hause und meinte, dass meine Brötchen so auszusehen hätten. Der hat mich richtig unter Druck gesetzt. Ich hätte den Rhabarberkuchen wieder mit dem Hefeboden gemacht, was einfach grausam schmecken würde.“ 

Vermieter dementiert

Jens Christian Brockmann fühlte sich wie ein dummer Junge behandelt. Der Bäcker zahlte 910 Euro Miete. „Hohage wusste von den Problemen und meinte, ich solle zwei, drei Monate die Miete weglassen. Und jetzt schickt er mir die Kündigung aufgrund von Mietrückständen.“ 

Manfred Hohage widerspricht den Aussagen: „Ich habe ihn nicht unter Druck gesetzt. Er entscheidet selbst, er muss wissen, was er macht.“ Er habe lediglich Kundenwünsche an den Bäcker herangetragen. 

Die fristlose Kündigung hätte er aussprechen müssen, da sich Jens Christian Brockmann seit Wochen nicht zurückgemeldet habe. Jens Christian Brockmann ist kein knallharter Geschäftsmann. Das sagt er von sich selbst. „Es kam jetzt eins zum anderen.“ 

Nachdem der Großkunde abgesprungen ist, gibt es jetzt keinen Ausweg mehr. Ein geplantes neues Konzept, vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Café Kult, muss ad acta gelegt werden. Alle Geräte sind in der Insolvenzmasse. Der Azubi konnte in einen anderen Betrieb vermittelt werden. „Vielleicht ist es das Beste, aufzugeben."

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