B236-Baustelle: Im Hauptquartier

Dieter Misoch.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Es ist auch eine Materialschlacht: Gewaltig Mengen werden hier bewegt und verbaut, damit am Ende Autos, Lastwagen und Mopeds über flüsterleisen Asphalt rollen können. 42 000 Quadratmeter Straßenfläche werden auf der B236 zwischen Nachrodt und Altena erneuert, in neun Bauabschnitten mit halbseitiger Verkehrsführung. Oevermanns Bauleiter und Diplomingenieur Dieter Misoch rechnet mal eben vor, dass hier 27000 Tonnen Asphalt verbaut werden. Und auch ein Kilometerchen Bordstein wird noch neu gemacht.

Herausgefräst und ausgegraben werden dafür 16 000 Tonnen alte Fahrbahndecke und 8000 Tonnen Altschotter. Der personelle Einsatz dafür: Zwei Bauingenieure, ein Polier, zwei mal Baggerbesatzung, der Mann für den Radlader, fünf Facharbeiter für Kanal und Straßenbau, Fertiger, Walzen und noch mehr. Ach, und nicht zu vergessen, der Mann vom Gasversorger, der dabei steht und aufpasst, dass nichts an die sensiblen Gasleitungen kommt, und niemand etwa den Rüttler an der Walze betätigt. Und jede Menge Papierkram gibt es zu erledigen, es gilt zu organisieren, zu kontrollieren, mit Behörden wird verhandelt, eine Gefährdungsanalyse gilt es auszuarbeiten und vorzutragen.

Kein Wunder, dass Bauleiter Misoch in Sigi Müllers Industriekomplex Quartier genommen hat. Hier ist der Aufenthaltsraum für die Belegschaft, hier ist die Schaltzentrale für die Großbaustelle B236. Die Schreibtische hier sind mit Unterlagen gut gefüllt, eine Wand des Büros ist mit Kartenmaterial geradezu tapeziert, hier sind Laptops in Betrieb, hier kommt „der Dieselmann“ herein und fragt wohin er denn den Sprit bringen soll. Hier residiert Bauleiter Misoch, er ist 54 Jahre alt und seit 31 Jahren im Geschäft, ihm zur Seite steht Franz Sandkamp aus Gronau. Der ist noch neu im Geschäft, frisch von der Uni. Er macht Abrechnungen derzeit, akribisch wird hier notiert, Daten werden verglichen, jede Leistung lässt man sich bestätigten und alle vier Wochen kann dann eine Rechnung erstellt werden. Kein Job für schludrige Leute.

Die Oevermannschen Mitarbeiter dieser Baustelle pendeln meist zur Arbeit. Wer weiter weg wohnt, bekommt 34,50 Euro Auslösung. Wer will, kann dafür was vor Ort mieten, aber die meisten fahren wohl. Kollege Sandkamp fährt also jeden Tag nach Gronau. Und Misoch macht sich auf den Weg nach Lippetal im Kreis Soest. Bei den Wochenendschichten wechselt man sich ab. Beide kommen so auf einen 13-Stunden-Tag.

Übrigens - wenn am Freitag dann die Baustelle still steht, dann haben die Arbeiter nicht Wochenende. Zur Zeit werden auf der A44 zwischen Erwitte und Unna die Auf- und Abfahrten neu gemacht. So wird Freitags an der B236 alles eingepackt und zu dieser Baustelle gefahren.

Das Arbeiten zu verkehrsarmen Zeiten habe massiv zugenommen, erläutert Misoch, und auch die Zeitschienen seien immer enger geworden. Das alles sei nicht immer familienfreundlich - aber danach frage ja auch niemand.

Ruhiger wird es natürlich im Winter. Das ist für die Männer aus der Baubranche dann die Urlaubszeit. Dann wird aber auch jede Menge Papierkram aufgearbeitet. Es ist eben ein spezielles Gewerbe. Und auf welcher Baustelle er im kommenden Jahr Quartier beziehen wird, das weiß Misoch noch nicht. - Peter von der Beck

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