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B236: 70 Bohrlöcher für die Sprengung

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Ein Sonnenschirm zum Schutz: Während die Bohrlöcher für die Sprengung vorbereitet werden, wird zugleich an anderer Stelle Spritzbeton aufgebracht.
Ein Sonnenschirm zum Schutz: Während die Bohrlöcher für die Sprengung vorbereitet werden, wird zugleich an anderer Stelle Spritzbeton aufgebracht. © Fischer-Bolz, Susanne

Einen Schreitbagger, der in Altena spektakulär am Burgberg eingesetzt wird, haben die Nachrodter an ihrer Großbaustelle am Fels auch. Doch die Firma Feldhaus bevorzugt aktuell den Manitou, der aber rein gar nichts mit dem großen Geist der Indianer zu tun hat. Die Arbeiten für die letzte Sprengung an der B236 laufen auf Hochtouren.

Nachrodt-Wiblingwerde – Am Donnerstag, 14. Juli, wird – wenn alle Zünder um 14 Uhr durchlaufen – das letzte Gestein ins Nirwana geschickt. Aktuell werden 70 Bohrlöcher vorbereitet. „Der Manitou ist im Prinzip ein Bohrgerät, das man auch als Hubsteiger nutzen kann“, erklärt Polier Thomas Kremer. Die Bohrlöcher sind zwischen dreieinhalb und vier Meter tief. Auf Überraschungen im Gestein ist man nicht gestoßen. „Gesehen hat man aber bei der letzten Sprengung, dass in den tieferen Lagen noch Lehmschichten waren“, so Thomas Kremer. Für den Felsen war genau das problematisch. „Dass er abzustürzen droht, waren zwar immer große Töne, aber nun hat man wirklich gesehen, dass drei Meter in den Hang rein, Wurzel- und Lehmschichten waren. Das hätte auf Dauer wirklich gefährlich werden können“, erklärt der Polier der Firma Feldhaus.

Drei Spreng-Reihen

Die normalen Ankerlöcher sind 90 Millimeter im Durchmesser, die Sprenglöcher sind viel kleiner, nämlich 57 Millimeter. Blaue Rohre werden in die Löcher gebracht, um zu verhindern, dass diese wieder zufallen. Zudem nutzt der Sprengmeister die Rohre, um die Löcher mit Sprengstoff zu füllen. Für die erste Sprengung an der B236 hatte die Firma Reisch Sprengtechnik im Vorfeld die Anordnung der Sprenglöcher noch selbst eingezeichnet, jetzt machen es die Bauarbeiter der Firma Feldhaus selbst: Die Löcher der ersten Bohrreihe, die von unten betrachtet in einer Höhe von etwa vier Metern beginnt, sind immer 70 Zentimeter auseinander, alle weiteren Reihen sind ein Meter nach vorne gesetzt und ein Meter im Abstand. Für die letzte Sprengung werden es drei Reihen werden.

Kräftezehrende Arbeit

Bei den vier bisherigen Sprengungen ist das Gestein heruntergefallen, was auch fallen sollte. Und natürlich kommen auch für die letzte Großoffensive wieder Schutzmatten vor die Sprenglöcher, damit kein Gestein unwillkürlich durch die Gegend fliegen kann.
An heißen Sommertagen ist die Arbeit am Fels besonders kräftezehrend für die Arbeiter. Für die 70 Bohrlöcher werden etwa vier Tage benötigt. Gleichzeitig werden Spritzbeton-Arbeiten durchgeführt. Laut Plan gibt es eine 150-Meter-Linie mit Spritzbeton, der Rest wird mit Netzen gesichert. Der Spritzbeton, der im Endeffekt etwas kahl anmutet, ist im oberen Bereich der Felswand notwendig, da das Material so kleinteilig ist, dass es durch das Netz durchfallen könnte. Knapp an die 400 Kubikmeter Spritzbeton wird verarbeitet. Es hält bombenfest, aber da wächst nichts mehr. Mit den Jahren könnte Efeu von oben herunterragen. Im besten Fall.

70 Löcher werden mithilfe der Bohrlafette (gelb) vorbereitet.
70 Löcher werden mithilfe der Bohrlafette (gelb) vorbereitet. © Fischer-Bolz, Susanne

Und so werden sich die Bürger mitten in der schönen Landschaft der Doppelgemeinde an den „nackten Felsen“ etwas gewöhnen müssen. „Da muss man sich fragen, was man will. Will man Sicherheit oder Schönheit“, schmunzelt Thomas Kremer, der fast seit Beginn der Großbaustelle in Nachrodt ist. Er findet sie spannend. „Hier kommt alles, was wir aus der Technik anwenden, zusammen“, sagt der Polier. Nach Abschluss der Arbeiten geht es für ihn nach Lüdenscheid, wo Fundamente für eine Hochspannungstrasse gebaut werden.

B236 wird repariert

Nach der letzten Sprengung kommt der hauseigene Vermesser der Firma Feldhaus nach Nachrodt. Ein komplettes Aufmaß wird dann auch mithilfe einer Drohne gemacht. Und natürlich wird auch die B236, die in den letzten Monaten arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, repariert, genauer: Auf 150 Meter wird der Asphalt abgefräst und eine neue Decke gezogen. Auch der Fußweg muss wieder hergestellt, beschädigte Leitplanken ausgetauscht werden. „Der Plan ist, dass wir Ende Juli hier weg sind“, sagt Thomas Kremer.

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