"Kein faires Miteinander"

Aykut Aggül als Geschäftsführer der SPD-Fraktion zurückgetreten

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Aykut Aggül (links) ist als Fraktionsgeschäftsführer der SPD Fraktion zurückgetreten

Nachrodt-Wiblingwerde - Es ist durchaus ein Paukenschlag: Aykut Aggül hat seinen Rücktritt als Fraktionsgeschäftsführer der SPD-Fraktion Nachrodt-Wiblingwerde eingereicht.

„Ich habe lange über meine Funktion in der Fraktion nachgedacht und bin nach eingehenden Überlegungen zu dem Entschluss gelangt, meinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung einzureichen. Die Hauptgründe für diese schwierige Entscheidung sind, dass man leider nicht fair miteinander umgehen kann. In meinen Augen kann somit keine Zusammenarbeit stattfinden“, so der junge Ratsherr.

Ausschlaggebend war eine Sitzung des erweiterten Vorstandes. „In dieser Sitzung hatte sich der geschäftsführende Vorstand kritisch über parteiinterne Vorgehensweisen von Herrn Aggül geäußert“, erklären Susanne Jakoby und Gerd Schröder. 

Die Fraktionsvorsitzende und ihr Stellvertreter geben in einer gemeinsamen Stellungnahme an, dass Aykut Aggül „diese Kritik in der Sache auch teilweise akzeptiert hat, teilweise jedoch von sich gewiesen, und gleichzeitig dem Partei- und Fraktionsvorstand Versäumnisse und mangelnde Kooperation sowie Kommunikation ihm gegenüber vorgehalten hat.“ So sei mit Wort- und Widerwort eine emotionsgeladene Stimmung um mangelnde Zusammenarbeit entstanden.

An seinem Entschluss, die Funktion als Fraktionsgeschäftsführer aufzugeben, die er erst am 1. September vergangenen Jahres übernommen hatte, möchte der 21-Jährige nicht rütteln. „Die Konflikte sind im Fraktionsvorstand entstanden. Personen kommen und gehen, Posten bleiben. Das ist die reale Politik“, sagt Aykut Aggül, der aber „natürlich im Rat der Gemeinde“ bleiben möchte.

„Ich bin ordentliches Mitglied im Sozial- und Kulturausschuss, Schulausschuss und Sportausschuss und stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt im Märkischen Kreis.“ Aus seiner Enttäuschung macht Aykut Aggül keinen Hehl: „Wenn man gemeinsam eine Fraktion leiten will, muss alles innerhalb des Fraktionsvorstandes passen. Es müssen Absprachen gehalten und Informationen weiter gegeben werden.“

Zudem hat der junge Ratsherr augenscheinlich das Gefühl, dass er als 21-Jähriger nicht so akzeptiert wird wie er es sich wünschen würde. Dem widersprechen Susanne Jakoby und Gerd Schröder: „Der Parteivorstand hat Aykut Aggül gefördert und sieht sehr wohl das Potenzial, das mit dem noch jungen Partei- und Fraktionsmitglied verbunden ist. Aus dem Grunde ist ihm auch die Teilnahme an der parteieigenen Kommunalakademie ermöglicht worden, um ihm Gelegenheit zu geben, sich persönlich und politisch weiter zu entwickeln. Das noch laufende Seminar nimmt er gern an.“

Aykut Aggül wirft den Fraktionsspitzen Fehler vor – ohne sie allerdings konkret zu benennen. „Man darf nicht glauben, dass man jahrelang die Fraktion geleitet hat mit dem Gedanken, alles richtig gemacht zu haben. Für mich ist die Sache jetzt erstmal erledigt.“ Aber ein Zitat von Bernhard von Clairraux ist ihm wichtig: „Stehe an der Spitze, um zu dienen, nicht um zu herrschen.“

Die Angesprochenen holen dagegen nicht zum „Gegenschlag“ aus, sondern betonen: „Aykut Aggül hat seine Aufgabe als Fraktionsgeschäftsführer sehr ernst genommen. Seine administrative Arbeit innerhalb der Fraktion war in der Tat vorbildlich. Damit hat er neue Akzente gesetzt. Der Fraktionsvorstand hofft und geht davon aus, dass sich Aykut Aggül weiter in die politische Arbeit der Fraktion einbindet. Partei und Fraktion sind bestrebt, in beiderseitigem Interesse, Mittel und Wege der Gemeinsamkeit zu finden.“

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