Nachrodter Amthaus wird Millionen-Euro-Sanierungsfall:

Im Ausschuss platzt "eine Bombe"

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Das Dach des Amtshauses sollte neu eingedeckt werden. Das wird erst einmal gestoppt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das Amtshaus abreißen, von Grund auf entkernen und wie einen Neubau unter Beibehaltung der Außenhaut wieder aufbauen oder doch besser an ganz anderer Stelle in der Gemeinde einen Verwaltungsneubau hinsetzen? Verwirrung und Aufregung im Plan- und Bauausschuss am Montag, 13. März. Damit hatte nun wirklich kein Politiker gerechnet. Als Holger Selve vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Altena den Sachstand in Sachen Sanierung des Verwaltungssitzes vortrug, platzte im Wortsinne fast eine Bombe.

Der Diplom-Ingenieur riet klipp und klar von einer bisher ins Auge gefassten Dachsanierung und damit flächendeckenden Neueindeckung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ab. Grund: Der gesamte Dachstuhl des Hauses sei ebenfalls so marode, dass er ersetzt werden müsse. „Keine Sorge: Es besteht aktuell keine Gefahr für Passanten oder die Personen im Gebäude. Das umstehende Gerüst gibt dem Dachstuhl noch die nötige Stabilität. Da passiert nichts“, fügte er an.

Nötige Stabilität

Aber es mache keinen Sinn, für viel Geld historisch nachempfundene Dachziegel anfertigen zu lassen, die dann nicht auf den Dachstuhl aufgebracht werden könnten, weil der sie aus statischen Gründen nicht mehr tragen könne. Was der Fachmann dann weiter nach der bisherigen Untersuchung und Inaugenscheinnahme zu offen gelegten Decken, dem Zustand der verschiedenen Geschosse, falsch verbauten Balken und dem Ist-Zustand des Kellers oder der angeknacksten Statik im Allgemeinen sagte, ließ die Mienen der Baupolitiker fast starr werden. Die Zahlen, die Selve gut nachvollziehbar und schon mit einem gewissen Maß an „Sicherheitseinrechnung“ präsentierte, stiegen von Minute zu Minute um bei schließlich mehr als 1,4 Millionen Euro („ohne Garantie“) Minimum zu landen. Das Haus zu sanieren sei „eine OP für sich“, sagte der Fachmann und riet dringend, die Verwaltung „über kurz oder lang aus dem Gebäude auszulagern.“ Sie nutzt dort zurzeit etwa 800 Quadratmeter Verwaltungsfläche.

Die Bediensteten sollen für mindestens sechs Monate ausgelagert werden und in Containern arbeiten.

Vertreter aller Fraktionen sprachen in der zum Teil emotional aufgeheizten Diskussion von „einem Fass ohne Boden“. Andererseits sei das Haus zweifellos „ortsbildprägend“ und aus Nachrodt nicht „wegzudenken.“ Stellvertretetender Bürgermeister Michael Schlieck (CDU) schlug vor, die Verwaltungsmitarbeiter vorübergehend in Containern arbeiten zu lassen. „Es gibt genug Raum um das Haus.“ SPD-Ratsherr Matthias Lohmann hatte im Amtshaus-Umfeld „viele freie Wohnungen“ gesichtet, „die böten sich vielleicht auch an.“ Das lehnte insbesondere Bürgermeisterin Birgit Tupat kategorisch ab. „Wir können uns doch nicht einfach mal eben einen PC unter den Arm klemmen und in eine Wohnung ziehen. Es geht um sensible Daten. Zudem sind dort nur wenige Häuser frei. Das taugt gar nicht.“ Holger Selve bot an, „bis zu den Sommerferien die Situation klar und deutlich präzisieren zu können.“

Entkernen und neu aufbauen

 Einer seiner Vorschläge: Das Haus komplett entkernen, es auf eine Art Rohbau zurückzuentwickeln und dann neu von innen aufzubauen. „Dann haben sie aber immer noch keinen Neubau.“ Der Ausschuss war sich einig, dass jetzt bis zu den Sommerferien „ein Ideenprozess einsetzen, die Denkmalbehörde beteiligt und Container und ein Standort dafür gefunden werden müssen.“

CDU-Ratsherr Michael Schlieck:

 "Niemand will eine Notlösung" und

SPD-Kollege Matthias Lohmann

meint: "Das, was da ist, sinnvoll ertüchtigen."

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