Ausbilder berichten aus erster Hand

+
Aufmerksam hörten die Schüler zu. -

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Am Ende dieser ungewöhnlichen Unterrichtsstunde hatte die Schülerin der Klasse 10b vor allem eins gelernt: „Dass ich als Hauptschülerin mehr Chancen habe, als jemand vom Gymnasium“. Zuvor hatte Angelika Fuchs, die bei den Walzwerken die kaufmännischen Auszubildenden betreut, betont, dass sie einen Hauptschüler, der noch die Handelsschule absolviert habe, einem Gymnasiasten vorziehen würde.

Angelika Fuchs und Nico Napierkowski, welcher die gewerblichen Auszubildenden betreut, waren auf Einladung von Hauptschulleiter Rüdiger Grote in den 10er-Klassen, um den Jugendlichen, die demnächst auf dem freien Markt eine Lehrstelle suchen, oder zu einer Fachschule gehen, Einblick in den Arbeitsalltag und das Zusammenspiel mit Kollegen zu geben. Sie zeigten aus ihrer Sicht, was passiert, wenn ein Azubi häufig zu spät kommt, oder welchen Eindruck ungewöhnliche Klamotten hinterlassen und warum gewisse Schulleistungen wichtig sind, um in einem Unternehmen eine Lehre abschließen zu können und im normalen Arbeitsalltag zu bestehen. So erfuhren die Hauptschüler, dass Dreisatz und Prozentrechnung zum Arbeitsalltag gehören, dass die Beherrschung der deutschen Sprache im Betrieb vor teuren Fehlern bewahrt, dass bei Team- oder Schichtarbeit Pünktlichkeit schon aus Kollegialität wichtig ist. Dabei spiele Selbstwahrnehmung und Außenwirkung eine große Rolle. Auch Tipps für ein Vorstellungsgespräch gab es von den beiden Experten: Für Napierkowski ist Natürlichkeit wichtig und dass sich ein potenzieller Azubi nicht verstellt. Und Fuchs betonte, dass jemand gut informiert zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen müsse. Man sollte etwas über das Unternehmen wissen und natürlich über den Ausbildungsberuf.

Schulleiter Rüdiger Grote hatte die Idee zu dieser speziellen Art von Unterricht bekommen, als er in Niedersachsen weilte und von einem ähnlichen Projekt hörte. Es sei wichtig, so Grote, dass die Jugendlichen eben auch mal eine Einschätzung von jemandem außerhalb des Schulbetriebs bekämen. Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke, habe dabei sofort zugesagt, beim Projekt zu helfen und seine Mitarbeiter dafür freigestellt. Grote möchte das Vorhaben ausbauen und noch Unternehmer oder Mitarbeiter aus anderen Branchen in die Schule holen. - vdB

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare