Trockenheit und Frost setzen den jungen Bäumen zu

In dem Bereich am Waldstück bei Oevenscheid hat Förster Christof Schäfer bereits im Frühjahr eine Kyrillfläche wieder aufforsten lassen, doch nicht alle Jungpflanzen haben die ersten Monate überlebt. Deshalb muss jetzt nachgepflanzt werden. Foto: Hornemann

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Trockenheit, Spätfrost und Mäusefraß haben bei den erst im Frühjahr gepflanzten Laubbaum-Sämlingen zu Ausfällen von bis zu 100 Prozent geführt. Förster Christof Schäfer hat deshalb noch einmal das Forstfachunternehmen Poblocki angefordert, um vor dem ersten tiefen Frost mit der Wiederaufforstung 2013 zu beginnen.

Weil Rehe die nährstoffreichen Knospen sehr zu schätzen wissen, werden die jungen Eichen- und Buchentriebe mit Verbissschutzmittel präpariert. Ein schneearmer Winter, der dem Wild noch viel Zugang zur Äsung lässt, wäre für die zukünftige Fortsentwicklung gut. Sollten die Rehe sich dennoch an den verführerischen Knospen versuchen wollen, liegt ihnen ein bitterer Geschmack auf der Zunge. Die weißliche Flüssigkeit, die vor Verbiss schützen soll, verwittert erst im Frühjahr. Wenn diese Jahreszeit niederschlagsreich ausfällt, haben die zwei Jahre jungen Sämlinge gute Chancen, durchzukommen.

Die erste Holzernte im Bereich Waldstück, wo die jungen Triebe seit dieser Woche stehen, wird Förster Christof Schäfer nicht mehr im aktiven Dienst erleben. „Frühestens in 50 Jahren“, passiert da etwas, erklärt er. Die malerische Gegend bei Oevenscheid eignet sich wenig zur Anpflanzung von Fichten. Weil das Landesförderprogramm zur Wiederaufforstung auch explizit die Ansiedlung von Laubwald vorsieht, nutzt der Förster diesen Raum gern dafür aus.

Die Mitarbeiter der Firma Poblocki halten vom Wegesrand einen gebührenden Abstand, um die Sämlinge einzusetzen. Sie verwenden ein Pflanzverfahren, das die natürliche Bodenstruktur nicht zerstört: Der „Göttinger Fahrradlenker“, wie das Arbeitsgerät der Pflanzarbeiter genannt wird, wird kräftig in den Boden gerammt. So bildet sich ein Spalt, der die Kapillare erhält. Die zarte Wurzel wird eingesetzt und die Erde anschließend festgetreten. Das ist eine körperlich anstrengende Arbeit, die nicht mehr ausgeführt werden kann, wenn die Erde mehrere Zentimeter tief gefroren ist.

Rückschnitt allerdings wird noch stattfinden über den Winter. Wo was zu tun ist, das weiß das Poblocki-Team ganz genau. Seit Kyrill sind die Kollegen des Forstfachbetriebs im gesamten Gemeindegebiet unterwegs. Ihren Firmensitz haben sie mittlerweile von Güstrow nach Altena verlegt, weil der Orkan im Januar 2007 hier so viel Aufforstungsbedarf in der Region geschaffen hatte, dass es Arbeit genug gibt für die polnischen Waldarbeiter. In diesem Herbst sind beispielsweise 20 000 Pflanzen nachgesetzt worden. Die Materialkosten – 60 bis 70 Cent pro Sämling – sind komplett durch die Mittel aus dem Landesförderprogramm abgedeckt. Die Waldbesitzer tragen die Kosten für die Arbeitsstunden.

Es bedarf guter Abwägung, den Wald langfristig zu gestalten und zu erhalten. Die Fichte überlebt als Nadelgehölz grundsätzlich leichter, entwickelt jedoch im Alter Probleme. Beim Laubholz verhält es sich in der Regel umgekehrt, weil die jungen Triebe eben gern von Nagern und Wild angeknabbert werden. Die Deutsche Eiche, lange berühmt für ihre Standfestigkeit, leidet heute unter Stockausschlag: Er bewirkt, dass zum Beispiel ein 70 Jahre alter Baum auf einer 100 Jahre alten Wurzel fußt. „Mit der Stabilität einer Kernpflanzung kann so ein Baum einfach nicht mithalten“, bringt Förster Christof Schäfer das Problem auf den Punkt. - Ina Hornemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare