Haus Nachrodt

Studentinnen erforschen die Geschichte

Architekturstudentinnen erforschen Haus Nachrodt
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Charlotte von Löbbecke-von Campe (rechts) freut sich über die Unterstützung von Sara Schwernsburg und Rebecca Thiel. 

Die alten Dielen knarren, der Wind rüttelt sanft an den Fenstern. Könnten die jahrhundertealten Balken im und um das Haus Nachrodt reden, würden sie bestimmt manch eine spannende Geschichte erzählen können. Anekdoten von wilden Feiern mit Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio, romantischen Liebschaften, Kriegswirren und politischen Diskussionen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das Haus Nachrodt thront seit Jahrhunderten an der Lenne. Viele Nachrodter verbinden mit dem prunkvollen Gebäude ihre ganz eigenen Erinnerungen. Doch es ranken sich auch viele Rätsel um das Haus und seine verschiedenen Bewohner.

Charlotte von Löbbecke-von Campe will diese nun nach und nach lüften und taucht dafür ganz tief ein in die Geschichte des Hauses und die damit verbundene Historie ihrer Familie. „Seit drei Jahren forsche und sortiere ich nun Unterlagen und Zeitzeugnisse hier im Haus. Auch wenn da hochinteressante Geschichten zutage treten, nimmt das doch viel Zeit in Anspruch“, erzählt Charlotte von Löbbecke-von Campe.

Charlotte von Löbbecke-von Campe sprach Universitäten an

Schnell war klar, dass sie alleine nicht die Berge von Informationen sortieren und verwerten kann. Also kam sie auf die Idee, Universitäten anzusprechen. „Die Professorin für Architekturgeschichte in Siegen, Frau Prof. Dr. von Engelberg, besuchte uns kurzfristig mit ihrem Mann zur Besichtigung und war sofort begeistert“, berichtet die Eigentümerin. Das Prozedere nahm seinen Lauf und seit einigen Monaten forschen dort die Architekturstudentinnen Sara Schwernsburg und Rebecca Thiel.

Schwernsburg widmet sich dabei vor allem dem Haupthaus, ihre Kommilitonin dem Nebengebäude, das auch als Gästehaus bekannt ist. „Eine weitere Anfrage habe ich gerade der Uni Hannover gestellt. Im Rahmen des Fachs Landschaftsarchitektur finden sich vielleicht Studierende für die Erforschung der Parkanlage im Rahmen einer Semester- oder Masterarbeit“, erklärt die Initiatorin des Forschungsprojekts.

Die Studentinnen vermessen die Gebäude, erstellen Raumpläne und machen jede Menge Fotos. Für das Nebengebäude wollen sie unter anderem ein neues Nutzungskonzept erstellen.

Suche nach neuen Nutzungen

„Es geht auch darum, die gesamte Anlage für die Zukunft fit zu machen. Alles lag ja etwas im Dornröschenschlaf“, erzählt Charlotte von Löbbecke-von Campe. Ihr Ziel sei es, Leerstand abzubauen, neue Nutzungen und Konzepte zu finden. Von Löbbecke-von Campe: „Die gesamte Anlage ist in dieser Art als Zeugnis der Wohnkultur für die Zeit der früheren Industrialisierung bis zum Ende des Kaiserreichs einmalig erhalten und ein Aushängeschild für die Gemeinde Nachrodt und die gesamte Region.“

Sowohl Eduard Schmidt als auch Wilhelm von Zuccalmaglio und Eduard von Löbbecke seien herausragende und verdiente Persönlichkeiten ihrer Zeit, die weit über die örtlichen Grenzen für den Fortschritt und Verbesserungen für alle gewirkt hätten. „Leider wird hier das Andenken nicht sehr hochgehalten, die eigene Geschichte vergessen. Das wollen wir ändern und hoffen auf Interessierte, die mitwirken möchten“, sagt Charlotte von Campe-von Löbbecke.

Das Familienwappen der von Lööbeckes

Studentin Rebecca Thiel findet die Idee auch gut. Sie erarbeitet derzeit ein Konzept für das Nebengebäude. Sie plädiert für eine Mischnutzung. Beispielsweise in Form von Wohn- und Veranstaltungsraum. Die beiden Studentinnen sind mit Eifer bei der Sache. „Wir tauchen immer tiefer in die Geschichte ein. Und je mehr wir über das Gebäude herausfinden, umso mehr erfahren wir auch über die Menschen, die hier einmal gelebt und gewirkt haben“, erzählt Sara Schwernsburg.

Klar zu sehen, seien beispielsweise die Auswirkungen des Krieges. „Man kann klar einen Stilbruch erkennen. Danach mussten solche Bauten nicht repräsentativ, sondern vor allem zweckmäßig sein. Viele schöne Details gingen verloren. Im Nebengebäude wohnten beispielsweise vier Familien“, erklärt Thiel. Einige alte Details tauchen jetzt bei den ersten Renovierungsarbeiten wieder auf. So zum Beispiel alte Wandmalereien im Nebenhaus.

Um 1820 erbaut

Die Studentinnen gehen davon aus, dass das Haupthaus um 1820 erbaut wurde, das Nebengebäude Mitte des 18. Jahrhunderts. Damals war es noch als Scheune, Stall und Wohnhaus errichtet worden. Mit Landadel hatte das Haus Nachrodt noch nichts zu tun. Erst nach und nach wurde es herrschaftlicher. Die Blützeit war, als der Saal neu angebaut wurde. Eduard Schmidt und seine Frau Emma, die die Schwester von Alexander Löbbecke war, nachdem unter anderem die Alexanderhöhe in Iserlohn benannt ist, legten bereits die Parkanlage an.

Adelssitz wurde es erst später

20 Jahre später, so um 1870, folgte der Saal. „Die zweite Welle der Entwicklung kam dann mit Eduard Löbbecke, dem Enkel“, erzählt Charlotte von Löbbecke-von Campe. Er wollte aus dem Anwesen einen Adelssitz machen – mit Erfolg. Dafür musste er unter anderem den Saal umgestalten und umbauen. „Wir gehen davon aus, dass aus dieser Zeit auch die Empore im Nebengebäude stammt. Dort ist das Wappen der Familie eingearbeitet worden – damals war man stolz darauf“, erklärt Rebecca Thiel.

Es gibt aber auch Probleme, die sich über all die Jahre kaum geändert haben: „Die Kurve vor unserem Haus war schon immer ein Unfallschwerpunkt. Man kann noch gut sehen, dass es hier vorne auch mal eine Pergola gegeben haben muss. Sie wurde aber bei einem Unfall zerstört und dann nicht wieder neu aufgebaut.“

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