14 Asylbewerber aus sieben Nationen

Das Asylbewerberheim.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Alljährlich wird es Thema: Das Asylbewerberheim. Dann werden die Kosten für das Haus an der Hagener Straße auf den Quadratmeter umgelegt. Meist wird das von den Kommunalpolitikern im Rahmen der Haushaltsberatung zur Kenntnis genommen.

Rund vier Euro warm pro Quadratmeter werden kalkuliert. Eine Luxusherberge ist das Heim nicht gerade. Der Asylbewerber wohnt natürlich in der Regel umsonst dort und bekommt zusätzlich die gesetzliche Unterstützung von der Gemeinde. Und manches mal gibt es dort auch erheblich Ärger. Birgit Tupat, zuständige Fachbereichsleiterin, musste von jüngst „eingetretenen Türen berichten und von Polizeibesuchen“. Das Heim selbst bietet keinen schönen Anblick: Mit Betttüchern zugehängte Fenster, ungeputzte Scheiben, im Hinterhof finden sich Kochtöpfe und Fahrrad-Skelette. Es ist ein buntes Völkergemisch, das sich dort aufhält. Tupat berichtet von Indern, von Asylbewerbern aus Bangladesh, aus Niger, Ghana, China, Vietnam, Iran oder Albanien. Nur die rechte Haushälfte des Asylbewerberheims wird genutzt, weil der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde derzeit nur 14 Bewerber zugeteilt wurden. Zu Spitzenzeiten waren es sage und schreibe 80 Menschen, die in den Doppelhaushälften untergebracht wurden.

Auch wenn es derzeit nur 14 Asylanten sind. Sie müssen teilweise auf Gemeinschaftszimmern wohnen. Dabei werden die Menschen nicht einfach zusammengewürfelt. Tupat: „Wir müssen schon auf Religion oder Nationalitäten achten“. Nur so könne Ärger vermieden werden. Gelegentlich gibt es auch Spezialfälle. Einer jungen allein stehenden Frau wollte man nicht zumuten, zwischen all den Junggesellen zu hausen. „Für die haben wird dann bei der Baugesellschaft eine Wohnung besorgt“. Die junge Frau hat sich inzwischen auch sehr rege darum bemüht, sich hier trotz all der gesetzlich-behördlichen Widrigkeiten, die sich hierzulande bieten, eine Existenz aufzubauen. Wie Tupat berichtete, arbeite in der Regel ein guter Teil der Asylbewerber. Vor allem die Chinesen würden wohl rasch Arbeit finden.

Wenn neue Asylbewerber kommen, hat die Gemeindeverwaltung nicht viel Vorlaufzeit. In der Regel komme zehn Tage vorher ein Fax mit ein paar Daten und Angabe der Nationalität und dann muss die Verwaltung alles rund um die Unterkunft anleiern. Das Notwendige wie Bett und Bettzeug wird besorgt, dem Hausmeister Bescheid gegeben, dann wartet man auf die Ankunft. Meistens kommen sie per Bus. Tupat: „Es gibt auch Fälle, da wurden die neuen von Freunden oder Bekannten per Mercedes hier vorgefahren“.

„Einige Asylbewerber leben seit einem Jahrzehnt in Nachrodt-Wiblingwerde. Andere bleiben nur ein halbes Jahr“, sagt Tupat. Über die Schicksale der einzelnen Menschen bekommt sie kaum etwas mit, allerdings beobachtet sie die Berichterstattung über Kriegsgeschehen in anderen Ländern mit ganz anderen Augen. - vdB

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