Amphibien bereiten den Naturschützern Sorgen

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Friedrich Petrasch zeigt auf einen Tümpel im Bereich der Einsaler Walzwerke, den Naturschützer pflegen, um Amphibien die Möglichkeit zur Laichablage zu geben.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Ihr Einsatz wird oft belächelt, und ist für das Ökosystem doch so wichtig. Trotzdem ist das Verständnis für Naturschutz nicht allgegenwärtig. „Nach wie vor ist wenig Bewusstsein da“, muss Naturschützer Friedrich Petrasch trotz seines jahrelangen Engagements beim Nabu Märkischer Kreis feststellen.

Ob der „Tag des Artenschutzes“, der jährlich am 3. März stattfindet, daran etwas ändern wird, ist wohl eher unwahrscheinlich. Außerdem weiß Petrasch: Artenschutz kann nicht nur an einem Tag stattfinden. „Der Großteil unserer gesamten Arbeit im Jahr dient dem Artenschutz.“

Die Amphibien zählt die Organisation in Nachrodt-Wiblingwerde und Altena seit 1981 zu den größten Sorgenkindern. Zum Ablegen ihrer Eier benötigen die Tiere Gewässer. „Die Zahl der Weiher und Tümpel geht aber immer weiter zurück“, weiß Friedrich Petrasch. Etwas wehmütig erinnert er sich an die Jahre zurück, in denen im Frühjahr so mancher Teich „von Froschlaich überquoll“. 30 Jahre sind vergangen, seit Bergmolche, Teichmolche, Fadenmolche, Erdkröten und Geburtshelferkröten in stabiler Anzahl die Laichgewässer aufsuchten. Friedrich Petrasch berichtet von einem der früher wichtigsten Laichgewässer auf Nachrodt-Wiblingwerder Gebiet, das mittlerweile „biologisch tot“ sei. „Dort ist nichts mehr zu finden“, hat das Nabu-Mitglied vor einiger Zeit feststellen müssen.

Um den Amphibien neue Lebensräume zu schaffen, entschlammen und entkrauten die Naturschützer alte Viehtränken und Löschteiche, die nicht mehr genutzt werden. „Das gehört zu unserer regelmäßigen Winterarbeit“, erzählt Friedrich Petrasch. Die neu geschaffenen Laichorte sind in der Tierwelt willkommen – haben auf die Population aber noch keinen durchschlagenden Erfolg. „Die Bestände gehen trotzdem zurück.“

Mehr Erfolg verspricht dagegen die Pflanzaktion von vor zehn Jahren, die mit öffentlichen Fördermitteln finanziert werden konnte. „Damals haben wir fünf alte Obstbaumsorten gepflanzt“, erinnert sich Friedrich Petrasch. Im Mühlenbach, in Rotenschlade, Rennerde, Wiblingwerde und Herlsen ergänzten die Nabu-Mitglieder damals bereits bestehende Obstgärten. „An die 3000 verschiedene Obstbaumsorten gibt es alleine in Deutschland. Aber nur wenige davon sind marktfähig“, so Friedrich Petrasch. Ihr Erhalt sei nicht nur für die Züchtungen von besonderer Bedeutung. Würden diese Sorten mit ihren ganz eigenen Eigenschaften verschwinden, hätte das auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Insekten ernähren sich von ihren Blütennektaren, Vögel finden an diesen Bäumen Winternahrung, und selbst verfaulte Exemplare dienen der Artenvielfalt. „Seltene Vogelarten, wie der Steinkauz, finden in ihnen hervorragende Brutplätze“, so Petrasch.

Gerne erinnert sich Friedrich Petrasch an die Gemeinschaftsaktion des Nabu mit der Hauptschule zurück. Eine Schulklasse von Armin Melzer pflanzte vor etwa 20 Jahren Feldgehölze – ein Bestand aus verschiedenen Bäumen und Sträuchern –, in denen in erster Linie Vögel zum Brüten „einziehen“ können. „Der Neuntöter ist mittlerweile eine Besonderheit. Doch in den damals gepflanzten Gehölzen habe ich ihn schon beobachtet“, freut sich der Naturschützer, dass sich die schweißtreibende Arbeit und die fortlaufende Pflege gelohnt haben. ▪ Susanne Riedl

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