Arbeit, die eigentlich niemand bezahlen kann

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In die Weihnachtsbaumkulturen des Tannenhofes steckt Karl-Heinz Tacke viel Arbeit. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Neben dem Naturschutzpreis 2011, den Karl-Heinz Tacke Ende November erhielt, freut er sich seit Donnerstag über eine weitere Anerkennung seiner Arbeit. „Ich habe einen Anruf vom Umweltschutzzentrum Fröndenberg bekommen, ob ich in die List der Anbieter ökologisch gewachsener Tannenbäume aufgenommen werden möchte“, erzählt Karl-Heinz Tacke – was der Hallenscheider natürlich nicht ablehnte.

Ökologischer Anbau bedeutet, dass keine Spritzmittel zum Einsatz kommen. „Wer einmal spritzt, vertreibt die Marienkäfer, die natürliche ,Schutzpolizei' der Tannenbäume. Wir lassen sie einfach in den Bäumen sitzen“, sagt Karl-Heinz Tacke. Eine weitere Besonderheit des ökologisch gewachsenen Tannenbaums ist die jahrelange umfangreiche Pflege. Das Gras, das unter den Bäumen heranwächst, muss mehrmals im Jahr gemäht werden. Die Gräser zwischen den Tannen stutzt Karl-Heinz Tacke mit einem Motormäher, doch um jeden einzelnen Baum freischneiden zu können, muss er die Sense zur Hand nehmen. „Das Gras darf nicht in die Bäume hin-einwachsen. Sie brauchen von unten Luft, damit sich kein Pilz einnisten kann“, erklärt er die Notwendigkeit.

Nach den Wachstumsphasen kürzt Karl-Heinz Tacke die Übertriebe mit einer Rosenschere, um die Bäume in eine schöne Form zu bringen. Mehrere tausend Fichten pflegt er so jedes Jahr aufs Neue. „Die Arbeit kann einem eigentlich gar keiner bezahlen“, meint Tacke und zieht einen Vergleich. „Wenn die Leute einen großen Blumenstrauß für 40 Euro kaufen, meckern sie ja auch nicht. Und das sind Blumen, die innerhalb von ein paar Wochen gewachsen sind.“

Etwa 5000 Setzlinge bringt der Tannenhof Tacke jedes Jahr im April/Mai neu in die Erde. Zwischen 20 und 30 Zentimeter sind sie zu diesem Zeitpunkt groß. Die kleinen Bäumchen wählt Karl-Heinz Tacke bereits in den heimischen Baumschulen mit Bedacht aus. „Die Knospenbildung und die Herkunft müssen passen.“ Am liebsten kauft Tacke Nordmanntannen, deren Samen von russischen Mutterbäumen stammen, denn „die sind frostsicherer.“ Um die Setzlinge gut über die Eisheiligen im späten Frühjahr zu bringen, bemüht sich der Tannenhof darum, Sorten zu bekommen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt austreiben. Am wohlsten fühlen sich die Tannenbäume in mittlerer Höhenlagen auf Wiesen mit Ostlage. „In Südlagen treiben sie zu früh aus“, weiß Karl-Heinz Tacke. Und das ist mit Hinblick auf Nachtfröste im Frühjahr nicht gewünscht.

Acht Jahren dauert es, bis die ersten Bäume eine Höhe von 1,50 bis 1,70 Metern ereicht haben. Das sind die kleinste Bäume, die bei Tackes in den Verkauf kommen. Zehn Jahre müssen die zwei Meter großen Exemplare heranwachsen, zwölf Jahre oder länger benötigt ein Baum, der 2,50 Meter oder höher hinaus möchte. „Wir lassen aber auch einige Bäume in unseren Kulturen stehen und sie bis auf sechs Meter wachsen. Firmen oder Kirchen brauchen ja oft was Größeres“, weiß Tacke.

Doch so langwierig und mühsam die Arbeit auch ist, Karl-Heinz Tacke bereitet sie immer wieder Freude. „Wenn ich durch unsere Kulturen gehen und mir vorstelle, wie die Bäume die Stuben an Weihnachten schmücken, ist das für mich immer wieder Motivation.“ Ab August markiert er die Bäume, die im folgenden Winter in den Verkauf sollen. Bis Ende November bleiben die Weihnachtsbäume in ihren Kulturen stehen und werden bei Bedarf etappenweise geschlagen, damit sie möglichst frisch beim Kunden ankommen. Der Fachmann rät, nach dem Tannenbaumkauf das Exemplar nach Möglichkeit nicht gleich ins warme Wohnzimmer zu stellen, sondern erst ein paar Tage im Keller oder der Garage liegen zu lassen. „Damit der Baum besser Wasser ziehen kann, sollte der Stamm dann um einen Zentimeter gekürzt werden bevor er in den Christbaumständer kommt.“ So sollte er bis lange in den Januar hinein sein grünes „Kleid“ ohne großen Nadelverlust tragen können. ▪ sr

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