Kurioser Streit: Darum wird ein Apfelbaum zum "Zankapfel"

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Um diesen besonderen Apfelbaum geht's.

Nachrodt-Wiblingwerde – Er ist selten, hat einen besonderen Namen und steht in Wiblingwerde: Doch nachdem er schon gepflanzt wurde, sorgt der Apfelbaum nun für Diskussionen.

Wenn aus einem kleinen Apfelbaum ein Zankapfel wird... So könnte man die Diskussion beschreiben, die es aktuell in der Gemeinde gibt. Dabei ist der Baum längst gepflanzt und der Besitzer, der Heimat- und Verkehrsverein, versteht die Welt nicht mehr. 

Es geht um die Malus Zuccalmaglio Renette. Das ist eine sehr seltene Apfelsorte, die nach dem Musiker und Volksliedersammler Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio benannt wurde. Dieser ist vor fast genau 150 Jahren in Nachrodt gestorben. Am Todestag war eine Delegation aus Waldbröl, der Geburtsstadt von Zuccalmaglio, in Wiblingwerde zu Gast und schenkte dem Heimat- und Verkehrsverein eben diesen Apfelbaum. 

Hoffnung auf schöne Früchte im Herbst

„Er stand im Kübel hinter der Heimatstube und wurde sorgsam gepflegt. Er war in einem sehr guten Zustand, als er eingepflanzt wurde“, erzählt Siegfried Kruse vom Heimat- und Verkehrsverein.

Ort des Geschehens: am Lohagen – am Beginn des Waldlehrpfades. Karl-Heinz Tacke, Reinhard Ittershagen, Volker Becker und Roderich Knipps haben das „gute Stück mit Schutz gegen Wühlmäuse und alle möglichen guten Zutaten für den Boden eingepflanzt“, sagt Siegfried Kruse. Nachgewässert wurde er auch bereits, sodass „der Baum wahrscheinlich im Herbst schöne Früchte tragen wird“. 

Kein gutes Klima

Aber genau das bezweifelt Friedrich Petrasch. „Der Untergrund hat wenig Mutterboden, dafür Steine und Felsen“, sagt der Umweltexperte und verweist auch auf die klimatische Grenzlage im oberen Gemeindegebiet. „Deshalb hat sich auch die Wacholderheide gehalten. Aber für so einen Apfelbaum ist es ungünstig.“ 

Friedrich Petrasch schlug vor, den besonderen Baum, der eher in Tieflagen beheimatet ist, doch in Nachrodt zu pflanzen, am besten in der Nähe des Gedenksteines für Zuccalmaglio. Allerdings müsste er weichen, wenn die neue Brücke gebaut wird. „Das hat also wenig Zweck“, sagt Friedrich Petrasch selbst. 

 "Baum geht nur ein wenn Rat dagegen  pinkelt“ 

Wie und warum es das Thema „Malus Zuccalmaglio Renette“ in die nichtöffentliche Ratssitzung geschafft hat, ist nicht bekannt. Dort aber erkundigte sich Gerd Schröder (SPD) nach dem Verbleib des Apfelbaumes. Da war dieser aber längst eingepflanzt. 

Ob der Apfelbaum nun gerade einmal kümmerlich überleben oder im Glanz erstrahlen wird, dürfte nur die Zeit zeigen. „Da soll bloß keiner mit der Spitzhacke kommen“, sagt Siegfried Kruse über mögliche Ideen, den Baum wieder auszubuddeln, und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn der Baum eingeht, dann liegt es nur daran, dass der Rat dagegen gepinkelt hat.“ 

Unempfindliche Sorte

Die Politiker waren aber augenscheinlich eher amüsiert statt ernsthaft daran interessiert, den Apfelbaum nach Nachrodt zu karren. Übrigens: Die Äpfel werden im besten Fall saftig, würzig, mittelgroß, gelb und edel. Eine Besonderheit ist, dass diese Frucht nicht welkt. Die Frucht an sich gilt als unempfindlich.

 „Klima hin oder her. Auch hier oben wachsen Apfelbäume“, sagt Reinhard Ittershagen. Und am Waldlehrpfad würden ihn auch viele Spaziergänger bewundern können. „In Nachrodt geht doch keiner hin, um sich das anzugucken“, meint Reinhard Ittershagen. 

Wer auf jeden Fall immer wieder einen Blick auf den Apfelbaum werfen wird, ist Friedrich Petrasch. „Auf mich hört ja keiner“, sagt der Experte vom Nabu-MK. „Man muss jetzt sehen, dass der Baum regelmäßig gegossen wird."

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