Anwohner unter höchster Spannung

Das Dortmunder Unternehmen Amprion will seine Versorgungsachse Dortmund-Frankfurt ausbauen. Davon ist auch Nachrodt-Wiblingwerde betroffen. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion GmbH will auf dem Gebiet von Nachrodt-Wiblingwerde eine neue Höchstspannungsfreileitung bauen. Die 110-/380-Kilovolt-Leitung, die zwischen Veserde und Rennerde hindurch und über Wiblingwerde und Oevenscheid führen soll, ist Bestandteil einer neuen, insgesamt 116 Kilometer langen Stromleitung von Dortmund bis ins rheinland-pfälzische Dauersberg.

Die Leitung ist als Teilstück der Versorgungsachse Dortmund-Frankfurt geplant und soll die bestehende 220-kV-Höchstspannungsleitung sowie auf Teilstrecken die 110-kV-Hochspannungsfreileitung ersetzen. Die neue Leitung soll dazu beitragen, den in den geplanten Windparks im Norden und in neuen Kraftwerken vor allem im Ruhrgebiet erzeugten Strom in die Ballungszentren im Süden zu transportieren. Dieses Vorhaben wurde im Energieleitungsausbaugesetz des Bundes als vordringlich festgelegt.

In dem von der Bezirksregierung in Arnsberg eingeleiteten Raumordnungsverfahren kommt nun auch die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde zu Wort. Der Planungs- und Bauausschuss wird sich in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Mittwoch, 4. Mai, der Rat am 9. Mai mit dem Thema befassen. Bürgermeisterin Beatrix Naujoks und Fachbereichsleiter Jürgen Röll schlagen den Politikern vor, Amprion eine Alternativtrasse zu empfehlen, die nicht direkt über die Wohngebiete Niggenhuser Hof und Harpkestraße sowie Über dem Dorfe und Kolpingstraße in Wiblingwerde verläuft. Diese Bereiche wären nämlich die Trasse betroffen, die Amprion bevorzugt. Allerdings gibt es auch zwei Alternativtrassen, die weiter westlich und weiter östlich verlaufen. Während die westliche Variante nur auf einem kurzen Teilstück von der Vorzugstrasse abweichen und dicht am Wohngebiet Niggenhuser Hof und am Waldkindergarten vorbeiführen würde, würde die Ost-Trasse einen weiten Bogen um ganz Wiblingwerde machen. Sie würde dann allerdings näher an Eilerde heranrücken und die Becke überspannen. Der Vorschlag der Gemeindeverwaltung an die Politiker sieht vor, Amprion die Ost-Trasse schmackhaft zu machen und zu prüfen, ob sie kleinräumig so verschwenkt werden kann, dass die Wohnbebauung nicht beeinträchtigt wird. Auch für den Fall, dass sich die östliche Alternativtrasse nicht verwirklichen lassen sollte, hat die Verwaltung eine Lösung. Dann soll im Bereich der Wohnbebauung eine Erdverkabelung vorgenommen werden.

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In der Bevölkerung sorgen die Pläne der RWE-Tochtergesellschaft Amprion bereits seit einiger Zeit für Wirbel. Unter anderem drohen Anwohner damit, den Martwertverlust ihrer Grundstücke einklagen zu wollen, wenn das Unternehmen am Ausbau der alten Trasse festhalte oder sich für die West-Alternative entscheide. „Aus Immobilien in Traumlage würden dann schwer verkäufliche Häuser in belastetem Gebiet“, meint ein Anwohner vom Niggenhuser Hof, der auch an den Wertverlust der noch nicht verkauften Baugrundstücke erinnert. ▪ vg

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