Anwalt von Unschuld seines Mandanten überzeugt

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Von Anja Grevener

NACHRodt-wiblingwerde J Im Missbrauchsprozess gegen einen 57-Jährigen am Landgericht in Hagen, der in Nachrodt-Wiblingwerde seine eigene Pflegetochter mehrfach sexuell bedrängt und missbraucht haben soll, war gestern ein weiteres psychiatrisches Gutachten Mittelpunkt der Verhandlung.

Der Gutachter sollte die Frage der Schuldfähigkeit und möglichen Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung im Falle einer Verurteilung bewerten. Der Psychologe kam zu dem Schluss, dass der 57-jährige Angeklagte voll schuldfähig sei. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychische Störung bei ihm vor.

Der 57-Jährige, der mittlerweile von Nachrodt-Wiblingwerde nach Hagen verzogen ist, leide zwar nach dem tragischen Unfalltod seines Adoptivsohnes unter einer schweren Depression, von einer verminderten Schuldfähigkeit ging der Sachverständige jedoch nicht aus.

Dem 57-jährigen Pflegevater wird der mehrfache Missbrauch seiner heute 15-jährigen Pflegetochter vorgeworfen. Außerdem soll er die Nichte seiner ehemaligen Nachbarin bei einer Gelegenheit unsittlich berührt haben.

Nach dem Aufkommen der Vorwürfe gegen den Mann wurde die 15-Jährige aus der Pflegefamilie genommen. Ihr Heimweh, geschildert am letzten Prozesstag von zwei Betreuerinnen einer Wohngruppe, in der sie untergebracht worden war, und weitere Zeugenaussagen zeigten eigentlich eine innige und liebevolle Beziehung zwischen Pflegevater und –tochter. Weitere Zeugen hatten von zwei anderen möglichen Übergriffen und auch vom schon als Kind stark sexualisierten Verhalten der heute 15-Jährigen gesprochen und ihre Vorwürfe damit in anderes Licht gerückt. So hatte das Mädchen den Betreuerinnen erst von einem sexuellen Kontakt zu einem 20-Jährigen berichtet, dann aber eingeräumt, das sei eine Lüge gewesen. Bei einer der Gutachterinnen des Gerichts hatte sie dann eine Vergewaltigung durch den jungen Mann angedeutet und bei der Polizei detailliert geschildert.

Rechtsanwalt Frank Becker, der den 57-Jährigen verteidigt, ist ohne Einschränkungen von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. „Er wäre aufgrund seiner körperlichen und psychischen Verfassung gar nicht in der Lage gewesen, entsprechende sexuelle Handlungen vorzunehmen“, äußerte sich der Rechtsanwalt. Das Gericht müsse nach den beiden im Laufe des Verfahrens bekannt gewordenen Fällen erfundener sexueller Übergriffe durch andere Personen von der „fehlenden Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin“ ausgehen:

„Die Kammer wird nicht umhinkommen, meinen Mandanten von den Vorwürfen hinsichtlich der Pflegetochter freizusprechen. Auch was den verbleibenden Anklagepunkt betrifft, werde ich selbstverständlich einen Freispruch für meinen Mandanten beantragen“, sagte Becker.

Wahrscheinlich am 13. Februar wird die 1. Große Strafkammer am Landgericht Hagen nicht nur die Plädoyers der Verfahrensbeteiligten hören, sondern auch zu einer Entscheidung in diesem verwickelten Fall kommen und ihr Urteil sprechen.

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