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„Man sagt uns immer, was nicht geht“

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Antrittsbesuch: Die Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk (re.) zu Besuch bei Bürgermeisterin Birgit Tupat
Antrittsbesuch: Die Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk (re.) zu Besuch bei Bürgermeisterin Birgit Tupat © Fischer-Bolz, Susanne

Die zugesagte Förderung für den Sozialtrakt der Lennehalle fließt nicht, der Radewegebau hängt in der Luft, die neue Lennebrücke ist höchstens in kühnen Träumen zu sehen: In Nachrodt drückt der Schuh. Wo überall, weiß jetzt auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk, die bei Bürgermeisterin Birgit Tupat zu Gast war.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es war ein Gespräch wie unter Freunden: Der eine schüttet sein Herz aus, der andere hat ein offenes Ohr, versteht die Sorgen und Nöte. Dass die Fördermittel für den Sozialtrakt der Lennehalle immer noch nicht in der Gemeinde angekommen sind, sich die Verwaltung mit immer neuen Vorgaben des Projektträger Jülich die Zähne ausbeißt („das macht keinen Spaß mehr“) und trotz eigentlicher Zusage kein Geld fließt, löste bei Bettina Lugk auch nur Erstaunen aus. Ob sie Wunder vollbringen kann? Zumindest weiß die neue SPD-Bundestagsabgeordnete nun, wo der Schuh in der Gemeinde drückt. Und er drückt an vielen Stellen.

Bettina Lugk „klappert“ Bürgermeister ab

Nach der Bundestagswahl und ihrem Einzug in das Parlament, „klappert“ Bettina Lugk im Moment jede Woche zwei, drei Bürgermeister ab. „Zuerst kommen die dran, die gratuliert haben“, sagt die Sozialdemokratin und lacht. Denn es geht ihr bei allen gleichermaßen darum, zu erfahren, welche dringenden Themen in den Städten ihres Wahlkreises anstehen, und natürlich darum, sich vorzustellen und Kontakte zu knüpfen.

Das macht die neue Bundestagsabgeordnete bei ihren Antrittsbesuchen offensichtlich mit echtem Interesse. Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Birgit Tupat: „Es war für uns immer wichtig, als kleine Gemeinde Kontakt zu den Abgeordneten zu haben. Wenn es um Fördermittel geht oder es an anderen Stellen hakt.“

Bürgermeisterin hofft auf Unterstützung

Und es hakt hier und da: Brückenneubau. Radwegeplanung. „Man sagt uns immer, was nicht geht“, erzählt die Bürgermeisterin von Behörden-Gesprächen und wenig Pragmatismus. Wie eben auch beim Neubau des Sozialtraktes der Lennehalle, der zu 90 Prozent vom Bund gefördert wird. 1,4 Millionen Euro sind das für Nachrodt. Der Deutsche Bundestag hatte die Mittel für die „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereich Sport, Jugend und Kultur“ aufgestockt. Doch auch Bettina Lugk sieht deutlich, wie sich die Städte und Gemeinde strecken müssen, um die Förderung letztlich auch zu bekommen. Ist das im Sinne des Erfinders?

Auch Unterstützung für die Industrie erhofft sich Birgit Tupat. Es gibt immer mehr Auflagen und „ein Verwaltungsaufwand, der hinter vielen Dingen steht, der gewaltig ist.“ Bettina Lugk weiß um die Problematik des internationalen Wettbewerbs und der unterschiedlichen Standards. „Und eben diese unterschiedlichen Standards werden wahrscheinlich nicht bei der Ausschreibung berücksichtigt. Und dann wird ein externer ausländischer Lieferant bei der Ausschreibung bevorzugt, obwohl er die Qualität nicht bieten kann“, so die Bundestagsabgeordnete, die sodann auch mit Birgit Tupat den Blick schweifen ließ – nach Indien. Als drittgrößter Verursacher von CO2-Emissionen hat das Land verkündet, bis 2070 klimaneutral zu sein, „und hier werden viele Maßstäbe schon heute gesetzt. Das ist ganz wichtig, aber wir dürfen den Standort Deutschland nicht aus dem Blick verlieren“, so die Bürgermeisterin.

Signal aus den Unternehmen

Bettina Lugk setzt auf ein Miteinander. Und hat das Signal der Firmen schon aus dem Wahlkampf mitgenommen, vor eigentlichen Beschlüssen in den Dialog zu treten und dann abzuwägen. „Es ist immer besser, wenn man vorher drüber spricht.“

Eineinhalb Räume in Berlin

In Berlin „groovt“ sich Bettina Lugk langsam ein, hat in ihrem Leben noch nie so viele Formulare unterschrieben wie in den letzten Tagen, kämpft mit der „Technik, die nicht ganz einwandfrei läuft“, und fragt sich, wie sie in der Hauptstadt für die Mitarbeiter noch einen Schreibtisch in den ihr eineinhalb zugewiesenen Räumen unterbringen kann. Bürgeranfragen gibt es auch schon reichlich. „Es ist aufregend“, sagt die neue Bundestagsabgeordnete der SPD, die zu ihrem Start in Berlin auch einen Umzug in Iserlohn gewuppt hat. Jetzt pendelt sie. Meist mit dem Zug, der in Nachrodt wie in den Nachbarstädten noch keinen Meter fährt.

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